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Air Base Spangdahlem: Ein verzögerter Umbau und viele offene Fragen

Air Base Spangdahlem: Ein verzögerter Umbau und viele offene Fragen

Die Air Base Spangdahlem wird ausgebaut. Nur dauert es zwei Jahre länger, bis das Spezialgeschwader aus England in die Eifel zieht. Was das für die Region bedeutet.

Am Anfang war es ein Gerücht. Es werde sich nun doch nichts tun, hinter dem Zaun, munkelte man in Binsfeld. Auf Anfrage des TV hatten Sprecher der Air Base diese Spekulationen dementiert: Der Ausbau des Flugplatzes werde vorangetrieben, die 352. Special Operations Group vom britischen Stützpunkt Mildenhall wie geplant nach Spangdahlem umziehen (der TV berichtete).

Nun teilt die Air Base mit: Die Verlegung des Geschwaders wird sich mindestens um zwei Jahre verzögern. 2015 hieß es noch, die Bauarbeiten sollen Anfang 2022 abgeschlossen sein. Nun wird es wohl 2024 bis die Spezialeinheit mit 20 Flugzeugen in die Eifel übersiedelt.

43 Gebäude müssen abgerissen werden, um Platz für eine neue Flugzeugrampe, Wartungshalten, Verwaltungsgebäude und einen Flugsimulator zu schaffen. Insgesamt liegen die Kosten für den Umbau laut Pressestelle der Base zwischen 250 und 300 Millionen Euro. Losgehen mit den Arbeiten soll es laut aktueller Planung erst im Frühjahr 2020.

Doch schon jetzt rollen Bagger hinter dem Zaun. Die Baukräne sind von weitem zu sehen. In der Nähe des Haupttors entsteht die Highschool Spangdahlem. Das Einkaufszentrum wird ausgebaut, ein Fitnesscenter und eine Zahnklinik errichtet. All das sind Investitionen in die Zukunft der Base. Eine Zukunft, in der die Base mit rund 1200 zusätzlichen Soldaten besetzt sein wird. Moment mal. War 2015 nicht noch von 1300 die Rede? Wo sind die restlichen 100 hin?

Es ist nur eine der Fragen, die uns im Moment keiner beantworten kann oder will - auch nicht beim deutschen Innen- oder beim amerikanischen Verteidigungsministerium. Letzteres teilt auf TV-Anfrage mit, was wir schon von der Air Base wissen: Der Verzug entstand durch Diskussionen zwischen den USA und Deutschland über Projektmanagement, Abläufe und Verantwortlichkeiten. Mehr dürfe er nicht sagen, schreibt der Sprecher der US-Behörde.

Für Spangdahlems Ortsbürgermeister Klaus Rodens spielt das alles keine Rolle. Er freut sich einfach auf den Umzug: "Diese 1200 Amerikaner und ihre Familien werden vieles auffangen, was wir verloren haben." Und was haben die Spangdahlemer verloren? Mehr als tausend Soldaten, sagt Rodens.

Die Zahl der Stationierten habe sich in den vergangenen Jahren immer weiter reduziert (Siehe Info). Auch eine Sprecherin des Flugplatzes bestätigt: Die Base habe mit 10 000 Menschen, die dem Geschwader unterstehen, den niedrigsten Personalstand seit Langem. Bis zur Verlegung 2024 werde laut Rodens ein weiterer Rückgang der Truppenstärke erwartet. Die Folge laut dem Ortsbürgermeister: Noch nie hätte es in den Dörfern rund um den Flugplatz so viele leer stehende Häuser und Wohnungen gegeben. Und tatsächlich: Wer im Suchfeld einer Immobillien-Website "Spangdahlem" eingibt, landet jede Menge Treffer. Es sind alte Häuser, kaum Neubauten.

Die Situation auf dem Immobilienmarkt wird sich - so hofft Rodens - mit dem Zuzug des Geschwaders, ihrer Partner und ihrer Kinder verbessern. Die Verlegung aus Mildenhall sichere außerdem Arbeitsplätze in der Region. Das Fazit des Dorfchefs: "Wir brauchen diese zusätzlichen Aufgaben auf dem Flugplatz Spangdahlem."

Zusätzliche Aufgaben bedeuten in diesem Fall aber auch zusätzliche Flugzeuge. Die Truppen aus England bringen zehn MC-130J und zehn CV-22 und mit in die Eifel. Erstere sind militärische Transportflugzeuge, letztere sogenannte Ospreys, was übersetzt so viel heißt wie "Fischadler". Sie können vertikal starten und landen - wie Helikopter. Die neuen Maschinen könnten neue Lärmbelästigungen mit sich bringen. Ein ausführlicher Bericht zu diesem Thema folgt.

Hintergrund: DER RÜCKZUG VOR DEM UMZUG

2010: Die F-16-Staffel wird mit 18 Maschinen nach Duluth, Minnesota, verlegt.
575 Militärangehörige verlassen die Base.

2013: Die 81st Fighter Squadron "Panthers" wird aufgelöst. 18 A-10 Thunderbolt II Flugzeuge fliegen im Mai zurück in die USA. Das Personal wird bis Dezember abgezogen.
500 Militärangehörige verlassen die Base.

2016: Die Flugüberwachungs-Staffel 606 wird nach Aviano, Italien, verlegt. So soll Platz für den Umzug aus Mildenhall geschaffen werden.200 Militärangehörige verlassen die Base.