Abends ein Glas Rotwein

PRÜM. (red) Am heutigen Freitag wird es eng im Alten- und Pflegeheim Sankt Elisabeth Prüm: Sybilla Thies aus Gondenbrett feiert mit vielen Verwandten und Gästen ihren 100. Geburtstag. Sie ist die zweite Hundertjährige im 1986 neu gebauten Heim.

So ungewöhnlich wie der Geburtstag ist auch ihr Leben verlaufen. 1906 wurde sie als drittes von acht Kindern auf einem Bauernhof in Olzheim geboren. Als einziges Kind durfte sie weiterführende Schulen in Prüm und Trier besuchen und wurde Hauswirtschaftslehrerin. Nach Praktika in Neuheilenbach und Schalkenmehren war sie zunächst ohne Anstellung. Dies ließ sie aber nicht mutlos werden. Sie arbeitete als "Wanderhaushaltsschullehrerin", begab sich von einem Dorf zum anderen und hielt in Zusammenarbeit mit den Pfarrern Kurse ab. Inhalte waren Nähen, Flicken und das damals gerade aufkommende Einkochen. Die erste Anstellung fand sie in Königsberg, wohin sie einer Schulfreundin gefolgt war. Als der Krieg zu Ende ging, flüchtete sie mit der Familie ihrer Freundin nach Westen. 1948 fand sie eine Anstellung in der Landfrauenschule in Boppard - "im schönen Boppard" - wie Sybilla Thies immer betont. Dort blieb sie bis zu ihrer Pensionierung 1968. Auch danach - bis körperliche Gebrechen eine Heimkehr erforderten. Die unverheiratete "Tante Billa" fand Aufnahme bei ihren Verwandten in der Familie von Nikolaus Meier, nur unterbrochen durch Aufenthalte in Kurzzeitpflege des Heims. Geheiratet hat sie nie, weil sie sonst ihren geliebten Beruf hätte aufgeben müssen." 2002 zog Sybilla Thies dann in das Heim am Franziskanerinnenweg, wo sie eine beliebte und geschätzte Mitbewohnerin ist. Ihre liebe Gewohnheit, abends ein Glas Rotwein zu trinken, führt sie bis zum heutigen Tag fort. Sie feiert ihren Geburtstag im großen Kreis ihrer Familie. Auch der Musikverein Gondenbrett hat sich zu einem Geburtstagsständchen angesagt. Einer der ersten Glückwünsche kam von Weihbischof Leo Schwarz, der Sybilla Thies bei seiner Visite vor zwei Wochen kennen lernte.