1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Air Base geht, Altlasten bleiben

Air Base geht, Altlasten bleiben

20 Jahre nach dem Abzug der Amerikaner aus Bitburg haben deutsche Behörden immer noch alle Hände voll zu tun, um die Verunreinigungen auf der Ex Air Base zu beseitigen. Für 10,3 Millionen Euro wurden Zigtausende Tonnen Boden abgetragen, krebserregende Gase abgesaugt, ölverunreinigtes Wasser gereinigt. Und doch ist kein Ende in Sicht. Beim Problem mit perfluorierten Tensiden steht man noch am Anfang.

Röhl, West Germany. Mit dieser Ortsangabe beginnt ein Artikel, der 1990 in der Los Angeles Times erscheint. Um ihn schreiben zu können, ist der Reporter John M. Broder von Kalifornien in die Eifel gereist. Genauer: zur Air Base Bitburg, an deren Beispiel er demonstrieren möchte, wie gewaltig "der Morast chemischer Umweltverschmutzung ist, den US-Militärstützpunkte rund um den Globus hinterlassen haben".

Jahrelang sei ein kleiner Bach, der unweit der Landebahn verläuft, "eine Kippe für ungewollte Flugzeugtreibstoffe, chemische Lösungsmittel und Lösch-Chemikalien gewesen", schreibt Broder 1990 und zitiert Dokumente aus dem Pentagon. Sie beschreiben in früheren Zeiten "übliche und allgemein akzeptierte Praktiken" der US-Stützpunkte, um Abfälle loszuwerden: die Entsorgung in Gruben und Bächen, das Verbrennen bei Feuerlöschübungen, das Versprühen oder die Lagerung in undichten unterirdischen Tanks.

Vier Jahre, nachdem der US-Reporter die Eifel besuchte, zog die Air Force im Jahr 1994 aus Bitburg ab. Und heute, weitere 20 Jahre später, sind deutsche Behörden immer noch damit beschäftigt, die Umweltschäden zu beheben. Dabei ist seit Beginn der Sanierungsarbeiten im Jahr 1995 bereits sehr viel passiert. Die Kosten dafür belaufen sich bisher auf 10,3 Millionen Euro.

"Wir sind zunächst über den Flugplatz gegangen und haben uns jedes Gebäude und jede Nutzung angeguckt", sagt Manfred Weber von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, die die Sanierung als Wasserbehörde begleitet. 500 Verdachtsflächen wurden gefunden - vom kleinen Altöltank bis hin zum zentralen Kerosinlager. Für jede Einzelne wurde festgelegt, welche Untersuchungen nötig sind, um sein Bild vom Ausmaß der Verunreinigung zu bekommen. "Auf dieser Basis wurde dann entschieden, ob saniert werden muss", sagt Weber.

Das POL-Lager (POL = Petrol, Oil, Lubricants): Dort, wo die Air Base Bitburg jahrzehntelang unzählige Millionen Liter Flugzeugkraftstoff, Öle und Schmiermittel lagerte, fand sich erwartungsgemäß eine große Verunreinigung. Die zum Teil aus den 50er-Jahren stammenden Tanks wurden abgerissen, 60000 Tonnen ölverunreinigter Boden abgetragen und Drainagen verlegt. Noch immer sammeln sie Sickerwasser, das mithilfe von Ölabschiebern und Aktivkohlefiltern gereinigt wird. "Wir sind da noch nicht am Ende", sagt Weber. Denn nach wie vor befinden sich Schadstoffe im Boden, die peu à peu "ausbluten".
Ähnliche Aufgaben warteten auf die Sanierer auch rings um zwei andere Kerosintanks und die Pipeline, durch die der Kraftstoff von Niederstedem nach Bitburg gepumpt wurde. Rost hatte, wie Weber in seinem Büro an einem verbeulten Stück Pipeline demonstriert, Löcher in das Metall gefressen, sodass Kerosin versickerte. Zusammen kostete das fast vier Millionen Euro.

