Musik Alle Jahre wieder: Die Tradition lebt

Prüm · Mit dem Adventsblasen startet Prüm seit 45 Jahren in die Vorweihnachtszeit. Rund 600 Menschen kamen diesmal auf den Hahnplatz.

Adventsblasen läutet in Prüm die Vorweihnachtszeit ein
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Adventsblasen läutet in Prüm die Vorweihnachtszeit ein

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Foto: Nowakowski Vladi

Es ist ein Ritual, das genauso zur Adventszeit gehört wie „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ am zweiten Weihnachtsfeiertag oder wie bei anderen ein Besuch der Christ­mette. Auch an diesem ersten Adventssamstag versammeln sich Menschen aus Prüm und Umgebung auf dem Hahnplatz, um vorweihnachtlichen Weisen aus Deutschland und dem Alpenraum zu lauschen. Vom Turm der angestrahlten Basilika, den Balkonen des Hotels Zum Goldenen Stern und der Volksbank sowie aus dem Fenster einer Privatwohnung spielen die Bläser des Musikvereins 1834 Prüm abwechselnd. Unter der musikalischen Leitung von Thomas Rippinger sind Kompositionen wie das „Salzburger Adventssingen“, „Macht hoch die Tür“ und der „Sterzinger Andachtsjodler“ zu hören. 

 Die Bläser des Prümer Musikvereins spielten unter anderem auf dem Balkon des Hotels Zum Goldenen Stern.

Die Bläser des Prümer Musikvereins spielten unter anderem auf dem Balkon des Hotels Zum Goldenen Stern.

Foto: Nowakowski Vladi

Initiiert wurde das Prümer Adventsblasen vor mehr als vier Jahrzehnten von Marlies und Berta Jansen, zwei inzwischen verstorbenen Einwohnerinnen der Abteistadt. Vorbild war damals das traditionelle Salz­burger Turm­blasen in Öster­reich.

 Sie kamen, sahen und lauschten: Rund 600 Besucher fanden sich zum traditionellen Adventsblasen in Prüm auf dem Hahnplatz ein.

Sie kamen, sahen und lauschten: Rund 600 Besucher fanden sich zum traditionellen Adventsblasen in Prüm auf dem Hahnplatz ein.

Foto: Nowakowski Vladi

Am Samstag versammeln sich rund 600 Zuhörer um den großen Weihnachtsbaum in der Innenstadt. Und als um 20.15 Uhr die ersten Töne vom Turm der Basilika hinab wehen, verstummen alle Gespräche. Außer der Musik erklingt kein Geräusch. Normalerweise – doch ausgerechnet an diesem Samstagabend mischt sich das Röhren eines Transportflugzeugs minutenlang unter die Klänge des „Salzburger Advents­singens“. Die Straßen zum Hahnplatz hat die Prümer Feuerwehr zwar abgesperrt, doch eine Flugverbotszone einzurichten wäre wohl einige Nummern zu groß.

20 Minuten stehen die Besucher andächtig und vollkommen still da, drehen sich lediglich um, wenn die Musik aus einer anderen Richtung des Hahnplatzes erklingt. Besinnlich ist es, schön und herz­erweichend. Ein Start in eine hoffentlich fried­liche Adventszeit nach all den Kata­strophen in diesem Jahr, in dem sich die Pandemie nicht besiegen ließ und in dem die Flut im Juli zusätzliches Leid und Not brachte. Die Nachrichten auch dieses Tages sprechen eine andere Sprache. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Als der kalte Wind den letzten Ton in Richtung Abendhimmel trägt, applaudieren die Menschen minutenlang. Es wirkt, als ob sie sich selbst Mut machen wollen. Mut werden sie brauchen. Und die Zuversicht, die sie heute Abend vom Advents­blasen mit nach Hause nehmen, kann ihnen keiner nehmen.

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