ADD Trier zeichnet muslimische und christliche Jungen aus

Auszeichnung : Eifeler Jungs halten (und klappern) zusammen

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier hat zwei Zehnjährige aus Prüm für ihr vorbildliches Miteinander ausgezeichnet.

Ali und Gabriel sind gute Fußballfreunde. Wann immer die Zehnjährigen es schaffen, kicken sie zusammen. Aber auch sonst verbringen sie viel Zeit miteinander. Voriges Jahr zu Ostern zum Beispiel übernachtete Ali bei seinem Kumpel. Als Gabriel morgens aufstand, um den lang überlieferten Osterbrauch des Klapperns (siehe Info) zu pflegen, war für Ali klar, dass er Gabriel nicht im Stich lässt und ihn begleitet – Moslem hin oder her. „Er sagte, dass viele andere nicht könnten. Da ging ich halt mit. Sonst wäre er ja alleine losgegangen.“ Gemeinsam zog man durch die Straßen und machte gehörig Krach. Ganz normal für die Kinder, doch gestern wurden sie – durchaus zu ihrer Verwunderung – für das gemeinsame Klappern ausgezeichnet.

„Und das von höchster Stelle“, sagt Prüms Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy, bevor sie die Urkunden der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) überreicht. ADD-Präsident Thomas Linnertz lobt in den Schreiben das vorbildhafte Miteinander der Jungen. Weil Urkunden Kinderherzen nicht unbedingt höherschlagen lassen, gab es für jeden noch eine Taschenlampe dazu und von der Stadt Prümtaler. „Cool“, findet Gabriel. „Damit können wir was anfangen“, sagt Ali und grinst verschmitzt.

Der Trubel, den die Erwachsenen machen, ist den Kindern nicht ganz geheuer. Aufmerksam wurde die Öffentlichkeit auf die Klapperjungen über Facebook. „Wir haben doch eigentlich nichts Besonderes gemacht. Gabriel ist halt mein Freund und ich wollte nicht, dass er allein ist“, sagt Ali. Mehr sei doch nicht dahinter gewesen. „Ihr versteht das heute noch nicht so wie wir, aber Erwachsene sind manchmal komisch und achten auf Dinge, die für Kinder selbstverständlich sind. Uns Erwachsene hat eure Freundschaft und das gemeinsame Klappern sehr bewegt“, sagt Mathilde Weinandy.

Ganz so gelassen wie die Jungen nahm Gabriels Vater Benedikt Esch die Nachricht von der kommenden Ehrung nicht auf. „Ganz ehrlich, ich habe vor Freude zwei Tage kaum geschlafen.“ Ihn treibe schon die Sorge um die häufig vergiftet wirkende Stimmung im Land um. „Die Angst vor dem Fremden beschäftigt die Leute. Anstatt das Fremde aber als ersten Schritt kennenzulernen, wird es rigoros abgelehnt.“ Kinder seien da einfach noch anders aufgestellt: „Sie machen noch keinen Unterschied zwischen Wir und den Anderen.“ Besonders froh sei er, dass die Jungen das Ganze einfach gemacht hätten, eben weil sie es so normal fänden.

Normal findet auch Alis Vater Hasan Sakar das Miteinander der christlichen und muslimischen Freunde. Er ist etwas verwundert über die viele Aufmerksamkeit: „Dass zur heutigen Zeit eine solche Aktion so viel Trubel mit sich bringt, ahnte ich nicht.“ Ali verhalte sich eben so, wie er es von daheim aus kennengelernt habe. „Ich bin ab meinem zweiten Lebensjahr in Prüm groß geworden, und in meiner Kindheit war es auch normal, dass wir an allen Sachen teilnehmen. Warum denn auch nicht?“

Gut erinnere er sich daran, wie er mit zwei weiteren türkischen Freunden vor dem Friedhof in Prüm Geld für die Caritas gesammelt habe. „Wir waren und sind Eifeler Jungs. Da war das für uns kein Thema und für Ali eben heute auch nicht.“

Vor einen Karren lassen sich Gabriel und Ali übrigens auch heute nicht spannen. Man wisse noch nicht, ob in diesem Jahr gemeinsam geklappert werde. „Das entscheiden wir spontan“, sagen sie unisono.

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