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Acht Touren der Rhein-Mosel-Verkehrsbetriebe fallen aus: Wenn der Bus nicht kommen will

Prüm/Jünkerath/Gerolstein. Insgesamt acht Busfahrten der Rhein-Mosel-Verkehrsbetriebe (RMV) mit Start- und Zielort Prüm sind am Montag ausgefallen. Viele Kindergarten-Schützlinge und Schüler aus der Eifel mussten mit Privatautos oder per Taxi hin- oder zurück nach Hause gebracht werden. Ein Fahrer war erkrankt - und nirgendwo Ersatz aufzutreiben. Manche fürchten, das werde noch öfter passieren. Fritz-Peter Linden

Prüm/Jünkerath/Gerolstein. Der Bus fährt nicht - alle stehen da wie bestellt und nicht abgeholt. Und kommen nicht weg. "Das waren bei uns rund 15 Schüler", sagt Magdalena Backes vom Sekretariat der Kaiser-Lothar-Realschule Prüm, "in jeder Klasse ein bis zwei".
Der Anruf von den RMV mit der Ausfall-Nachricht sei gegen 12.45 Uhr aus Trier gekommen: "Das war schlecht, um fünf vor eins ist der Unterricht zu Ende."

Es folgte hektische Telefoniererei. Einige Schüler, sagt Magdalena Backes, seien dann von ihren Eltern abgeholt worden, andere mit einem großen Taxi, auch ein Lehrer habe ein paar Jugendliche heimkutschiert.
Am Regino-Gymnasium war es ähnlich, dort mussten an die 20 Schüler heimgebracht werden, einen fuhr Direktor Albrecht Petri nach Hause.
Bald stellt sich heraus: Es sind noch mehr Touren ausgefallen, auch schon am Morgen, dadurch kamen etliche Kinder und Jugendliche erst gar nicht zu ihren Einrichtungen in Prüm: "Wir hatten Anrufe aus dem Raum Gerolstein", sagt Doris Dörrenberg von der Berufsbildenden Schule. Etwa sechs Jugendliche hatten sich gemeldet, weil sie vergebens auf ihren Bus gewartet hatten.Erst Telefon, dann Taxi

Norbert Harings ist Busfahrer bei der RMV: Er hätte am Montag für die Tour von Prüm nach Jünkerath übernehmen sollen (13 Uhr und 16 Uhr), wurde aber dann nach Neuerburg geschickt. Der Grund: Der dafür eingeteilte Fahrer war erkrankt, seine Schicht fiel komplett aus.
Die Lücke konnte auch nicht von einer der anderen Firmen gefüllt werden, die im Auftrag der RMV Busse einsetzen: "Wir wurden angerufen, ob wir fahren können" sagt Unternehmer Werner André. "Wir helfen ja oft, aber da ging nichts mehr." Weil: alle Fahrer verplant. André übernahm dann aber die Dienstag-Tour nach Jünkerath.
Norbert Harings nennt, neben der Erkrankung des Kollegen, noch eine andere Ursache für den Totalausfall: "Es herrscht bei uns eine desaströse Personalpolitik." Und er fürchtet, dass so etwas wie am Montag noch öfter passieren könne. Grund: "Zu wenige Fahrer."

