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Afghanische Flüchtlinge arbeiten am Bauhof und im Haus des Kindes in Schönecken mit

Afghanische Flüchtlinge arbeiten am Bauhof und im Haus des Kindes in Schönecken mit

Als ehrenamtliche Helfer unterstützen Flüchtlinge aus Schönecken die Arbeiten des Bauhofs und der Hausmeister der Grundschule und Kindertagesstätte. Werner Krämer, Vorsitzender der DRK-Ortsgruppe Schönecken, unterstützt die sieben Männer aus Afghanistan dabei, in der Eifel Fuß zu fassen.

Acht junge Männer unter einem Dach, fern der Heimat, angekommen in einer Region, von der sie wohl vorher in ihrem Leben kaum etwas gehört haben - kann das gut gehen? "Ja, ziemlich sogar. Die Jungs leben seit knapp einem Jahr bei uns und haben sich bestens integriert", sagt Werner Krämer, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Schönecken.

Seit Dezember 2015 hat er acht Flüchtlinge aus Afghanistan unter seine Fittiche genommen. Auch dank seiner Hilfe helfen sieben der Männer zwischen 19 und 36 Jahren mittlerweile halbtags ehrenamtlich bei Gemeindearbeiten aus - zwei im Haus des Kindes, vier beim örtlichen Bauhof. Mitten im Ort leben die "Jungs" - wie sie nicht nur von Krämer mittlerweile genannt werden - in einer Wohngemeinschaft.

Noch bevor sie da waren, stand für Krämer und seine DRK-Kollegen fest, dass man sich, sobald Flüchtlinge im Flecken ankommen, um sie kümmern werde. "Wie das aussehen sollte, wusste damals niemand, aber als die Jungs da waren, zeigte sich schnell, wie und wo man helfen kann", sagt er. Allem voran habe der Spracherwerb gestanden, sagt er. "Ohne Deutschkenntnisse funktioniert im Prinzip gar nichts." Allerdings gibt es da ein Problem: Solange die staatliche Anerkennung als Flüchtling fehlt, gibt es für Antragsteller erst mal kein Anrecht auf einen Deutschkurs. "Privat organisiert haben wir dann aber eine unbürokratische Lösung gefunden", sagt Krämer. Seit Januar kümmere sich Elfriede Gansen als Nachhilfelehrerin kostenlos um die Sprachbildung der "Jungs" und das laut Krämer mit ziemlichem Erfolg.Mit Herzblut bei der Sache

"Jeden Werktag werden sie seit Januar unterrichtet. Mit den meisten kann man sich mittlerweile sehr gut unterhalten." So ein Kurs sei übrigens auch gleich der erste Schritt der Integrationsarbeit: "Erst mal war das nämlich sehr ungewohnt, dass dort eine Frau steht, die ihnen sagt, was sie zu tun und zu lassen haben." Klar habe er den Männern dann erklärt, dass dies nunmal hier so sei: "Punkt. Damit endete auch tatsächlich die Diskussion."

Zuständig für Asylangelegenheiten ist in der Verbandsgemeinde Prüm Erwin Meyers. Er betont, wie wichtig ein Einsatz wie der Krämers sei. "Vor Ort jemanden zu haben, der sich so einbringt, ist nicht mit Gold aufzuwiegen", sagt er. Auch dank seiner Initiative sei die Zusammenarbeit mit der Gemeinde zustande gekommen. "Wir waren uns einig, dass man ihnen die Möglichkeit geben sollte, etwas zu machen. Man kann sie ja nicht den ganzen Tag in der Wohnung sitzen lassen." Auf der Suche nach einer Aufgabe, die einen Tagesrythmus bringt, kam man auf die Idee, die Männer in der Gemeinde mithelfen zu lassen.

Schöneckens Ortsbürgermeister Matthias Antony ließ sich dafür begeistern. "Ein absoluter Glücksfall für uns und auch für die Jungs. Sie sind mit Herzblut bei der Sache und beliebt bei unseren Mitarbeitern", sagt er. Besonders zwei Projekte stechen hervor, die nur mit Hilfe der Männer realisierbar wurden, sagt Antony.

"Die großflächigen Holz-Arbeiten am Burgberg wären zum Beispiel ohne sie nicht machbar gewesen, und auch auf dem Friedhof haben sie ganze Arbeit geleistet", lobt er. Die engagierten jungen Helfer haben an den Gefallenengräbern den maroden Gehweg saniert, Gräben ausgehoben, Randsteine gesetzt und verlegten auch den Pflasterbelag neu. Und auch die Böschung wurde frisch angelegt und eingesät.

"Mit Begeisterung sind sie bei der Sache", sagt Krämer. Womit mancher nämlich kaum rechne: "Die Jungs sehen sich mittlerweile als Schönecker", sagt er. Einer sei zwar durch Bekannte mehr in Richtung Trier orientiert, die restlichen sechs aber betonten immer wieder, dass sie nicht in einer Stadt leben wollten. "Für sie ist Schönecken zum neuen Zuhause geworden."

An die Möglichkeit, dass Afghanistan, wie gerade im Bund diskutiert wird, demnächst zum sicheren Herkunftsland erklärt werden könnte, wolle er gar nicht denken. "Ich schiebe das ganz weit weg. Mir würden die Jungs sehr fehlen", sagt Krämer.Extra

Mit dem schrittweisen Schließen der sogenannten Balkanroute ging laut Erwin Meyers, Asylbeauftragter der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, die Zahl der Personen, die in der VG einen Antrag auf Asyl oder die Anerkennung als Flüchtling stellen deutlich zurück. "Der Höchststand wurde mit 220 Personen im Sommer erreicht. Gegenüber dem Vorjahr kamen knapp 70 Prozent weniger Menschen zu uns", sagt Meyers.
Knapp 100 Leistungsempfänger lebten aktuell in der VG. Eine konkrete Zahl der Menschen, die sich nach der Anerkennung ihres Status hier niederließen, könne er nur schwer nennen. "Einige ziehen in größere Städte, andere haben sich gut eingelebt und bleiben hier." Sobald ihr Status aber anerkannt sei, übernehme die Agentur für Arbeit viele Betreuungsaufgaben: "So tauchen diese Menschen in unseren Zahlen nicht mehr auf."
Er schätze, dass die meisten noch hier seien und auch weiter Unterstützung brauchten. "Die Integrationsarbeit ist ja nicht abgeschlossen, wenn sie anerkannt sind. Dann geht es ja im Grunde erst richtig los." Wer Interesse daran habe, die Flüchtlingsarbeit zu unterstützen, solle sich ruhig an die Verbandsgemeinde wenden oder an einen der Wohlfahrtsvereine: "Es gibt genug zu tun, helfende Hände sind immer willkommen." Info unter: www.pruem.de