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Ärger um das Wild bei Meilbrück

Tiere : Ärger um das Wild bei Meilbrück

Gibt es bald keine Rehe mehr bei Meilbrück? Bei einer Kontrolle wurden Mängel in der Tierhaltung festgestellt, die zur Schließung des Geheges führen können. Die Betreiber können das nicht nachvollziehen.

Seit mehr als 40 Jahren hält Familie Schilling hinter ihrem Restaurant an der Meilbrück Rehe und Hirsche. So hätten die Kinder im Sommer was zu gucken, sagt Achim Schilling. Außerdem bietet er das Wild in seinem Restaurant zum essen an. Das soll nun vorbei sein. „Jetzt auf einmal geht das nicht mehr, von heute auf morgen“, sagt Schilling.

Nach einer Kontrolle des Restaurants durch die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm bekam die Familie einen Auflagenkatalog geschickt, den sie laut Schilling nicht einhalten kann. Demnach müsse er jeden Tag dokumentieren, wie die rund 45 Tiere aussähen und was sie fräßen. „Dazu habe ich keine Zeit“, sagt der Gastronom.

Außerdem bräuchten sie zum Schlachten der Tiere eine Metzgerei und damit sein Vater die Tiere erlegen dürfe, müsse er einen Lehrgang machen. „Der hat seit 60 Jahren einen Jagdschein und jetzt darf er seine eigenen Tiere nicht mehr schießen“, sagt Schilling. Würde er das Gatter öffnen und das Tier draußen schießen, wäre es kein Problem, „da hört der Spaß auf! Das ist weltfremd“, meint der 53-Jährige.

Tatsächlich steht in einem Merkblatt zur Gehegetierhaltung des Amtes für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung, dass das Schießen in Wildgehegen keine Jagdausübung im Sinne der jagdrechtlichen Vorschriften ist. „Das bloße Vorhandensein eines gültigen Jagdschscheines ist nicht ausreichend; Vielmehr benötigt der Gatterinhaber/-betreiber eine waffenrechtliche Schießerlaubnis nach dem Waffengesetz“, heißt es weiter.

„Mein Vater versteht die Welt nicht mehr“, sagt Schilling. Mit seinen 83 Jahren mache er keinen Lehrgang mehr. 40 Jahre lang habe sein Vater die Tiere geschossen und in einem extra eingerichteten gefliesten Raum zerlegt. „Jetzt reicht das nicht mehr“, sagt Schilling. Der Restaurantbesitzer will sein Wild nun zukünftig einkaufen. Es rechne sich nicht, wenn er einen Metzger bezahlen müsse.

 Bild für eine Zitat
Bild für eine Zitat Foto: Andrea Weber

Den Tieren ginge es bei ihnen gut. Sie hätten Wiesen, soweit das Auge reiche. Futter hätten sie noch nie dazu gekauft, natürlicher gehe es nicht. „Wenn hier kein Hirsch mehr leben darf, dann darf nirgends mehr einer leben.“ Sein Vater hege und pflege die Tiere.

Mit Sicherheit verhalte sich der Kontrolleur der Kreisverwaltung gesetzeskonform, aber das sei doch Auslegungssache. Wenn das so gehandhabt werde, gebe es irgendwann keine Gehege mehr, ist sich Schilling sicher. Das werde dann ein teures Hobby. „Früher gab es nie Probleme“, ärgert er sich über die Handhabung der Kreisverwaltung. „Manchmal habe ich das Gefühl, hier hängt eine versteckte Kamera.“

Die Kreisverwaltung möchte sich aus datenschutzrechtlichen Gründen zu dem speziellen Fall nicht äußern. Wenn Mängel bei der Haltung eines Geheges festgestellt würden, werde der Betreiber zunächst mündlich aufgefordert, diese zu beseitigen.

Wenn das nicht passiere, erhalte er eine Verwaltungsanordnung. In Einzelfällen könne es sicherlich auch zur zwangsweisen Auflösung des Geheges kommen.

Was dann mit den Tieren geschehe, hänge von den Mängeln ab und müsse im Einzelfall entschieden werden. „Eine Tötung der Tiere wird sicherlich das absolut letzte Mittel sein“, teilt ein Sprecher der Verwaltung mit.

Schilling und sein Vater sehen sich gezwungen, das Wild abzuschaffen, da sie nach eigener Aussage die Auflagen nicht erfüllen können. „Damit fällt wieder ein Stück Tradition weg“, sagt Achim Schilling. Wie, weiß der Restaurantbesitzer noch nicht. „Also ich werde die Tiere nicht anfassen.“