Acht Meter hoher "Säulengang"

Acht Meter hoher "Säulengang"

Eine Stahlkonstruktion statt der ehemaligen Säulenvorhalle einer römischen Villa. Die "villa rustica" in Blankenheim ist ein besonders prächtiges Gebäude, dessen Ausmaße auch die Forscher bei den Ausgrabungen beeindruckten. Mit dem rekonstruierten 60 Meter langen Säulengang kann sich nun jeder diese Größe vorstellen.

Blankenheim. Dass beim Richtfest ein Baugerippe von einem Richtbaum geziert wird, ist üblich. Im weiteren Bauverlauf bleibt es aber üblicherweise nicht beim Gerippe, sondern es wird - insbesondere am Dachstuhl - weitergebaut. In Blankenheim wurde nun an einem "Gebäude" Richtfest gefeiert, das nie mehr als das Stahlgerippe sein wird.Beeindruckende Dimensionen

Jedoch war die römische "villa rustica", die einst an dieser Stelle in Blankenheim stand, ein vollständiger und zudem besonders opulenter Bau. Die Historiker sind sich einig, dass die Hofanlage zwischen dem zweiten und vierten Jahrhundert erbaut wurde und einem reichen Römer gehört haben muss. 1894 wurden die Überbleibsel der Römervilla unter der Leitung von Constantin Koenen erstmals freigelegt. Auch in späteren Jahrzehnten fanden Ausgrabungen statt. 1933 veröffentlichte Hermann Mylius die von ihm erstellten Rekonstruktionszeichnungen. 2005 und 2007 wurden die letzten Ausgrabungen durchgeführt und die einst ermittelten Ausmaße der Anlage korrigiert.Zumindest die Dimensionen der Säulenvorhalle, des "porticus", an der Seite der "villa rustica", der einst an den Hof grenzte, werden nun visuell verdeutlicht. Dieser "porticus" wurde an der Stelle, wo er einst stand, in stilisierter Form aus Stahl-Lamellen errichtet.Zwar vermitteln bereits die nackten Zahlen - der Säulengang maß einst knapp 60 Meter in der Länge und acht Meter in der Höhe - die beeindruckenden Ausmaße der Römervilla, doch erst durch den angedeuteten Nachbau der Säulenhalle werden sie so richtig vorstellbar. Sogar Fachmann Prof. Jürgen Kunow, Leiter des Landschaftsverband-Rheinland-Amts für Bodendenkmalpflege und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Villa Blankenheim, zeigte sich erstaunt: "Als ich das heute Morgen gesehen habe, erhielt ich einen ganz anderen Eindruck von dem Säulengang." Nicht minder beeindruckend sind die Ausmaße der Villa selbst. Etwa 70 mal 22 Meter groß soll sie gewesen sein. Sie selbst allerdings soll weder nachgebaut noch komplett freigelegt werden. Der neuartige Ansatz der Präsentation von Bodendenkmälern, der in Blankenheim verfolgt wird, sei für den Besucher auch eine intellektuelle Auseinandersetzung, da sich jeder die Anlage selbst vorstellen könne, findet Dr. Thomas Otten, Referatsleiter Denkmalschutz im NRW-Bauministerium. 1,8 Millionen Kosten

"Die Präsenz der Villa blieb bislang nur Fachleuten erschlossen. Und auch die benötigten viel Fantasie, um ein besonderes Erlebnis zu haben", so Kunow über das Bodendenkmal, dessen Überreste nicht sichtbar sind. Freigelegt werden allerdings rund 60 Quadratmeter der noch im Boden vorhandenen Mauern der Römervilla. In Form von "archäologischen Fenstern" werden sie mit begehbaren Glasplatten bedeckt, um sie den Besuchern präsentieren zu können.Die übrigen Wände sollen durch Markierungen auf dem Boden "nachgezeichnet" werden. Ähnliches gilt für das Areal des Gutshofs. Während die ehemaligen Wirtschaftsgebäude ebenfalls markiert werden sollen, wird die Mauer, die das 250 mal 120 Meter große, einstige römische Areal umschloss, stellenweise durch Stahl-Lamellen gekennzeichnet. Im Juni 2013 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.Zurück geht der Entwurf auf das Architekturbüro Schneider und Schumacher aus Frankfurt/Main, das auch für die Erweiterung des Museums Städel in Frankfurt verantwortlich zeichnet. Es gewann 2010 den Architekturwettbewerb, den die Gemeinde Blankenheim ausgeschrieben hatte.Möglich wurden die Maßnahmen an der "villa rustica" durch das Projekt "Erlebnisraum Römerstraße" im Rahmen der "Regionale 2010". Die Gesamtmaßnahme an der Blankenheimer "villa rustica" kostet 1,8 Millionen Euro. "Das ist ein stolzer Preis, aber 1,6 Millionen davon schlagen nicht im Blankenheimer Geldbeutel zu Buche", betonte er. 50 Prozent der Kosten werden durch den EU-Fonds für Regionale Entwicklung, 30 Prozent durch die "Regionale", 20 von der Gemeinde übernommen.roemervilla-blankenheim.deExtra

Das Projekt "Erlebnisraum Römerstraße" wurde im Rahmen der "Regionale 2010" initiiert. Darin vereinen sich 18 Anrainer-Kommunen und der Landschaftsverband Rheinland (LVR), um den einst so wichtigen Handelsweg kenntlich zu machen und vor dem Vergessen zu bewahren. Im Boden, teils auch auf Feldwegen und Straßen, sind die Römerstraßen von Köln über Trier nach Lyon ("Agrippa-Straße") und von Köln nach Boulogne-sur-Mer bei Calais ("Via belgica") teils noch gut erhalten. Unter anderem mit markierten Bäumen soll der Streckenverlauf verdeutlicht werden. Die Villa Blankenheim, eines der größten bekannten Landgüter seiner Zeit in NRW, liegt rund zwei Kilometer von der "Agrippa-Straße" entfernt.