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71-Jähriger aus dem Eifelkreis wird Mordversuch am Ehemann vorgeworfen

Erster Prozesstag : „Gedacht habe ich nichts“

Eine psychisch kranke 71-Jährige muss sich für den mutmaßlichen Mordversuch an ihrem Ehemann verantworten.

Das, was die Staatsanwaltschaft gestern als Anklage vorträgt, ist eine  genauso haarsträubende wie tragische Geschichte. Ein  72 Jahre alter Mann sitzt Anfang August 2019  im Arbeitszimmer seines Hauses in in der Verbandsgemeinde Südeifel. Er schaut Nachrichten. Doch sein Abendprogramm wird jäh gestört. Denn laut Anklageschrift rammt ihm seine Ehefrau um kurz nach 19 Uhr unvermittelt ein Fleischermesser von hinten in den Rücken. Die Frau soll daraufhin ins Badezimmer gelaufen sein, um sich mit einer Rasierklinge die Pulsadern aufzuschneiden. Beide Eheleute überleben ihre Verletzungen.

Dies soll jedoch nicht der erste tätliche Angriff der 71-Jährigen sein, die seit vielen Jahren psychisch erkrankt ist. Bereits im April soll sie mit einem hölzernen Spazierstock auf ihren Ehemann eingeschlagen haben. Dabei soll er einen Schlag abgewehrt haben und dem zweiten ausgewichen sein.

Diese Sachverhalte gilt es am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht Trier weiter zu klären. Den Vorsitz hat Richterin Petra Schmitz, verteidigt wird die Angeklagte vom Trierer Rechtsanwalt Michael Angele. Der Sachverständige für den Fall ist der Psychiater Professor Dr. Wolfgang Retz. Der Ehemann tritt als Nebenkläger auf. Die Anklage gegen die 71-Jährige lautet auf versuchten Mord und versuchte gefährliche Körperverletzung.

Es sollen vor allem der Tathergang und der psychische Zustand der Angeklagten während der Angriffe genau geklärt werden. Dazu sagen Kriminalbeamte aus Bitburg, Wittlich und Trier aus. Nach ihrer Attacke mit dem Spazierstock befand sich die Angeklagte laut der Aussage eines der Polizisten in einem psychischen Ausnahmezustand.

 Er habe direkt gemerkt, „dass etwas nicht stimmt“, sagt er vor Gericht. Alkoholgeruch habe er nicht wahrgenommen. Das Opfer habe damals ausgesagt, dass seine Frau ihre Medikamente nicht genommen habe.

Nach der Messerattacke hat sich dann aber - dem toxikologischen Befund zufolge - eine Menge der ihr verschriebenen Antidepressiva und Antipsychotika im Blut der Frau befunden, erklärt Richterin Schmitz. Ein Alkoholtest der Polizei vor Ort habe einen Wert von 1,75 Promille ergeben. Die Angeklagte gab der Polizei mal apathisch, mal unter Tränen darüber Auskunft, ihren Mann mit einem Messer angegriffen zu haben.

Das Eintreffen der Polizei am Tatort schildert ein Beamter dramatisch: Der Geschädigte, der auch den Notruf wählte, empfing die Beamten blutverschmiert mit tropfender Stichwunde am Rücken. Zwei Ersthelfer kümmerten sich bereits um ihn. Die Frau fanden die Beamten ebenfalls blutverschmiert und mit waagerechten Schnitten durch die Pulsader im Badezimmer.

Das Opfer wurde intensivmedizinisch in Trier, die mutmaßliche Täterin ambulant in Bitburg und später stationär in der Psychiatrie in Gerolstein behandelt.

Die Angeklagte sagte in ihrer ursprünglichen Vernehmung mit der Polizei aus, Angst davor zu haben, dass ihr Ehemann sie wieder in die Klinik stecken wolle. „Ein Nichts war ich für ihn, gar nichts mehr“, soll sie gesagt haben. Sie wisse nicht mehr, wieso sie ihrem Mann mit dem Messer gestochen hätte. „Gedacht habe ich nichts, ich schlug einfach drauf“, soll sie ausgesagt haben.

Die Angeklagte hätte sich wegen ihrer Krankheit bevormundet gefühlt und habe daher auch zu einem früheren Zeitpunkt die Scheidung angestrebt, zu der es allerdings nicht kam, sagt ein Beamter dem Gericht.

 Entgegen der These der Angeklagten, ihr Mann habe sie bevormunden und in die Psychiatrie einweisen lassen wollen, steht die Aussage des Opfers gegenüber der Polizei. Er habe seine Frau stets davor schützen wollen, erneut in die Psychiatrie zu müssen. „Jetzt bist du weg“, soll er nach ihrer Attacke ausgerufen haben.

In der nächsten Verhandlung am  Mittwoche, 15. April, sollen unter anderem der Geschädigte, die Tochter der Eheleute und die Ersthelfer aussagen.