690 000 Euro für mehr Platz und Komfort
Bitburg · Anbau, Umbau, Sanierung: Das Dorfgemeinschaftshaus in Stahl wird wachsen. Statt 60 finden dann 140 Besucher in dem von vielen Vereinen genutzten Haus Platz. Das Land hat für den ersten Abschnitt des Baus jetzt 190 000 Euro Zuschuss zugesagt. Im nächsten Jahr soll das Projekt umgesetzt werden.
Bitburg. Früher sind in dem hübschen hellgelben Gebäude mit dem Spitzdach Schüler ein- und ausgegangen. Denn das von alten Laubbäumen umgebene Haus war einmal die Volksschule des Bitburger Ortsteils Stahl. Es wurde 1911 gebaut, liegt in der Ortsmitte und wurde zuletzt 1987 renoviert. Dann wurde die alte Schule zum Dorfgemeinschaftshaus umfunktioniert und laut Stadtpressesprecher Werner Krämer rege genutzt. Die Tischtennismannschaft des Stahler SC trifft sich dort. Die Frauengemeinschaft, drei Yogagruppen, der Seniorentreff, die Waldjugendgruppe, die Jugendgruppe und die Musikgruppe Stahler Blech nutzen die Räume. Außerdem tagt dort der Ortsbeirat. "Dazu kommen rund 25 private Veranstaltungen wie Familienfeiern, Beerdigungen und Taufen", sagt Krämer und erklärt damit die Wichtigkeit des Veranstaltungsortes für die Ortsgemeinde.
Die wurde seinerzeit oft angezweifelt. Einige Dorfbewohner waren nämlich gegen den teuren Ausbau des Gebäudes (der TV berichtete).
Ortsvorsteher Rudolf Rüdesheim wollte dazu keine Stellung nehmen. "Kein Kommentar", heißt es von ihm. Krämer argumentiert: "Die Einwohnerzahl in Stahl ist wegen der Ausweisung von zwei Neubaugebieten stark gestiegen - Tendenz weiter steigend."
Während Stahl 1987 rund 700 Einwohner hatte, seien es heute bereits 1000. Das Haus ist laut Krämer einfach zu klein. Es habe keinen Bühnenraum. Außerdem stehen umfangreiche Renovierungsarbeiten an. Dazu kommt, dass das Gebäude keinen behindertengerechten Zugang und entsprechende Toiletten hat. Für die Vergrößerung gebe es also ausreichend Gründe. Krämer: "Das erklären wir auch immer wieder den wenigen Leuten, die sich gegen den Ausbau aussprechen."
Auf die Frage, ob die Stahler nicht die nur wenige Autominuten entfernten vorhandenen Einrichtungen nutzen könnten, kommt ein klares Nein von der Stadt. "Städtische Turnhallen und Dorfgemeinschaftshäuser in anderen Stadtteilen sind voll belegt", sagt Krämer. Die Stadthalle sei nicht als Dorfgemeinschaftshaus geeignet. Ebenfalls nicht infrage komme die Halle 300 auf dem Flugplatz, da sie verkauft werden soll. Auf das Haus der Jugend habe die Stadt keinen Zugriff, da es in Trägerschaft des Bistums stehe.
Im Ort sorgte das Projekt Erweiterung Dorfgemeinschaftshaus für einigen Ärger. Vielleicht lag das auch an den Dimensionen, die erst angedacht waren. Statt 60 sollten nach dem Ausbau ursprünglich 200 Besucher dort Platz finden. 900 000 Euro sollte das Bauprojekt kosten. Der Stadtrat gab schließlich grünes Licht für eine kleinere Variante mit 140 Sitzplätzen. Kostenpunkt: 687 000 Euro (siehe Extra).
Geld vom Land
Nun gab es auch Geld vom Land. Den ersten Bauabschnitt, den Anbau an das alte Schulgebäude, bezuschusst es mit 190 000 Euro. Darüber freut sich Bürgermeister Joachim Kandels: "Wir haben nun alle Voraussetzungen geschaffen, um im nächsten Jahr mit der Renovierung und Erneuerung des Dorfgemeinschaftshauses zu beginnen."
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Rund 12 000 Euro (vorläufiges Ergebnis laut Haushaltssatzung) hat die Stadt Bitburg 2012 durch die Vermietung ihrer Gemeinschaftshäuser in Erdorf, Masholder, Matzen, Mötsch und Stahl eingenommen. Dem gegenüber stehen Ausgaben (vor allem für Personal und Abschreibungen) von rund 58 000 Euro, so dass unterm Strich ein Defizit von 46 000 Euro mit den Dorfgemeinschaftshäusern erwirtschaftet wurde. Mit 5000 Euro (ebenfalls vorläufiges Ergebnis) waren die Einnahmen durch Vermietung in Mötsch am höchsten, gefolgt von Masholder (2000 Euro), Stahl (1500 Euro), Matzen (900 Euro) und Erdorf (800 Euro).Extra
Laut Haushaltsplan der Stadt Bitburg verteilen sich die Gesamtkosten von rund 690 000 Euro für den geplanten Umbau des Dorfgemeinschaftshauses in Stahl wie folgt: Die Stadt baut auf eine Landesförderung aus dem Dorferneuerungsprogramm von rund 300 000 Euro. Die beiden privaten Erschließungsträger VB Immo und Schuh GbR, die die Neubaugebiete in Stahl entwickelt und vermarktet haben, beteiligen sich mit zusammen 150 000 Euro. Zudem will der Stadtteil Arbeiten im Wert von rund 20 000 Euro in Eigenleistung erbringen, so dass 195 000 Euro übrig bleiben, die der Stadtteil beziehungsweise die Stadt finanziert. uhe