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Älter werden und Fahrer bleiben

Älter werden und Fahrer bleiben

Senioren sind nur an zehn Prozent der Unfälle beteiligt. Da es absehbar jedoch immer mehr Ältere gibt, die - gerade im Eifelkreis - aufs Auto angewiesen sind, spielt Sicherheit eine große Rolle. Deshalb haben Polizei und Verkehrswacht in Bitburg zum Thema Senioren im Straßenverkehr informiert.

Bitburg. Bis ins hohe Alter mobil bleiben und nicht auf andere angewiesen zu sein: Das wünschen sich alle Menschen. In der Eifel, wo es keine flächendeckende Versorgung durch den öffentlichen Personennahverkehr gibt, bleibt die persönliche Mobilität von Senioren an die Fahrerlaubnis gekoppelt. Und in Zukunft werden immer mehr und immer ältere Menschen auf den Straßen unterwegs sein.
Im Sitzungssaal der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm haben Polizei und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) Hinweise gegeben, wie sich Senioren vor Unfällen schützen können. "Mit zunehmendem Lebensalter können Leistungseinbußen im Straßenverkehr nicht geleugnet werden", sagt Moderator Klaus Schnarrbach.
"Hinzu kommt, dass sich die Anforderungen an Autofahrer in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert haben." Dennoch zeigt die Unfallstatistik im Regierungsbezirk Trier seit Jahren eine fallende Tendenz bei Unfällen, in die Senioren verwickelt sind.
"Im Allgemeinen fahren Senioren ruhig und besonnen", sagt Polizeihauptkommissar Frank Kerner. Er ist in der Polizeidirektion Wittlich für die Koordination der Veranstaltungen zuständig und weiß: "Ältere Fahrer sind im Straßenverkehr keine Risikogruppe." Die wenigen Senioren, die das Angebot in Bitburg wahrnehmen, sehen ihre Fahrweise auch nicht als verkehrsgefährdend an: "Viel mehr Probleme habe ich mit der Technik neuerer Fahrzeuge", sagt eine 71-jährige Teilnehmerin und erhält Zustimmung in der gesamten Runde.
"ABS, das Navigationssystem, der Abstandsregler - alles Dinge, die das Fahren komfortabler und sicherer machen sollen", sagt ein 67-Jähriger. "Bisher ist aber noch kein seniorengerechtes Auto auf dem Markt - zu einem heutigen Auto brauche ich eine technische Einweisung."
"Ein großes Problem", bestätigt Klaus Schnarrbach: "In jedem Beruf müssen sie alle zwei Jahre an Fortbildungen teilnehmen", sagt er. "Nach dem Erwerb des Führerscheins dürfen sie ein Leben lang ohne Zwang zur Weiterbildung fahren. Das wird zwar in der Öffentlichkeit gefordert, doch niemand traut sich, das politisch umzusetzen."
Eine Überprüfung der Fahrtüchtigkeit ab einem gewissen Alter lehnen alle Anwesenden ab. "Einen freiwilligen Test kann ich mir vorstellen", räumt der 67-jährige Werner Jansen, Vorsitzender des Seniorenbeirats; ein. "Aber eine gesetzlich vorgeschriebene Überprüfung ist eine sehr hohe Hürde. Viele ältere Verkehrsteilnehmer würden; aus Angst zu versagen, nicht daran teilnehmen - obwohl sie durchaus noch fahrtüchtig sind."
Auch Frank Kerner hält von einer Zwangsüberprüfung nichts: "Falls im Rahmen einer Verkehrskontrolle altersbedingte Fahruntüchtigkeit festgestellt wird, überprüft das ein Amtsarzt. Das hat sich so bewährt." Außerdem sei zu befürchten, dass den Senioren mit einem Zwangstest viel Geld aus der Tasche gezogen würde. "Da entsteht dann in Windeseile ein riesiger Markt, mit einer ebenso riesigen Lobby dahinter", sagt Kerner.
Extra

Das Forum für Verkehrssicherheit für Senioren am Steuer rät: Muten Sie sich keine zu langen Fahrtstrecken zu. Die Konzentration nimmt durch Ermüdungserscheinungen ab. Legen Sie öfter mal eine Pause ein. Setzen Sie sich nicht zeitlich unter Druck, sondern planen Sie Ihre Fahrtzeiten lieber großzügig. Fahren Sie nie mit dem Auto, wenn Sie sich nicht fit fühlen. Achten Sie darauf, ob Medikamente Ihre Fahrtüchtigkeit beeinflussen können. Vermeiden Sie Nacht- und Schlechtwetterfahrten. Meiden Sie Ihnen unbekannte Innenstädte. Nutzen Sie stattdessen lieber die Park-and-Ride-Angebote. Achten Sie auf Ihre Geschwindigkeit, und halten Sie ausreichenden Abstand zu Ihrem Vordermann. Nehmen Sie an einem Sicherheitstraining teil. nowExtra

Die Unfallstatistik des Eifelkreises Bitburg-Prüm, einschließlich der Verbandsgemeinde Obere Kyll, zeigt, dass die Unfallbeteiligung von Senioren ab 65 Jahren abnimmt. 2007 waren an 3981 Verkehrsunfällen 417 Senioren beteiligt (10,47 Prozent), 2011 waren es bei bisher 3233 Unfällen 316 Senioren (9,77 Prozent). Deutlich schlechter stehen die jungen Fahrer bis 25 da: 2007 waren sie an 24,69 Prozent der 983 Unfälle beteiligt. 2011 an 20 Prozent (647 Unfälle). Laut Polizeidirektion Wittlich sind bei Unfällen, an denen Fahrer über 65 beteiligt sind, Senioren zu 50 Prozent die Verursacher. Junge Fahrer sind an mehr als 80 Prozent der Unfälle schuld. now