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87-Jähriger aus Malberg-Mohrweiler baut Rollator, mit dem man tanzen kann

87-Jähriger aus Malberg-Mohrweiler baut Rollator, mit dem man tanzen kann

Sein ganzes Leben schon ist Johann Marxen ein leidenschaftlicher Tänzer. Aber der schwerbehinderte Rentner aus Malberg-Mohrweiler (Eifelkreis Bitburg-Prüm) kann ohne Unterstützung keinen Tanz mehr wagen. Nur eine von ihm gemachte Erfindung ermöglicht es ihm, dass er selbst im Alter von 87 Jahren noch jede Dame zum Tanz auffordern kann.



Links, rechts, Tap! Zur Melodie von "Dich gibt's nur einmal für mich" tänzelt Johann Marxen im Wiegeschritt durch sein Wohnzimmer in Malberg-Mohrweiler. Gerne würde er dabei - wie vor mehr als 30 Jahren - seine Marie-Luise über das Parkett führen. Doch der 87-Jährige hat mittlerweile einen anderen Tanzpartner. Zum einen weil seine Frau Marie-Luise 1987 an einer Krebserkrankung gestorben ist, zum anderen da sich der schwerbehinderte 87-Jährige kaum mehr alleine auf den Beinen halten kann.

Deshalb hat er sich einen "tanzenden Rollator", wie er ihn nennt, gebaut. Ein ganzes Jahr lang hat er zu Hause in Malberg-Mohrweiler an dem Gerät gewerkelt. "Damit kann ich noch tanzen", sagt der 87-Jährige. Denn er ist nicht nur durch Altersbeschwerden eingeschränkt, sondern hauptsächlich durch eine Verletzung der Wirbelsäule, die er sich bei einem Verkehrsunfall im Jahr 1978 zuzog und sich bis heute bemerkbar macht. Schon bei verschiedenen Tanzcafés in der Eifel hat er seinen Rollator getestet. Bis auf vier Räder hat seine Konstruktion nicht mehr viel mit handelsüblichen Rollatoren gemeinsam.

Musikanlage ist eingebaut

So ist sein Modell auch nicht aus Metall, sondern aus heimischen Fichtenholz gefertigt. "Man kann sich nicht daran verletzen, da er nicht mit Schrauben, sondern allein durch Steckverbindungen zusammengehalten wird", erklärt Marxen, außerdem seien alle Kanten fein säuberlich abgerundet. Außerdem hat er einen Fußschutz, damit man seinem Tanzpartner nicht über die Zehen fahren kann. Denn Marxens Rollator ist vornehmlich nicht für Solotänzer, sondern für in die Jahre gekommene Tanzpaare geeignet.

Zwei gegenüberliegende Griffpaare bieten beiden Tanzpartnern Halt. Die Oberseite des Gerätes hat Marxen mit Plastikorchideen verziert, die sogar noch eine Funktion erfüllen: "Aber das verstehen nur Leute, die häufig tanzen", sagt Marxen. "manchmal erwischt man einen Tanzpartner, der unangenehm aus dem Mund riecht. Die Kunstblumen zwischen den Tanzpartnern kann man parfümieren. Das behebt das Problem." Wer hätte es gewusst? Wem der Tanz mit dem Holzgerät zu schnell und wild wird, kann jedenfalls über einen Bremsgriff, den jeder Tanzpartner auf der jeweils rechten Seite findet, etwas Fahrt rausnehmen. Doch das wahrscheinlich Beste am Tanz-Rollator ist: Das Gerät bringt auch gleich noch die nötige Musik mit. Denn im unteren Teil des Rollators - versteckt in einem Holzkasten - hat der 87-Jährige eine batteriebetriebene Musikanlage verbaut, die sich ordentlich aufdrehen lässt. Doch was hat den Senioren überhaupt auf die Idee gebracht, solch ein ausgetüfteltes Gerät zu bauen? "Ich habe im Fernsehen gesehen, wie in einem Seniorenheim mit Rollatoren getanzt wurde", sagt Marxen, "dann kam aber die Heimleiterin und hat den Senioren gesagt: 'Hört auf! Ihr verletzt Euch an den Kanten und Schrauben oder fahrt Euch über die Füße, wenn Ihr mit den Rollatoren tanzt.'"

Der Fernsehbeitrag habe ihn inspiriert, einen Rollator zu bauen, an dem man sich beim Tanz nicht verletzen könne, sagt Marxen, der vor seiner Rente glasfaserverstärkte Kunststofftanks und Silos entwickelt hat und Materialien dafür getestet hat. "Aber mit der Zulassung meines Rollators bin ich bei der Bundesanstalt für Materialforschung gescheitert", erklärt Marxen, der mit seiner Erfindung auch gerne anderen Senioren, die zum Tanzen eine Stütze brauchen, eine Freude gemacht hätte. Mit diesem Ziel hatte er bei der Prüfgesellschaft Dekra ein Prüfsiegel für Gerätesicherheit beantragt.

Nur für besondere Anlässe

"Aber die Bundesanstalt hat gesagt, dass Fichtenholz, je nachdem, wo es wächst, eine unterschiedliche Festigkeit aufweisen kann", erklärt Marxen. Deshalb sei ihm das Prüfsiegel für seinen Rollator verwehrt worden. "Ich hätte ihn auch aus Metall oder Hartholz bauen können, aber dann wäre er zum Tanzen zu schwer geworden." Denn sein Fichtenholz-Rollator wiegt nur zehn Kilo. Sein handelsüblicher Metall-Rollator bringt dagegen drei Kilo mehr auf die Waage. "Da ich leider keine Zulassung bekommen habe, kann das Gerät jetzt nur bei besonderen Anlässen zum Einsatz kommen", erklärt Marxen. Deshalb hat er seinem "tanzenden Rollator" mittlerweile einen neuen Namen gegeben und den auch gleich aufgepinselt: "Der Gratulant".

Wenn das Gerät nur bei besonderen Anlässen wie Jubiläen zum Einsatz komme, brauche er keine Zulassung, sagt er "Gerne würde ich den Gratulanten in ein Hotel stellen, wo viel Publikumsverkehr herrscht." Im hölzernen Bauch des Geräts finden sich kleine Holzherzen, die mit Zahlen wie 70, 80 und 90 bepinselt sind und sich an der Außenseite des Rollators befestigen lassen. Marxen: "Mit dem Gratulant kann man als Jubilar auch noch auf seinem 85. Geburtstag oder seiner diamantenen Hochzeit ein Tänzchen wagen."