Abschiebung abgewendet: In Speicher lebende Familie Hasani muss nicht in den Kosovo zurück

Abschiebung abgewendet: In Speicher lebende Familie Hasani muss nicht in den Kosovo zurück

Das Engagement von Nachbarn, Freunden und der Verwaltung hat sich ausgezahlt: Die Hasanis dürfen bleiben. Schon seit fast sechs Jahren lebt die Roma-Familie in Speicher. Die acht Kinder gehen zur Schule oder arbeiten. Den Kosovo, wohin sie dieses Frühjahr zurückkehren sollten, kennen die Jüngsten kaum.

Der Kummer ist aus ihren Gesichtern verschwunden. Aus der Küche, wo Kimeta Hasani Pide mit Tomatensalat und Joghurtdip vorbereitet, klingt geschäftiges Klappern herüber während ihr Mann Muhamed sich an den Tag zurückerinnert, als er den Brief fand. Ein Brief, dessen Inhalt er ungläubig verschlang.

"Meine Beine wurden ganz wackelig. Dann habe ich gerufen: Kimeta, Kimeta, wir haben es geschafft!" Die Familie Hasani, zu der neben Kimeta und Muhamed, acht Kinder im Alter zwischen zehn und 27 Jahren, zwei Schwiegertöchter und drei Enkelkinder gehören, sollte Deutschland in diesem Frühjahr verlassen und in den Kosovo zurückkehren.

Ihr Asylbegehren wurde abgelehnt. Im Kosovo werden Roma wie die Hasanis zwar schlechter gestellt und behandelt als andere Menschen. Ihre Aussicht, in Deutschland Asyl zu bekommen, ist jedoch gering.

Doch hatten die Hasanis das Glück, in Speicher auf Menschen zu treffen, die sich für sie einsetzen: Barbara Roth, die Tochter der Vermieterin sammelte Unterschriften, damit die Familie bleiben kann. Und die Verbandsgemeindeverwaltung Speicher schaltete die Härtefallkommission des Landes ein. War doch zu fürchten, dass die traumatisierte Mutter eine Rückkehr in den Kosovo nicht verkraften würde.

"Wenn Frau Hasani zurück muss, dann geht sie uns über die Wupper", hatte Helmut Müller, der im Rathaus für Asylbewerber zuständig ist, im Vorfeld der Entscheidung besorgt betont. Doch nicht nur die traurige Vorgeschichte Kimeta Hasanis, die in ihrem Haus in einer kleinen Stadt im Kosovo vergewaltigt worden war, als ihr Mann für ein paar Tage weg musste, um in Serbien eine Geburtsurkunde zu beantragen, dürfte eine Rolle gespielt haben.

"Ausschlaggebend für die positive Entscheidung war sicher die Integration der Kinder", glaubt Helmut Müller. Die Jüngeren gehen in Speicher und in Bitburg zur Schule, haben laut Müller erstklassige Zeugnisse, sind Mitglieder in Sportvereinen und haben schon jetzt recht genaue Ideen, was sie einmal werden wollen: Fatima will Abitur machen und danach Medizin studieren, zwei ihrer jüngeren Brüder wollen KFZ-Mechatroniker werden. Die ältesten Söhne arbeiten. Fast sechs Jahre lang hatte Fatimas Bruder Arijan (26) Angst, in den Kosovo zurück zu müssen, wo die Menschen, wie er sagt, vor Roma weniger Respekt hätten als Deutsche vor Tieren."Leute spucken dich an"


"Die Leute spucken dich an, du kannst mit niemandem lachen und niemand sagt dir Guten Tag", sagt Arijan, der sich noch nirgends so zu Hause gefühlt hat wie in der Eifelstadt Speicher. Nun darf er dort bleiben. Er freut sich, endlich planen zu können. Und er freut sich, dass seine jüngeren Geschwister nun endlich "einen Weg haben im Leben".Extra

Etwa 100 Flüchtlinge leben aktuell in der Verbandsgemeinde Speicher. Die Verwaltung mietet für sie Wohnungen in den größeren Orten, die Einkaufsmöglichkeiten oder Busverbindungen bieten. Ein Teil der Menschen wird mit gemeinnütziger Arbeit beschäftigt. Das schaffe Kontakte und komme bei der Bevölkerung gut an, sagt Harald Knopp von der VG-Verwaltung. Meistens laufe das gut. Wenn die Arbeit nicht erledigt werde, würden allerdings auch Bezüge gekürzt. Ludwig Kewes vom Bitburger Arbeitskreis Asyl bezeichnet die Flüchtlingsarbeit in der VG Speicher als hervorragend. Die Wohnungen seien gut, zudem biete die Katholische Erwachsenenbildung kostenlose Deutschkurse an. kahExtra

In der VG Speicher wurde in den vergangenen Monaten mehrfach die Härtefallkommission des Landes eingeschaltet, weil Roma-Familien, die seit Jahren in der Eifel leben, in ihre Heimatländer zurückkehren sollten. Ähnliches Glück wie die Hasanis hatte Familie Murina aus Herforst. Nachdem Ortsbürgermeister Werner Pick und Nachbarn sich für sie eingesetzt hatten, entschied das Ministerium, dass die Familie bleiben darf. Noch ungewiss ist, wie es für Familie Seferovic aus Speicher weitergeht. Viel Hoffnung will die VG-Verwaltung Betroffenen nicht machen. "Wir setzen uns für alle ein", sagt Harald Knopp von der VG-Verwaltung. Aussicht auf Erfolg bestehe nur bei Fällen von extremer Härte. Denn die Chance, dass Menschen vom Balkan Asyl gewährt wird, ist gering: Um den Zuzug von Roma zu bremsen und die Abschiebung zu erleichtern, hat die Bundesregierung Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina kürzlich zu sicheren Herkunftsländern erklärt. kah

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