Prüfstände: Der Boden unter vier Gebäuden, wo unter anderem Düsentriebwerke gewartet und gereinigt wurden, war erheblich mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (kurz LHKW) verunreinigt. Einige der Stoffe sind krebserregend, andere, wie LCKW, schädigen die Ozonschicht. Abbaggern war keine Lösung, da die gasförmigen Stoffe sonst freigesetzt würden. Stattdessen wurde die Bodenluft mit Hilfe eines gelochten Rohrs abgesaugt und gereinigt. Um Sickerwasser zu reinigen, wurden Drainagen gelegt.

Der Tontaubenschießstand: Ein beliebtes Freizeitvergnügen der in Bitburg stationierten US-Militärs war das Schießen auf Tontauben. Das etwa ein Hektar große Gelände befand sich am nordöstlichen Rand des Flugplatzes - und musste großflächig abgebaggert werden. Denn 3500 Tonnen Boden waren zum einen mit Bleischrot, zum anderen mit den Tontaubenscherben verunreinigt, die giftige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten.

Arsen an Zäunen: Entlang von Zäunen musste der Boden ausgehoben werden, da er giftiges Arsen enthielt. Dieses war mit Herbiziden dorthin gelangt.

Wilde Müllkippen: Östlich der Landebahn befinden sich an verschiedenen Stellen noch immer alte Deponien, wo Abfall unkontrolliert entsorgt wurde. Da keine Konzentration hochkontaminierten Materials entdeckt wurde, haben die Experten auf eine Abtragung bisher verzichtet. Allerdings läuft die Grundwasserüberwachung dort weiter.
Punktuelle Belastungen wurden viele entdeckt: rings um Heizöltanks, KFZ-Tankstellen oder Werkstätten, wie sie im zivilen Bereich auch oft zu finden sind. "Es ist nicht vorgesehen, alle so zu sanieren, dass keine Belastung mehr da ist", sagt Weber. An diversen Stellen werde dies bis zur Erschließung zurückgestellt. Bisher kosteten die kleineren Sanierungen zusammen 2,8 Millionen Euro.

Die Feuerlöschübungsplätze: Im Westen und im Osten der Landebahn befand sich jeweils ein Feuerlöschübungsplatz. "Da wurde regelmäßig geübt und es gab häufig Beschwerden aus Nachbargemeinden wegen Schaum auf den Bächen", sagt Weber. Erst Anfang der 1990er Jahre ging eine Kläranlage in Betrieb, die die Schäume zurückhielt. Dass das Ganze ein Umweltproblem darstellt, wurde schon lange vermutet. Doch erst seit wenigen Jahren gibt es die Möglichkeit auch winzige Mengen perfluorierter Tenside (PFT) im Wasser zu messen. Stoffe, die als krebserregend gelten und nicht abbaubar sind. Neueste Messungen dass nicht nur die Bäche rings um den Flugplatz viel zu stark belastet sind (der TV berichtete). Auch der PFT-Wert im Grundwasser ist 2750 Mal höher als er laut Richtwert sein sollte.
Mit Hilfe von alten Luftbildern und neuen Messungen wollen die Fachleute nun die Zentren der Belastung finden, um entscheiden zu können, wie es weitergeht.

Nördlich des Flugplatzes, wo ebenfalls hohe PFT-Werte gemessen werden, könnte die Belastung auf einen Zwischenfall im Jahr 2011 zurückgehen: Diebe stahlen einen Tank von einem Firmengelände und leerten ihn aus. Das Ganze fiel auf, weil der Paffenbach den Ort Hüttingen mit einem Schaumteppich überzog.

Das Fazit der Sanierer: Glück im Unglück bei alledem ist, dass die geologische Situation in Bitburg sehr günstig ist. Das Trinkwasser im unteren Grundwasserleiter ist von einer 70 Meter mächtigen undurchlässigen Ton-Mergelschicht geschützt.
"Die Altlasten stammten aus einer Zeit, in der wir es alle miteinander nicht besser wussten", sagt Joachim Gerke, Leiter der Abteilung für Wasserwirtschaft und Bodenschutz bei der SGD Nord. Als er zum ersten Mal zum Bitburger Flugplatz kam, habe er mit viel Schlimmerem gerechnet. Die Amerikaner hätten offensichtlich doch "nicht so gesaut, wie man es ihnen immer unterstellt hatte". Wenn es stimmt, was John M. Broder 1990 schrieb, ist vieles, was sie loswerden wollten, allerdings auch einfach den Bach runtergegangen.