75 auf einen Klick

Große Waldflächen, ein leidenschaftlicher Sammler und eine gute Dorfgemeinschaft - Das alles bietet der Eifelort Steinborn. Dort war die TV-Dorffotoaktion am Wochenende zu Gast und hat 75 Einwohner auf einem Foto verewigt.

Steinborn. Ein fesches Kleidchen in Lila, ein Rüschenhütchen mit bunten Tupfen, das Beinchen lässig auf der Seitenwand des Kinderwagens abgestellt - so schaut die zehn Monate alte und damit jüngste Bewohnerin Jana Meerfeld am Samstag in Steinborn artig in die Linse von TV-Fotograf Klaus Kimmling.
Der TV war am Samstagnachmittag mit seiner Dorffotoaktion in dem 236 Einwohner starken Eifelort zu Gast. Das Ziel: möglichst viele Einwohner auf ein Foto zu bannen.
75 Steinborner sind es am Ende. Ortsbürgermeisterin Anneliese Pauly ist froh, dass es doch so viele Leute geworden sind. "Einige müssen arbeiten, viele sind samstags sehr beschäftigt", sagt sie.
Resi Meerfeld (60) ist die stolze Oma von Jana und in Steinborn geboren. "Steinborn ist unsere Heimat", sagt sie. Schwiegersohn Edmund Schelian (42) kommt aus Kyllburg und hat mit seiner Frau und drei Kindern erst in Bitburg gewohnt. "Da war es so laut und viel gefährlicher für die Kinder", sagt er. "In Steinborn braucht man zwar ein Auto. Aber die Grundstücke sind preiswerter. Und die Kinder wachsen sicher in einer wunderschönen Natur auf."

Natur bringt Wohlstand: Steinborn ist von großen Waldflächen umgeben. "Im Herbst gehen wir auf Pilzsuche. Aber schreiben Sie das nicht, die Pilze sind für die Steinborner", sagt Anneliese Pauly lachend. Der Waldbestand erkläre den relativen Wohlstand des Ortes, so die Ortschefin, denn der Wald ist in Gemeindehand. Investiert wird ein Teil des Geldes beispielsweise für jedes neugeborene Kind im Ort. Dafür gibt es einen Familienzuschuss von der Gemeinde. Schnelles Internet haben die Steinborner auch. Die Gemeinde hat 2012 nämlich auf eigenen Koste eine Richtfunkanlage aufstellen lassen.

Sammler: Für ein wenig verrückt halten sich die Holländer Rolf (73) und Dorreth Kloppenburg (52). Sie leben seit neun Jahren in Steinborn und sind leidenschaftliche Emaille-Sammler. Seit 15 Jahren ist besonders Rolf Kloppenburg auf der Jagd nach Utensilien aus dem beschichteten Blech. In seiner Küche stehen und hängen Kannen, Dosen, Pfannen, Kellen - eben alles Mögliche gefertigt aus Emaille. 500 Gegenstände seien es wohl, viele davon hat er im Keller aufgereiht. Das älteste Stück ist eine Mini-Pfanne aus dem Jahr 1890.

Landwirtschaft: Steinborn ist noch immer landwirtschaftlich geprägt. Zehn Landwirte gibt es im Dorf. Dazu kommt eine Holztransportfirma, ein Architekt und ein Schreiner. Rollende Geschäfte wie das Bäckerauto ersetzen die fehlenden Geschäfte im Ort. Ansonsten sind Kyllburg und Bitburg nicht weit entfernt.

Gemeinschaft: Susanne Jegen (19) und Lara Bartzen (19) fühlen sich auch wohl in ihrem Heimatdorf, obwohl sie nach eigenen Angaben schon darauf fiebern, woanders zu studieren. Doch in einem sind sie sich einig: "Wir kommen zurück." Warum? Ganz einfach. "Der Freundeskreis im Dorf ist toll", sagt Susanne Jegen. "Ich kenne hier jeden. Obwohl wir ein kleines Dorf sind, wird uns einiges geboten", sagt Lara Bartzen und meint damit die Feste und Vereine.

Feste und Vereine: In Steinborn werden jedes Jahr das Maifest, das Dorffest, die Kirmes, das Waldfest und St. Martin gefeiert. In fünf Vereinen können sich die Dorfbewohner engagieren: in der Frauengemeinschaft, der Spielgemeinschaft mit Seinsfeld, Kyllburgweiler und Oberkail, der Jugendgruppe, der Feuerwehr und im La-Musica-Chor. Letzterer hat erst in der vergangenen Woche sein Chorfestival gefeiert, weiß die Vorsitzende des Chores, Susanne Pflüger (48). 25 Frauen treffen sich jede Woche zum Singen.
Was Susanne Pflüger so schön an Steinborn findet? "Wir haben viele schöne Ecken hier, die Gemeinschaft ist toll und es ist wunderbar ruhig hier."