Messen und Märkte : Die Oberkailer Dorfgemeinschaft sorgt engagiert dafür, dass es in der Burgstraße weihnachtet (Fotos)

Der Weihnachtsmarkt „Adventliche Burgstraße“ in Oberkail besticht durch sein Angebot. Es wird ausschließlich Handwerkskunst präsentiert. Die Zusammenarbeit in der Dorfgemeinschaft trägt dazu bei, dass sich die Gäste so richtig wohl­fühlen.

Der Duft von Glühwein, die heimelige Atmosphäre, der Lichterglanz: Am zweiten Wochenende im Advent ist wohl schon alles über Weihnachtsmärkte geschrieben worden. Bereits Mitte November starteten in diesem Post-Corona-Jahr die stimmungsvollen Vergnügungsveranstaltungen zwischen Krippe und Currywurst. Laut Website der Deutschen Weihnachtsmärkte finden allein in Rheinland-Pfalz 126 Märkte in der Adventszeit statt – und dabei sind nur die gezählt, die sich für die Schönsten halten.

 Ein Teil des Organisationsteams aus Oberkail mit Alexandra Kipp-Müller (vorne rechts).
Ein Teil des Organisationsteams aus Oberkail mit Alexandra Kipp-Müller (vorne rechts). Foto: Susanne Stumm

Doch es hilft nichts: Vorweihnachtszeit ist Weihnachtsmarktzeit. Also, auf geht’s zur „Adventlichen Burgweihnacht“ in Oberkail im Bitburger Land. Vier Jahre lang mussten Bewohner und Aussteller auf den Markt verzichten: Zum einen kam Corona dazwischen, und zum anderen gibt es den Markt nur alle zwei Jahre. 2012 war die erfolgreiche Premiere. Dies ist die fünfte Auflage. Der Markt findet in der Burgstraße statt. So weit die Angaben.

Bei der Ankunft in Oberkail wird einem ein Parkplatz auf dem Grundstück eines Anwohners zugewiesen. Und dann betritt man am frühen Abend durch einen Lichterbogen die Burgstraße in der rund 600 Seelen zählenden Gemeinde. Eine funkelnde Tanne säumt den Eingangsbereich. Auf den Fensterbänken der Häuser stehen Windlichter. Blumenkübel am Straßenrand sind geschmackvoll mit Tannen, Zapfen und Äpfeln geschmückt. Sofort fühlt man sich zurückversetzt ins Mittel­alter, als im Ortskern noch eine Burg stand und später ein Wasserschloss. Integriert in die alten Gemäuer und Scheunen, die von den Bewohnern liebevoll und aufwendig restauriert wurden, präsentieren sich die weihnachtlich dekorierten Stände. Am Feuer vor der Bühne kann man sich etwas wärmen. Hier unterhält Laurin Meiers stimmungsvoll mit weihnachtlichen Songs.

Alle Aussteller waren sehr zufrieden.
Alle Aussteller waren sehr zufrieden. Foto: Susanne Stumm

Es herrscht Betrieb, und die Besucher­schar erinnert an die Zeit, als Märkte vor Weihnachten veranstaltet wurden, damit sich die Bevölkerung für den Winter mit allen wichtigen Vorräten, Gebrauchsgegenständen und Kleidung eindecken konnte. Fast wie damals zeigen die Aussteller ihre teils vergessene Kunst.

Wie Alexandra Kipp-Müller, die Bauernleinen zu neuem Leben erweckt. Mit handgeschnitzten sogenannten Holzmodeln, die sie eigens in Indien anfertigen lässt, bedruckt sie das alte Leinen und stellt so individuelle Einzelstücke her. Kipp-Müller gehört auch zum Organisations­team des Oberkailer Markts. „Wir legen allergrößten Wert darauf, dass ausschließlich selbst gefertigte Produkte angeboten werden. Aussteller, die erworbene Waren hier verkaufen wollen, lehnen wir ab“, berichtet sie.

Auch an den anderen 50 Ständen gibt es Originelles zu bestaunen. In einer Scheune trifft man auf vier Damen der Spinn- und Handarbeitsgruppe Wollbergwerk. Sie führen vor, wie man aus Schafwolle mit dem Spinnrad Fäden spinnt – ein Handwerk, das nur noch wenige heutzutage beherrschen.

Birgit Tölkes von der Schäferei in Fließem ist – wie alle Aussteller – sehr zufrieden mit dem ersten Tag des Adventsmarkts. Mit ihren Lammfellen hat sie schon ein gutes Geschäft gemacht. „Die Markt­besucher kaufen verstärkt Dinge, die nachhaltig und praktisch sind. Besonders gut gehen dieses Jahr Sitzkissen aus Lammfell“, sagt Tölkes. „Die legen sich die Leute auf ihren Bürostuhl, da haben sie es an ihren kühlen Arbeitsplätzen schön warm.“

Damit solch ein Weihnachtsmarkt gelingt, ist Teamarbeit gefragt. „Die ganze Dorfgemeinschaft hat schon Tage vorher gemeinsam angepackt, um Oberkail in eine wahre mittelalterliche Weihnachtskulisse zu verwandeln. Jeder bringt sich in diesen Wochen in die Vorbereitungen ein“, berichtet Ortsbürgermeisterin Petra Fischer. „Genau das macht das Flair und den Erfolg unseres Marktes aus und fördert enorm den Zusammenhalt im Dorf.“

Und wirklich: Den Oberkailern gelingt es, dass ihre Gäste sich in der „Adventlichen Burgstraße“ rundum wohlfühlen. Die Besucher lassen sich mit Haut und Haar auf die urige, herzliche Stimmung ein und genießen den Glühwein, die heimelige Atmosphäre und den Lichterglanz.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Adventliche Burgstraße in Oberkail