Abschied nach 13 Jahren

Nur noch wenige Tage, dann scheidet Rudolf Becker, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher, aus seinem Amt aus. Der TV hat mit ihm einen Blick zurück geworfen auf die Höhen und Tiefen einer Amtszeit, die 2001 begann.

Speicher. Was haben Kurt Beck, Ex-Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, und Rudolf Becker, bald Ex-Bürgermeister der kleinen Verbandsgemeinde (VG) Speicher, gemeinsam? Es ist mehr, als man denkt. Rudolf Becker, der am Freitag, 25. Juli, offiziell aus seinem langjährigen Amt verabschiedet wird, zeigt diverse Parallelen auf.
Die beiden haben nämlich nicht nur einen ähnlichen Namen und sind ungefähr gleich alt - Becker ist am 10. Juli 66 Jahre alt geworden. Sie haben auch beide eine handwerkliche Ausbildung gemacht. Beck als Elektromechaniker und Becker als Maler. "Ich habe aber schnell erkannt, dass meine Interessen woanders liegen", sagt der Bürgermeister, der eigentlich den Malerbetrieb seines Vaters übernehmen sollte, sich dann jedoch für eine andere Laufbahn entschied: Wie Beck ging er zur Bundeswehr und ließ sich dort bei der Wehrbereichsleitung IV in Wiesbaden im mittleren Dienst ausbilden. Dies waren die einzigen Jahre, die Becker - der, wie er betont, mit Speicherer Wasser getauft wurde - außerhalb seiner Heimatgemeinde verbrachte.
"Ich wollte zurück", sagt er - auch, um bei seinem Vater zu sein, der seit 1955 schwer behindert war, als bei Arbeiten in der Kirche ein Gerüst, auf dem er stand, zusammengebrach. Und Becker kam zurück. Denn nach der Verwaltungsreform suchte die neue VG Speicher im Jahr 1970 Mitarbeiter. An diesem Punkt erschöpfen sich dann aber auch die Parallelen zur Laufbahn Becks. Denn statt bis an die Spitze des Landes arbeitete Becker sich im Laufe der Jahre an die Spitze der Verwaltung. 1975 absolvierte er seine Prüfung für den gehobenen Dienst, 1981 wurde er Büroleiter und 2001 schließlich Bürgermeister.Einwohnerzahl gehalten


"Ich habe den Job mit Leidenschaft gemacht", sagt Becker, der nun dennoch freiwillig aus dem Amt ausscheidet, obwohl er noch bis 2017 gewählt ist. Sein Nachfolger Manfred Rodens (CDU) soll so Zeit haben, sich auf die nächste Phase der Kommunalreform vorzubereiten. "Ich gebe zu, dass die schwierigen Dinge der letzten Wochen mir das Abnabeln erleichtern", sagt der Speicherer. Er spielt damit auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen an, die gegen ihn laufen, seit bekannt ist, dass er Politikerreisen zum Teil mit Geld der Volkshochschule Speicher finanziert hat (der TV berichtete).
Dennoch fällt Beckers Bilanz überwiegend positiv aus. "Wir haben es trotz des demografischen Wandels geschafft, die Einwohnerzahl zu halten", sagt er. In allen Gemeinden außer Auw seien Neubaugebiete ausgewiesen worden, die ärztliche Versorgung sei gut, in Speicher gebe es sehr gute Einkaufsmöglichkeiten, die Wasser- und Abwassergebühren seien trotz allem, was getan wurde, niedrig, und die Infrastruktur habe sich bestens entwickelt.
Als besondere Erfolge wertet Becker, dass es trotz aller Widrigkeiten gelungen sei, den Speicherer Kunstrasenplatz zu bauen, das Heimatmuseum zu sanieren, das Geld für die Preister Keltenhalle zusammenzubekommen, das Seniorenheim zu erweitern oder die Spangdahlemer Stauspur anzulegen. Erfolge, die er auf die gute Teamarbeit in den Räten und in der Verwaltung zurückführt.Bitter: die Schulschließung


Immer wieder kommt Becker aber auch auf seine gute Beziehung zum ehemaligen rheinland-pfälzischen Innenminister Karl Peter Bruch (SPD/Kabinett Beck) zu sprechen - und auf dessen finanzielle Zuwendungen. Auch Bruchs Engagement für die deutsch-amerikanische Freundschaft würdigt Becker. Denn die liegt ihm am Herzen. Daher freute er sich auch über die Stärkung des Flugplatzes durch das Rhein-Main-Verlegungsprogramm.
Allerdings gab es während seiner Amtszeit auch Tiefpunkte. Der Bitterste war für ihn das Aus für den Schulstandort Speicher. "Mir tut es in der Seele weh, dass man so ein schönes Schulzentrum schließt", sagt er. Auch dass die Staatsanwaltschaft nun wegen der auf zweifelhafte Weise finanzierten Politikerreisen gegen ihn ermittelt, dürfte Becker, der als engagierter Katholik bekannt ist, schmerzen. Denn ähnlich wie bei Beck endet seine Karriere nun mit einem schalen Beigeschmack.Meinung

Die Bilanz könnte so gut sein
Die Erkenntnisse der vergangenen Monate trüben die Bilanz der 13-jährigen Amtszeit von Rudolf Becker leider erheblich. Dabei könnte sie so gut sein. Der Verbandsgemeinde Speicher ist es schließlich gut ergangen, sie ist gewachsen, steht finanziell besser da als viele andere, und ihre Orte sind dank einer guten Infrastruktur für die Zukunft gerüstet. Politischen Zoff gab es in der Ära Becker selten. Denn er hat es - trotz seines zuweilen aufbrausenden Temperaments - verstanden, die Menschen im Sinne der Sache mit ins Boot zu nehmen. Mag sein, dass die Förderung dieses Gemeinschaftssinns auch Beckers Ansinnen war, als er Politiker, Beigeordnete und Verwaltungsmitarbeiter samt Ehefrauen zu Reisen nach London und Rom einlud und dies zum Teil mit Geld der VHS finanzierte. Schade - insbesondere für den scheidenden Bürgermeister selbst -, dass er die Grenze nicht sah, die er dabei überschritt. k.hammermann@volksfreund.de