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60 Tonnen mitten durch die Stadt

60 Tonnen mitten durch die Stadt

Da haben einige Bitburger nicht schlecht gestaunt: Ein Schwertransport von Staffelstein nach Trier musste in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag quer durch die Bitburger Innenstadt gelotst werden. Seine Höhe von 5,60 Meter machte eine Fahrt über die B 51 unmöglich: Das Gefährt hätte unter keiner Brücke durchgepasst.

Bitburg. Ein kleines Trüppchen Schaulustige hat sich am Mittwochabend kurz vor 22 Uhr vor dem "Hotel Eifelbräu" postiert. Einige halten ein Glas Wein in der Hand, andere zücken ihr Foto-Handy, ihre Köpfe wandern nach links die Kölner Straße runter. Sie präparieren sich für ein Ereignis, das in Bitburg nicht alle Tage stattfindet: Ein Schwertransport - 60 Tonnen schwer, fast 30 Meter lang, fünfeinhalb Meter breit und 5,60 Meter hoch - soll mitten durch die Innenstadt gelotst werden. Vom Gelände der Firma "Christen und Laudon" aus Staffelstein, die im Kunststoff-Apparatebau tätig ist, ist er gegen 21.30 Uhr gestartet. Sein Ziel: der Trierer Hafen. Seine Ladung: ein 13 Meter hoher Abwasserbehälter mit einem Durchmesser von 5,10 Meter, den die Firma im Auftrag für ein Kraftwerk im österreichischen Linz gefertigt hat.

Die Fahrt von Staffelstein nach Trier ist eigentlich am einfachsten und schnellsten über die B 51 zu bewältigen. Eigentlich - wenn auf der Bundesstraße nicht die zahlreichen Brücken mit einer maximalen Höhe von 4,50 Meter wären. Zu niedrig für den Schwertransport, der am Mittwochabend über die Eifeler Straßen rollt.

Und so wurde im Vorfeld des Transports mit großem logistischen Aufwand eine 50 Kilometer lange Ausweichroute ermittelt: ein kurzes Stück über die A 60, dann über die L 32 nach Bitburg und von dort über die B 50, die L 47, die K 5 und schließlich die B 53 zum Trierer Hafen. Doch auch die ausgewählten Land- und innerörtlichen Straßen sind nicht ausgelegt für die Maße des Gefährts; zwei Mitarbeiter der für den Schwertransport zuständigen Stuttgarter Spediteurfirma "Hermann Paule" fahren am Mittwochabend vorneweg, räumen Baken aus dem Weg, heben Strom- und Telefonkabel an, entfernen Wegweiser, Richtungspfeile und drehen Schilder beiseite, beispielsweise das Schild des Fußgängerüberwegs kurz vor der Ecke Kölner/Dauner Straße, an der sich einige Schaulustige versammelt haben.

Während ihre Foto-Handys klicken, schiebt sich der Schwerlaster langsam um die Kurve - das erfahrene Team der Stuttgarter Speditionsfirma hat augenscheinlich alles im Griff. "Wir fahren in Bitburg eine kleine Sightseeing-Tour", scherzt ein Mitarbeiter.

Knifflig wird's in der Albachstraße



Weiter geht's über die Wittlicher Straße rechts in "Am Zuckerborn". Auch hier läuft alles glatt. Ebenso am Ostring. Dann wird's noch mal knifflig: Rechts Richtung Krankenhaus biegt das Gefährt in die Albachstraße ein, um sich anschließend im Schritttempo etwa einen Kilometer rückwärts bis zur Einmündung in die B 50 zu schieben. Es ist inzwischen 22.15 Uhr - trotz der späten Stunde sind einige Anwohner vors Haus getreten und beobachten staunend das schwierige Manöver. Wieder geht's Ruck-Zuck - und der Schwertransporter ist auf der B 50 Richtung Binsfeld verschwunden. Kurz nach Mitternacht rollt das schwere Gefährt auf das Gelände des Trierer Hafens.

"Alles ist super gelaufen", heißt es am Donnerstag von der Speditionsfirma. Auch in Staffelstein bei "Christen und Laudon" ist man zufrieden: Gegen halb neun wurde der Abwasserbehälter aufs Schiff verladen, "seit halb zehn schippert er schon Richtung Österreich", sagt Heinz Koch, Vertriebsleiter und Prokurist, der sich besonders bei der Polizei und den zuständigen Behörden für die Zusammenarbeit bedankt.

Ende nächster Woche soll der Staffelsteiner Behälter in Linz eintreffen - nach einer Fahrt über Mosel, Rhein, Main, Main-Donau-Kanal und Donau.