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Ab März übernimmt Dr. Julia Köster den Vorstand des Finanzamts

Porträt : Hans-Dieter Natus, Vorsteher des Finanzamts Bitburg-Prüm, geht in den Ruhestand

Nach 44 Jahren im öffentlichen Dienst blickt der Chef des Finanzamts Bitburg-Prüm seiner Verabschiedung Anfang März entgegen. Auf die faule Haut wird er sich jedoch nicht legen – mit seinem Enkelsohn will er in zehn Jahren zum Berg Mont Ventoux.

Im Flur hängen Autolackmalereien von Hans-Dieter Mues, im Büro selbstgemalte Bilder seiner Frau: Namensvetter und Vorsteher des Finanzamts Bitburg-Prüm, Hans-Dieter Natus, arbeitet nicht nur neben Aktenbergen, sondern auch zwischen einzigartigen Kunstwerken. Auf überschwängliche Begrüßungen verzichtet er dieser Tage. Aber nur coronabedingt. Seiner Laune tut das keinen Abbruch.

„Der Steuermann geht von Bord“, scherzt der 65-Jährige und spielt damit sowohl auf eine christliche Seefahrt als auch auf seinen Beruf an. „Wenn man 23 Jahre Chef eines Finanzamtes war und geht, dann hat man es schon durch die Gezeiten gesteuert. Insofern ist Steuermann die richtige Metapher. Aber auf der anderen Seite heißt es natürlich auch ‚Der Mann, der die Steuern kennt‘, von daher diese Doppeldeutigkeit.“

Nach seinem Abitur 1974 ist Natus zwei Jahre Soldat auf Zeit und durchläuft die Reserveoffiziersausbildung  bei der Luftwaffe, ehe er anfängt in Trier Jura zu studieren. Mit Ende 20 beginnt Natus seine Karriere im Finanzamt Trier als Sachgebietsleiter und arbeitet dort lange bei der Steuerfahndungsstelle.

Der Sprung aus der ältesten Stadt Deutschlands in die Eifel folgt 1998: Er übernimmt die Leitung der damals noch getrennten Finanzämter Bitburg und Prüm, die erst fünf Jahre später fusionieren und zu einem einheitlichen Finanzamt Bitburg-Prüm mit zwei Standorten werden.

An seine Antrittsrede erinnert sich der 65-Jährige noch ganz genau. „In diesem Haus sollen nicht Personalnummern für Steuernummern, sondern Menschen für Menschen arbeiten“, sagte er damals, bleibt diesem Motto jedoch bis heute treu – und gibt sie an die Anwärter weiter. „Das sollen sie sich immer vor Augen halten und die Steuerpflichtigen, mit denen wir zu tun haben, immer als Menschen ansehen, für die wir eine Dienstleistung erbringen“, sagt er.

Der Wechsel in die beschauliche Bierstadt sei ihm nicht schwergefallen. Der gebürtige Trierer, der heute in Schweich lebt, schätzt sowohl die Eifeler Menschen als auch die Landschaft. „Die Menschen in der Eifel habe ich als sehr offenherzig kennengelernt, als zupackende, ehrliche Menschen. Das hat mir vom ersten Tag an sehr gut gefallen“, erinnert er sich.

Im Sommer, als Reisen tabu war und Heimaturlaub großgeschrieben wurde, erkunden er und seine Frau die zahlreichen Eifeler Wanderwege. Eine „herrliche“ Erinnerung, bei der er ins Schwärmen kommt. „Die Landschaft hier in der Eifel in Verbindung mit der einzigartigen Kulturlandschaft an der Mosel:  Dieses Mittelgebirge strahlt so viel Harmonie aus. Da kommt man zur Ruhe.“

Im Finanzamt gibt Natus jedoch Vollgas und organisiert Aktionen, die „vielleicht den normalen Behördenalltag so ein bisschen sprengen.“ Yogakurse, Rückenschule, Raucherentwöhnung: Der Vorsteher von insgesamt 112 Mitarbeitern gibt sich Mühe, damit seine Kollegen gesund bleiben. Seine Auffassung: Nur ein gesunder Mitarbeiter ist leistungsfähig – und davon profitieren alle. „Eine typische Win-Win-Situation“, sagt er.

Auch eine Fahrradgruppe ruft er 2005 ins Leben, die seitdem jedes Jahr im Frühsommer (unterbrochen durch das „dumme Jahr 2020“) Tour-de-France-Berge gefahren ist. „Der Mont Ventoux oder der Galibier, das sind uns alles bekannte Größen.“ Im Schnitt radeln fünf bis sechs Mitarbeiter mit. Die einzige Bedingung: „Man muss mal im Finanzamt Bitburg-Prüm gearbeitet haben.“

Die eingangs erwähnte Kunst spielt während seiner Dienstjahre ebenfalls eine große Rolle. „Wir haben Kunstausstellungen hier im Haus, in Bitburg und in Prüm“, erzählt Natus. „Neben Mues hat in Prüm zum Beispiel die Witwe von Albrecht Klauer-Simonis, das war mit der Begründer der Künstlerkolonie in Weißenseifen, eine Ausstellung gemacht. Der Prümer Malermeister Benzrath, der auch sehr künstlerisch aktiv war, hat auch Bilder bei uns ausgestellt.“

Für Natus ist es wichtig, damit auch das Zwischenmenschliche zu fördern. „Ich denke, man muss in so einer Behörde mehr machen als nur die einfache Arbeit. Man muss das Wir-Gefühl stärken, das Zusammengehörigkeitsgefühl, und die Menschen identifizieren sich dann mit ihrem Amt.“

44 Jahre im öffentlichen Dienst, 23 Jahre davon als Vorsteher des Finanzamtes, neigen sich nun seinem Ende zu: Im März ist offiziell Schluss. Natus, der selbst früher Marathon gelaufen ist, befindet sich auf den 400 Metern der letzten Stadionrunde. Das Zielband sieht er schon ganz deutlich – und schätzt die Erfahrungen, die er während seiner Zeit beim Finanzamt machen durfte.

„Man identifiziert sich mit dem Amt, kennt alle Mitarbeiter, hat zu jedem eine Beziehung, man ist eigentlich mehr befreundet als dass man Vorgesetzter ist. Der soziale Kontakt, der wird natürlich fehlen, ganz klar.“ Die Kaffeerunde mit seinen Sachgebietsleitern wird er besonders vermissen. Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn. „Wir haben schon ausgemacht, dass wir uns, sobald die Pandemie es wieder zulässt, in regelmäßigen Abständen in Bitburg bei Rocco in der Pizzeria treffen“, erzählt er.

Ob er sich auf seinen Ruhestand freue? „Ja. Ich hab eine große Familie, ein großes Haus, einen großen Garten, eine Vielzahl an Hobbys. Diese Zeit hier war wunderschön, es war ein erfülltes Arbeitsleben, aber das geht zu Ende. Man darf den Blick nicht zurückwenden, sondern muss immer nach vorne schauen.“

In zehn Jahren, mit stolzen 75, möchte er mit seinem Enkel den Mont Ventoux besteigen. Bis dahin muss er fit bleiben. Die Feststellung „Sie bleiben schon aktiv und legen sich nicht auf die faule Haut“ entlockt dem Mann, der so viel für das Finanzamt getan und noch mehr zurückbekommen hat, ein entrüstetes „Nee, um Gottes willen!“