Adieu Bärenklau, die Zeit mit dir ist nicht so schön
Riesen-Bärenklau ist ein hartnäckiger Gegner. Nichtsdestotrotz hat der Kreistag des Eifelkreises Bitburg-Prüm einen Trupp entsandt, der die Ausbreitung der Giftpflanze rund um die Prüm oberhalb des Stausees Bitburg eindämmen soll. Circa 10 000 Exemplare der Pflanze warten dort auf ihre Vernichtung.
Pronsfeld/Bitburg. Von weitem setzen sich die leuchtend gelben Schutzanzüge der Arbeiter scharf ab vom saftigen Grün der Auen an der Prüm. Die grelle Arbeitskleidung erregt bei Wanderern und Spaziergängern Aufmerksamkeit: "Eine Frau spazierte neulich an uns vorbei und dachte bei unserem Anblick wohl, wir würden hier irgendwelche Drogen konsumieren", erzählt Hiltrud Poss und lacht herzlich. Mit Drogen hat die gelernte Landschaftsgärtnerin aber gar nichts zu tun. Sie entfernt zusammen mit Enrico Heinpold und zwei weiteren Kollegen den Riesen-Bärenklau entlang einer 100 Kilometer langen Strecke im Umkreis der Prüm. Der Bürgerservice des Kreises Bitburg-Prüm beschäftigt die Vier im Naturpark Nordeifel. Mit Schutzanzug, Hacke und Axt gegen Riesenpflanzen
Die gelernten Landschaftsgärtner arbeiten seit Mitte Juni unter der Leitung von Ernst Görgen, dem Geschäftsführer des Naturparks. Geschätzte 10 000 Herkulesstauden, so die offizielle Bezeichnung der Pflanze, haben Görgen und seine Mitarbeiter auf Luftaufnahmen in diesem Gebiet lokalisiert. Die Pflanze ist hartnäckig und giftig. Sie verdrängt die heimische Vegetation und ist schwierig zu entfernen. Zudem breitet sie sich wegen ihrer schwimmfähigen Samen rasend schnell aus. Der Vierertrupp erfüllt an der Prüm demzufolge eine wichtige Aufgabe: Die Ausbreitung der bis zu fünf Meter hohen Pflanze mit den armdicken Stängeln soll gestoppt werden. Dazu schießt das Land die Mittel bei: Das Bekämpfungsprojekt, das auf vier Jahre angelegt ist, kostet wahrscheinlich 134 000 Euro. 90 Prozent davon deckt das Land. "Wir sind leider Gottes mit dem Projekt etwas zu spät dran", bedauert Görgen. "Verwaltungstechnische Probleme" hätten dazu geführt, dass die Arbeiten erst im Juni starten konnten. Fast gleichzeitig begann die Blütezeit des Bärenklaus und damit auch die Ausbreitung der neuen Samen. Dem können die Bekämpfer nur entgegen wirken, indem sie die Blüten kappen und entsorgen. Die Wurzeln graben sie ebenfalls aus, um die Pflanze an ihren aktuellen Standorten auszumerzen. Vor allem bei sonnigem Wetter ist dieser Job gefährlich. "Es sind besondere Substanzen im Pflanzensaft, die mit UV-Licht zusammen zu Verätzungen der Haut führen. Kompletter Schutz von oben bis unten ist erforderlich - eventuell auch mit Mundschutz", erklärt Görgen. Auf chemische Herbizide verzichten die Arbeiter trotz der Hartnäckigkeit der Pflanze. "Man sollte von vornherein nicht mit chemischen Mitteln in der Nähe von Gewässern arbeiten. Die Verschmutzungsgefahr ist zu groß", sagt Görgen. Deshalb gehen die Arbeiter mechanisch vor: Mit scharfen Äxten kappen, mit Hacken ausgraben, eintüten und ordnungsgemäß als Restmüll entsorgen. Ganz anders sieht die Geschichte der Herkulesstaude aus. Lange wurde der Bärenklau als Zierpflanze und Bienenweide geschätzt. Dieses positive Image hat die Pflanze jedoch mit zunehmender Ausbreitung in den letzten 15 bis 20 Jahren verloren. Auch seine phototoxischen Eigenschaften führten zur weiträumigen Bekämpfung. Gerade wegen der schnellen Verbreitung der Bärenklausamen könnte sich die Arbeit der Landschaftsgärtner zu einer Sisyphosarbeit entwickeln. Die Männer und Frauen in den gelben Overalls bleiben der Eifel zumindest vorerst erhalten. EXTRA Die Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum), auch Riesen-Bärenklau genannt, hat der Mensch als Zierpflanze aus dem Kaukasus nach Westeuropa eingeführt. Seit circa 20 Jahren breitet sie sich vor allem durch die Schwimmfähigkeit ihrer Samen über weite Gebiete Europas aus. Der ätzende Pflanzensaft führt im Zusammenhang mit Sonnenlicht zu starken allergischen Hautreaktionen bis zu Verbrennungen zweiten Grades (Phototoxizität). Problematisch ist der Bärenklau auch für andere Pflanzen. Seine großen Blätter nehmen ihnen das Licht und damit ihre Lebensgrundlage. Dadurch verarmt die heimische Vegetation. Auch den Ernteerfolg der Landwirte kann der Bärenklau so einschränken. (cmk)