Abteistadt mit Fahne und Schwips

Abteistadt mit Fahne und Schwips

Zum ersten Mal - aus Anlass des Karlsjahrs - feiern die Prümer am Sonntag ein Maibowlenfest. Denn in der Abteistadt soll Mönch Wandalbert das Getränk vor 1160 Jahren erfunden haben. Zugleich wird Prüm offiziell den Beinamen Karolingerstadt erhalten.

Prüm. Großer Einmarsch der Kuttenträger: Das Mönchsaufgebot in der Abteistadt wird am Sonntag, 11. Mai, ziemlich hoch sein. Denn der Förderverein der Basilikafreunde organisiert erstmals in der Stadt ein Maibowlenfest - und dazu erwartet man unter anderem den Mönch Wandalbert, den früheren Prümer Abt Markward und etliche weitere Herren in entsprechender Gewandung. Sie alle kommen, angeführt von den Abteibläsern und einem Pferdegespann, in einem Festumzug vor der Basilika an, nach der Messe, die um 10.30 Uhr beginnt und vom Basilikachor und dem Ensemble Con Spirito gestaltet wird.
Hintergrund: Vor 1160 Jahren soll Wandalbert die Maibowle in Prüm erfunden haben. Im belgischen Arlon wird deshalb jedes Jahr im Wonnemonat ein Maitrankfest gefeiert, das auf Wandalbert zurückgeht.
Die Prümer nehmen nun das Karlsjahr zum 1200. Todestag des Kaisers (der Trierische Volksfreund berichtete) zum Anlass, selbst ein solches Fest zu feiern, mit einem großen Programm am Sonntag, wie Monika Rolef von den Basilikafreunden mitteilt: Es werde Kirchenführungen geben, die beiden Reliquienschreine sind geöffnet, der Geschichtsverein zeigt in der Kirche seine Ausstellung "Wandalbert und sein Jahreskalender".Prümer sollen Flagge zeigen


Im Anschluss an das Hochamt trifft der Festumzug vor der Kirche ein, anschließend wird Maibowle ausgeschenkt - "nach dem Rezept von Wandalbert", wie Monika Rolef betont.
Damit der Schwips nicht zu schnell kommt, wird dazu Brot mit Schinken und Schmalz gereicht.
Und weil in der Bowle bekanntlich auch Waldmeister drin ist, gibt es die kinderfreundliche Variante im Eiscafé am Hahnplatz: Jeder kleine Gast erhält kostenlos eine grüne Kugel.
Ein weiterer Programmpunkt: Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy wird offiziell den neuen Beinamen Prüms ausrufen: Karolingerstadt. "Ich denke, das wird ein schönes Fest", sagt sie und freut sich auf viele Besucher. Die Organisatoren haben eine Bitte an die Prümer: Zum Fest am Sonntag sollen sie alle ihre Stadtflaggen aufhängen.Meinung

Fähnchen raus!
Man muss mit seinen Pfunden wuchern und Flagge zeigen. Und das Städtchen Prüm hat einiges zu bieten, was lange unter Wert verkauft wurde: Endlich beruft man sich auch im neuen Beinamen auf das karolingische Erbe. Und dass ein Prümer Mönch vor hunderten Jahren ein bekanntes Getränk zusammenmixte, darf auch Anlass zum Feiern sein. Vielleicht ja im nächsten Jahr wieder. Zum Wohl, Wandalbert! fp.linden@volksfreund.deExtra

Der Prümer Benediktinermönch und Dichter Wandalbert, nach dem auch die frühere Hauptschule benannt war, wurde 813 an unbekanntem Ort geboren und starb vermutlich um das Jahr 870 in der Abteistadt. Für Kaiser Lothar verfasste er einen Heiligenkalender in Versform, das sogenannte Martyrologium. Außerdem gilt er als Erfinder der Maibowle. Im Gerberweg erinnert seit einigen Monaten eine Steintafel von Peter Weiland an den Mönch (Foto: Archiv/Fritz-Peter Linden). Sie ist Teil des Karolingerwegs, den die Initiative Frauenschuh angeregt hat. In der Straße stehen bereits Skulpturen der Karolinger Pippin, Karl und Lothar sowie eine Skulptur des früheren Prümer Abts Regino. fpl

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