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Afa Bitburg: Flüchtlinge leben teilweise auf engem Raum, Schließung 2023?

Asyl : „Ganz schön eng“: So leben die Geflüchteten in der Afa Bitburg

Weniger Zugänge, aber wenig Platz: Wir haben uns in der Afa Bitburg umgesehen. Wie leben die Geflüchteten dort? Und wie geht es mit der Einrichtung weiter?

Es sind an die 30 Grad. Der Boden im Innenhof der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) in Bitburg ist braun und staubig. Nur hier und da schafft es mal ein grünes Fleckchen durch die triste Fläche. „Das war mal anders, hier war alles grün“, sagt Afa-Leiter Jens Tossing, „aber hier wird im Sommer so viel Fußball gespielt ...“

Ginge es nach Tossing, würde der Boden bald wieder einladender aussehen. Aber Gras braucht bekanntlich Zeit zum Wachsen. Wie viel Zeit die Afa noch hat, steht in den Sternen. Aber dazu später mehr. Denn in der Afa ist nicht alles so trist wie der Bodenbelag des Innenhofes.

Afa Bitburg: So leben die Flüchtlinge

Da ist zum Beispiel die Spielgruppe. Zwei Räume, in denen selbst gemalte Bilder an den Wänden hängen. Ein Teppich mit Straßen liegt auf dem Boden, Spielzeug ist in Kisten verstaut. So, wie man es aus einem Kinderzimmer kennt – nur aufgeräumter. Ein Großteil dieser Kinderspielzeuge stammt aus Spendensammlungen – wie auch die Werkbank, die eine der Erzieherinnen als „sehr beliebt“ beschreibt. Der Vorteil für die kleinen Flüchtlinge: „Sie lernen die Sprache sehr schnell“, sagt Jens Tossing. Es ist einer der Orte innerhalb der Afa, bei dem man nicht das Gefühl hat, dass hier Leid herrscht.

 Hier können die Kinder in der Afa spielen.
Hier können die Kinder in der Afa spielen. Foto: TV/Christian Thome

Das geht auch anders. Denn Jens Tossing macht keinen Hehl daraus, dass es in der Einrichtung aktuell „sehr eng“ sei. Als er Anfang des Jahres den Posten als Leiter der Einrichtung übernahm, herrschte in Europa noch kein Krieg. Dann griff Russland die Ukraine an, viele Menschen verließen ihre Heimat – auch in Richtung Bitburg. Als wir die Afa diese Woche besuchen, sind dort 588 Menschen untergebracht, darunter 258 Ukrainerinnen und Ukrainer. Zwar verzeichne man aktuell seit Anfang Mai nicht mehr viele Zugänge, sagt Tossing, aber die Situation sei dennoch beengt.

Das zeigt sich in den Zimmern: Vor der Ukraine-Krise standen dort „normale“ Betten, diese wurden zu Doppel-Hochbetten aufgestuft. Heißt: Teilten sich vorher drei Personen ein Schlafzimmer, sind es nun sechs. Auch im Youtel sind aktuell noch einige Geflüchtete untergebracht, diese sollen nun jedoch auch in die Afa wechseln. Das erleichtere die Verwaltung und Gewährleistung der Sicherheit, sagt Jens Tossing. Im Youtel könnten künftig schutzbedürftige Frauen untergebracht werden. „Da können wir dann zielgerichteter arbeiten“, erklärt der Einrichtungsleiter.

 In diesem Zimmer können sechs Flüchtlinge untergebracht werden.
In diesem Zimmer können sechs Flüchtlinge untergebracht werden. Foto: TV/Christian Thome

Wenn sie arbeiten, erhalten sie 80 Cent pro Stunde

Einige Räume neben der Spielgruppe befindet sich die Wäscherei. Hier können die Geflüchteten ihre Kleidung abgeben, diese wird dann von anderen Bewohnerinnen und Bewohnern gewaschen, die hier freiwillig arbeiten – für einen mickrigen Lohn von 80 Cent pro Stunde.

Aktuell zählt in der Afa auch viel Kommunikation. Denn neben den ukrainischen Geflüchteten sind dort auch weiterhin Menschen anderer Nationalitäten (wie etwa Syrien, Malaysia oder Afghanistan) untergebracht. Jedoch gelten für Ukrainerinnen und Ukrainer andere Regeln als für die anderen Nationalitäten. „Die Menschen aus der Ukraine werden meistens innerhalb von zwei bis sechs Wochen in die Kommunen verteilt, während andere hier teilweise seit Monaten untergebracht sind. Das müssen wir teilweise vermitteln und erklären.“

Auch an anderen Stellen herrscht Ungleichheit. So stellen verschiedene Mobilfunkanbieter Ukrainerinnen und Ukrainern beispielsweise kostenlose SIM-Karten – auch der ÖPNV ist mit ukrainischem Pass kostenlos. Aber, sagt Jens Tossing: „Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist durch die Ukraine-Krise gestiegen. Davon profitieren alle Geflüchteten.“ Werden zum Beispiel Spendengüter in die Afa gebracht, dann erhalten diese nicht nur Ukrainerinnen und Ukrainer. „Und“, sagt Tossing, „das Bild der Geflüchteten hat sich gebessert.“

Wie geht es mit der Afa weiter?

Generell sei das Bild oftmals falsch, sagt Tossing. In „seiner“ Afa sei es sehr ruhig, man habe kaum Probleme mit Ladendiebstählen oder Schlägereien. Das liegt unter anderem daran, dass auf dem Gelände Alkoholverbot herrscht. „Alkohol schürt Aggression, dem wollen wir vorbeugen“, sagt der Einrichtungsleiter. Die Geflüchteten haben auch die Möglichkeit, sich außerhalb der Afa zu beschäftigen. So gehen manche zum Beispiel in die Shisha-Bar und lenken sich ab. Denn bei all dem darf man nie vergessen, dass viele der Bewohner Schlimmes erlebt haben. „Einige sind traumatisiert, diese brauchen natürlich mehr Unterstützung“, sagt Jens Tossing.

Nun aber zurück zum braunen Innenhof und dazu, wieso er vielleicht nicht mehr grün wird. Stand jetzt ist am 31. März 2023 Schicht im Afa-Schacht. Denn: Bitburg hat keine eigenständige Afa, sondern ist „nur“ eine Außenstelle der Afa Trier. „Bis Ende März herrscht noch Baurecht mit einer Ausnahmegenehmigung“, erklärt Jens Tossing. Der Zweckverband muss darüber entscheiden, wie es dann weitergehen soll. „Bisher hat damit niemand ein Problem – aber es ist eine kommunalpolitische Entscheidung“, sagt Tossing, dessen Planungen dadurch erschwert werden. „Wenn wir zum Beispiel einen Hausmeister suchen, dann kann ich diesem nicht mal einen Jahresvertrag anbieten.“

Auch das Gras neu pflanzen und sich erholen lassen ergibt wenig Sinn, wenn nicht bekannt ist, ob im nächsten Sommer noch Geflüchtete in der Afa Bitburg untergebracht werden können. So lange wird dann auf Asche Fußball gespielt, das hat ja auch was.