Aus dem Archiv Februar 2019: Abriss des Geburtshauses der Heimatdichterin Gerda Dreiser in Bitburg droht

Aus dem Archiv Februar 2019 : Abriss des Geburtshauses der Heimatdichterin Gerda Dreiser in Bitburg droht

Wieder rumort es in Bitburg, weil ein altes Gebäude abgerissen werden könnte. Es wurde 1907 gebaut und ist das Geburtshaus der Heimatdichterin Gerda Dreiser. Ein Abriss muss nicht sein. Investor Johannes Arend ist bereit, für 150 000 Euro an jemanden, der das Gebäude retten will, zu verkaufen.

Es ist ein Stück Geschichte, dieses Haus. Und wenn es nach Marie-Luise Niewodniczanska geht, muss Bitburg alles daran setzen, dieses Stück Geschichte zu erhalten. Seit die Architekturprofessorin erfahren hat, dass Johannes Arend, Geschäftsführer der Arend GmbH, das Grundstück gekauft hat, treibt sie die Sorge um das Dreiser-Haus um. „Der wird abreißen und einen riesigen hässlichen Neubau hinstellen“, sagt Niewodniczanska, für die das Gebäude unter Denkmalschutz stehen müsste: „Es hat in dieser kriegszerstörten Stadt absoluten Seltenheitswert.“ Sie hat sich an Bürgermeister und Landrat gewandt: „Ich bitte, sofort aktiv zu werden und das Haus zu schützen.“

Wilhelm Dreiser hat es 1907 gebaut. Es ist das Geburtshaus der Heimatdichterin Gerda Dreiser, die im Zweiten Weltkrieg als Rotkreuzschwester Verwundete pflegte und half, die Identität gefallener Soldaten zu ermitteln. Eine verdiente Bitburger Persönlichkeit, geehrt mit der höchsten Auszeichnung des Roten Kreuzes, der Florence-Nightingale-Medaille.

Das Dreiser-Haus steht an der Dauner Straße 16, direkt neben der ehemaligen Werkstatt des verstorbenen Bildhauers Roger Dellaré. Hohe in Sandstein gefasste Fenster und ein Walmdach kennzeichnen das Gebäude, das die Kreisdenkmalpflege für „absolut erhaltenswert“ hält. Aber unter Denkmalschutz steht es nicht.

Sowohl die Denkmalpflege des Kreises wie auch die Landesdenkmalpflege haben das Haus besichtigt. Beide Instanzen kamen zum Ergebnis, dass „das Gebäude nicht die notwendige Qualität besitzt, um als Kulturdenkmal eingestuft zu werden“, wie der Pressesprecher der Kreisverwaltung, Ansgar Dondelinger, auf TV-Anfrage mitteilt.

Gründe dafür sind unter anderem, dass das Haus um mehrere Anbauten erweitert wurde, dass es nur entlang der Straßenseite einen Natursteinsockel gibt und weitere Details wie der „stark veränderte Eingangsbereich“ und die Dachgaube, die aus Sicht der Denkmalpfleger „unmaßstäblich zu groß“ ist.

Kein Denkmalschutz bedeutet: Besitzer Johannes Arend kann abreißen und neu bauen. Konkrete Pläne habe er dafür noch nicht. Aber grundsätzlich bestätigt er: Ihn interessiert das Grundstück, nicht das Haus. „Das Gebäude hat zwar Charme, aber es ist durch und durch marode“, sagt Arend und listet auf, was seiner Einschätzung nach für einen Erhalt der Immobilie alles angegangen werden müsste.

„Im Dachgebälk ist der Holzwurm, der Keller ist total nass, die Leitungen sind faul, an manchen Stellen tropft es durch die Decken, manche Heizkörper sind geplatzt und Fliesen von den Wänden gefallen.“ Kurzum: Für Arend ist das Objekt ein totaler Sanierungsfall. „Wenn man das alles noch mal richtig in Schuss bringen wollte und vom Ansprich über die Böden bis zu Bad und Küche das noch mal schön machen will, müsste man locker 300 000 Euro investieren.“

Gekauft habe er Haus und Grundstück für 150 000 Euro. Die Wohnfläche schätzt Arend auf rund 120 Quadratmeter und kommt für sich zum Ergebnis: „Fast eine halbe Million Euro würde doch keiner zahlen, wenn man das weiterverkauft.“ Stünde ein solches Haus irgendwo idyllisch auf großem Grundstück, sähe es anders aus, sagt Arend. So kommt für ihn, wenn er an der Stelle aktiv wird, tatsächlich nur Abriss und Neubau in Frage. Also genau das, was Frau Niewo befürchtet.

Dass diese Neubauten im Stadtrat und Bauausschuss als „Klötze“ und „Kästen“ verschrien sind, ist auch Arend bekannt. Wegen des Dreiser-Hauses sei er inzwischen auch von der Kreisdenkmalpflege angerufen worden. Der Vorschlag aus dem Kreishaus: „Eine bauliche Nachverdichtung von Grundstücken kann auch unter Erhalt und Einbeziehung der historischen Bebauung erfolgen“, heißt es aus dem Kreishaus. Und Pressesprecher Dondelinger verweist als Beispiel auf das Kreisarchiv in der Trierer Straße, bei dem das historische Eckgebäude in den Neubau integriert wurde.

Eine Variante, die Arend ebenfalls ausschließt. „Selbst wenn man das Dreiser-Haus in einen Neubau integrieren wollte, müsste man es ja sanieren, bevor da noch mal jemand einziehen kann. Und das rechnet sich nicht.“ Für ihn rechnet sich es nicht. Für jemand anderen vielleicht schon. Deshalb macht Johannes Arend einen Vorschlag.

„Ich biete Haus und Grundstück für 150 000 Euro an. Das ist genau der Preis, den ich gezahlt habe“, sagt Arend und erklärt: „Alle, die sich jetzt so lautstark beklagen, dass mal wieder ein historisches Gebäude abgerissen werden könnte, haben damit die Chance, es vor dem Verfall zu bewahren.“ Das aber würde bedeuten, dass der Käufer selbst, zumindest mal in den Erhalt der Bausubstanz investiert.

Ob an die Stadt oder eine Privatperson: Arend ist bereit, zu verkaufen, wenn jemand das Gebäude wirklich unbedingt erhalten möchte. „Interessenten mögen einfach anrufen“, sagt er und ist gespannt, ob sich jemand findet.

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