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900 Jahre an einem Tag erleben

900 Jahre an einem Tag erleben

HERMESDORF. (nam) Nach Monate langer Vorbereitung war es gestern soweit. Zum 900-jährigen Dorfbestehen war ganz Hermesdorf auf den Beinen. Bei schönstem Sonnenschein fanden viele interessierte Gäste den Weg in den Ort.

"Maju Kätt, watt senn hei viel Lätt", zeigt die Aufschrift auf einem Schild neben zwei Strohpuppen. Als ob die Hermesdorfer es gewusst hätten, dass ihr Jubiläumsfest zum 900-jährigen Ortsbestehen ein großer Erfolg wird. Schon zur Mittagszeit ist der Besucherandrang nicht aufzuhalten, vor allem wegen der vielen Eifeler Gaumenfreuden, die Hermesdorf zu bieten hat. Monate lang haben Helfer geplant und organisiert. Liköre, Brotaufstriche und vieles mehr wurden vorbereitet. "Die Brechter, Koosbüscher und Wißmannsdorfer wurden von der Begeisterung mit infiziert", sagt Ortsvorsteher Johann Winter. Alle haben bei den Vorbereitungen und auch beim Fest selber mitgeholfen. Auf einer Länge von etwa einem Kilometer reihen sich die Stände und Darbietungen durch das ganze Dorf aneinander. Keine Ecke im Dorf, die vom Fest ausgeschlossen ist. Auch Privathäuser öffnen ihre Türen für den großen Tag. Zum Beispiel für die "Straußweatschaft". Vieles aus der guten alten Eifeler Küche gibt es für den Gaumen: "Krompabriddacha, Kneadel-Stuv un Housgemaachdes, Waafeln, Kaffi unToat". Kuriose Gegenstände können Besucher bei den Handwerksgeräten - dem "al Geschear" - bestaunen. Etwas ganz Spezielles ist eine kombinierte Schrot- und Knochenmühle. "Früher wurde nichts weggeworfen. Alles wurde verwertet und zum großen Teil an das Vieh verfüttert", erklärt Winter. Die "Waschweiber" vom Kirchenchor Wißmannsdorf demonstrieren mit Waschbrett und Kernseife, wie schwer die Hausarbeit noch vor einigen Jahrzehnten war. "Nein, es ist noch nicht ganz sauber", meint eine der Wäscherinnen skeptisch. Also ist noch ein Waschgang nötig. Eine Hochzeitsgesellschaft ist den ganzen Tag mit Bollerwagen, Leierkasten- und Akkordeonspieler im Dorf unterwegs. Wie früher sorgen sie mit Musik, Tanz, Schnaps und Leckereien dafür, dass es den Gästen an nichts fehlt. Selbst Ortsvorsteher Winter ist mit schwarzer Weste und Hut Gast der Gesellschaft. Alte Handwerkskunst wie Weben und Schnitzen wird demonstriert. In der Fotoausstellung haben die Dorfbewohner Schnappschüsse und sonstige Fotos aus den vergangenen Jahrzehnten gesammelt. Hier und da tuckern auch die "Al Buldocken" über die Dorfstraße. Trödelstände ergänzen das historische Ambiente. Auch den kleinen Besuchern wird es nicht langweilig. In der "Spielstroß" können sie sich austoben. "Schön habt ihr es hier", ruft ein Gast dem Ortsvorsteher im Vorbeigehen zu. Eine Besucherin aus Bitburg ist ebenfalls begeistert vom Fest: "Ich bin sehr überrascht, dass ein so kleines Dorf eine so große Ausstellung auf die Beine gestellt hat." Eine Besuchergruppe kommt sogar aus Heidenburg bei Thalfang. "Uns gefällt es sehr gut hier. Die alten Sachen. Und alles in allem ist hier eine schöne Atmosphäre." Eine Besucherin ausBickendorf ist vor allem angesichts der vielen alten, schön hergerichteten Häuser im Dorf begeistert. Die Monate lange Arbeit hat sich also gelohnt. Auch die Hermesdorfer selbst sind sehr zufrieden. "Ich bin überwältigt von den vielen Besuchern", sagt Winter, "wir können uns wirklich nicht beschweren".