Nicht nur das: Die RMV-Busse wird man in den kommenden Jahren wohl immer seltener besteigen können - und irgendwann gar nicht mehr. Denn das Unternehmen hat, wie Harings es nennt, eine "Billig-Tochter", die Rhein-Westerwald-Nahverkehr GmbH (RWN). Und die soll in den Wettbewerb einsteigen - im Raum Daun-Gerolstein fährt sie bereits die Regiolinien 300 und 500, die vorher von den RMV betrieben wurden. Auf diese Weise, sagt Harings, werde "quasi ohne Not ein gut florierendes Verkehrsunternehmen, die RMV nämlich, gegen die Wand gefahren".
Der Grund sei Gewinnmaximierung. Auf Kosten der Fahrer, denn an anderer Stelle könne kaum gespart werden. Das bestätigt auch der RMV-Betriebsratsvorsitzende Udo Müller, der die ganze Entwicklung als sehr "unerfreulich" bezeichnet. Die RMV-Kollegen erhalten, weil sie noch alte Tarifverträge haben, auch Lohn für Vor- und Nachbereitung oder Pausenzeiten, sagt Müller. Die später eingestellten RWN-Fahrer aber werden nach einem anderen Tarif bezahlt - und zwar deutlich schlechter. Müller: "Wir reden vom untersten Niedriglohnsektor."
Und so werde die Tochterfirma künftig auf alle Streckenausschreibungen bieten, während die RMV kaum noch Chancen habe, den Zuschlag für eine Linie zu erhalten.Ein Gesetz soll helfen


Immerhin: Im sogenannten Landestariftreuegesetz ist festgelegt, dass auch die sozialen Komponenten in einer Ausschreibung stehen müssen - eine Vorgabe, die am 24. Februar vom Landtag in Mainz verabschiedet wurde: Wenn also eine andere Gesellschaft eine Strecke übernehme, die vorher von den RMV bedient wurde, "dann muss die neue Firma die alten Bedingungen mit übernehmen".
Das würde unter anderem bedeuten, dass die Busfahrer nicht in der untersten Lohngruppe anfangen würden (siehe Hintergrund). Ausnahme: jene Fahrer, die vorher nur per Zeitvertrag beschäftigt waren. Sie erhalten den schlechteren Tarif.
Anruf bei den RMV: Nein, so ganz sei das alles nicht richtig, sagt Pressesprecherin Katja Hinze am Dienstag. Und das eine - der Ausfall - habe mit dem anderen - der Geschäftspolitik - nichts zu tun. Man müsse allerdings "weiter ausholen", um das alles zu erklären. Die Antwort stand bis gestern Abend noch aus. Der TV wird weiter berichten, sobald die Verkehrsbetriebe eine Stellungnahme abgegeben haben.Meinung

Man nennt es optimieren"Optimieren" ist gerade schwer in Mode. In vielen Unternehmen wird aber nur eines optimiert, also verbessert: der Gewinn. Und nicht die Leistung. Die sollte aber zählen - auch, wenn es darum geht, kleine und große Menschen durch die Gegend zu befördern. Da wünscht man sich einen möglichst gut gelaunten Fahrer. Wer seine Leute vernünftig behandelt und bezahlt, trägt dazu bei. Kommt leider insgesamt immer öfter unter die Räder, der Gedanke, weil total naiv. f.linden@volksfreund.deExtra

Der Landtag in Mainz hat am 24. Februar, nach Verhandlungen mit den Gewerkschaften, das "Änderungsgesetz zum Landestariftreuegesetz" verabschiedet. Die Änderung soll Verzerrungen im Wettbewerb um öffentliche Aufträge entgegenwirken, wie sie nach Auskunft des RMV-Betriebsrats entstehen, wenn ein Anbieter Niedriglohnkräfte einsetzt. Öffentliche Aufträge dürfen infolge der Änderung nur an Unternehmen vergeben werden, die das festgesetzte Mindestentgelt zahlen und sich tariftreu verhalten. Zitat aus dem Informationsblatt des Betriebsrats: "Das gilt auch, wenn ein Unternehmen Nachunternehmen einsetzt" - wie im Fall der RMV mit der Rhein-Westerwald-Nahverkehr GmbH. fplExtra

Die Rhein-Westerwald-Nahverkehr GmbH (RWN) fährt auch auf der Strecke Daun-Bitburg (Linie 505). Von Ausfällen oder Problemen, teilt die Kreisverwaltung in Bitburg mit, sei bisher nichts bekannt. Ausgeschrieben und erteilt werden die Strecken-Konzessionen vom Landesbetrieb Mobilität in Trier. fpl