80 Jahre und kein bisschen müde - Pastor aus Kyllburg feiert Geburtstag

80 Jahre und kein bisschen müde - Pastor aus Kyllburg feiert Geburtstag

Als er drei Jahre alt war, fiel sein Vater im Zweiten Weltkrieg, als er in die Schule kam, marschierten die Amerikaner in sein Dorf ein: Am Sonntag wird Friedrich Kreutz aus Kyllburg 80 Jahre alt. Der Pastor im Ruhestand hat noch Einiges vor.

"Ich war ein paar Mal sehr, sehr krank, sodass ich selber staune, dass ich meinen 80. Geburtstag jetzt feiern kann", sagt Friedrich Kreutz und lacht.
Schon früh stand für den jüngsten und einzigen Jungen von fünf Geschwistern fest, dass er Pastor werden möchte. "Ich war begeistert von dem Gedanken, für Menschen da zu sein. Das ist geblieben bis heute", sagt er. Deshalb arbeitet er weiterhin als Seelsorger in Kyllburg und der Region. Es sei ihm immer wichtig gewesen, all seine Zeit der Pfarrei und den Leuten zu widmen - in Gesprächen und persönlichen Begegnungen, sagt er.

Das fehlt ihm in der heutigen Kirche. "Es ist nicht damit getan, zu organisieren, wer wann und wo Gottesdienst hält. Priester gehören raus zu den Menschen" appelliert der Kyllburger. Die Bemühung um den Einzelnen müsse wieder in Gang kommen. "Das wird schwer werden", sagt er. "Aber was ist schon einfach im Leben?" Kreutz lacht.
Heute seien viele Menschen trotz des Wohlstandes in unserem Land verzweifelt und in seelischer Not. Diese Menschen nicht alleine zu lassen, das ist Kreutz ein Anliegen. Das ist auch sein Rezept für ein glückliches Leben: Nicht nur mit Blick auf sich selbst zu leben, sondern anderen zu helfen. Das mache einen stark. "Wenn man Glück hat, ist man in einer Familie aufgewachsen, in der einem Glaube und Hoffnung vermittelt wurde", denn das gebe einem Halt.

Neben seiner Arbeit als Seelsorger fährt Kreutz seit mehr als 40 Jahren regelmäßig nach Frankreich, um für den Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge Gedenkgottesdienste für deutsche Soldaten zu halten. "Es kommt vor, dass ich noch heute Soldaten beerdige, die man jetzt erst findet." Vor vier Jahren seien das in einem Jahr sieben gewesen, erzählt er. Die Gottesdienste hält er zweisprachig, in deutsch und französisch. "So bleibt man in der Übung", sagt Kreutz und schmunzelt.
Für ihn persönlich seien das unwahrscheinlich gute Erlebnisse, dort Menschen zu begegnen, die als Kind dasselbe erlebt hätten, wie er. Sein Vater ist als erster Kyllburger im Zweiten Weltkrieg in Frankreich gefallen. "Und heute steht man sich freundschaftlich gegenüber, nicht mehr als Feinde." Dadurch seien viele, viele Freundschaften entstanden, die er noch heute pflege. Er habe aber den Eindruck, dass die deutsch-französische Freundschaft von offizieller Seite wieder stärker gefördert werden müsse.

Für internationale Begegnungen hat sich Kreutz sein Leben lang engagiert. Rund 30 Jahre lang hat er für die deutsch-libanesische Gesellschaft Studierende aus dem Vorderen Orient in Deutschland unterstützt und begleitet. "Das ist für Ausländer nicht einfach, hier klarzukommen", sagt er.
Friedrich Kreutz hofft, dass er noch lange als Priester arbeiten kann. "Das ist eine lebenserfüllende Arbeit", sagt er. "Bei der die Aufgaben nie ausgehen", fügt er hinzu und lacht. Ob er rückblickend etwas ändern würde an seinem Leben? "Nein, auf keinen Fall." Kreutz lächelt.STATIONEN AUS FRIEDRICH KREUTZ’ LEBEN

Extra

Ordensprälat Friedrich Kreutz wurde am 19. Februar 1937 in Malberg geboren. Er besuchte zunächst das bischöfliche Internat in Gerolstein und wechselte dann wegen des Französisch-Schwerpunkts auf ein Gymnasium in Großkrotzenburg bei Hanau, wo er 1959 sein Abitur machte. Er studierte Philosophie und Theologie in Trier und Freiburg. 1964 erhielt er im Trierer Dom seine Priesterweihe. Zunächst arbeitete er in Plaidt (1965-69), dann in Bernkastel (1969-73). Von dort ging er für 21 Jahre als Pastor nach Wittlich-Bombogen und von 1992 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2003 als Pfarrer nach Lieser. 2014 feierte er sein goldenes Priesterjubiläum.