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Air Force-Milch und Kuckucks-Uhr

Air Force-Milch und Kuckucks-Uhr

Der Duft von Zimtrollen, riesige Fernseher und Müsli, das nach Heimat schmeckt: Die Airbase bietet den in Spangdahlem stationierten Amerikanern bewusst viel Vertrautes. Besucher hingegen können dort leicht vergessen, dass sie eigentlich in der Eifel sind.

Spangdahlem. An der Wand hängen halbierte Autos, in einem Dutzend Fernseher läuft "Jeopardy", und es riecht verführerisch nach "Cinnamon Buns" - mächtigen Gebäckschnecken mit reichlich Zimt und einem cremig-festen "Icing", wie es sonst nur in den USA zu bekommen ist. Im "Brick House", einem Freizeitzentrum auf der Airbase Spangdahlem, fällt es leicht, zu vergessen, dass kaum einen Kilometer weiter wieder Deutschland ist. Und das ist Absicht.

Damit sie nicht nur Krieg und Arbeit haben, wolle man den "Airmen" eine Zuflucht bieten, die sie an ihre Heimat erinnert - eine Umgebung zum Entspannen, sagt der oberste Chef des Hauses, Leiter einer Abteilung mit fast 500 Mitarbeitern, die den Amerikanern in ihrer Freizeit zu Dienste sind. So bietet das Ausgehviertel im Herzen der Base vieles von dem, was eine amerikanische Kleinstadt auch hat: Kneipen, Cafés, Restaurants, Kino, Fitnesscenter und diverse Geschäfte.

Der Zimtgeruch entströmt einem kleinen Café neben dem Veranstaltungssaal. Von dort scheint er jeden Winkel des Brick-Houses zu erreichen. Und jeder Winkel dieses Hauses scheint belegt: Ein Moselwinzer bietet seine Weine an, eine Autovermietung Autos und ein Souvenirshop Kuckucksuhren. In der Bastelstube vergleicht eine schwangere Frau Stoffe, und im Keller verkauft ein mehrköpfiges Team Reisen. Denn dort befindet sich das Reisebüro der Airbase. Flyer werben für Kurztrips nach Paris, Prag, Dresden, Berlin, für einen Flohmarktbesuch in Tongeren oder ein mittelalterliches Mahl auf Burg Cochem. Doch auch Flüge durch ganz Europa kann man hier buchen.

Erst vor dem Brick-House ist Schluss mit Zimt. Von links riecht's nach Pommes und Bratwurst: "German Imbiss" steht auf einem Imbisswagen, und von rechts riecht's nach Pizza und Hamburger. Gegenüber, jenseits eines großen Parkplatzes, liegt ein Kaufhaus. Die üppigen Elektrogeräte gleich am Eingang unterstreichen die These einer Verkäuferin: "Sie lieben große Fernseher, je größer desto besser", sagt sie. Auch DVDs würden sich gut verkaufen. Das gleiche scheint für Kuckucks-Uhren zu gelten. Denn auch hier tauchen sie unvermittelt in großen Stapeln zwischen Baby- und Outdoorkleidung auf.

Wer sich lieber bewegen möchte als zu shoppen oder zu essen, kann dies etwa 100 Meter weiter tun. Gleich neben dem Kino liegt das weltweit älteste Fitness-Center der US Air Force. Noch. Denn bis zum Jahr 2010 soll im nördlichen Zipfel der Airbase für 23,5 Millionen Dollar ein neues gebaut werden. Bis es so weit ist, geht es auf durchgelaufenen Gummiteppichen durch dunkle Flure in fensterlose Räume mit hunderten Hanteln und zig Cross-Trainern. Etwa 1100 Menschen trainieren hier täglich. Dreimal die Woche ist für Airmen Pflicht. Einmal im Jahr wird ihre Fitness überprüft, und wer dabei durchfällt, vielleicht weil er zu dick ist, wird eine Etage höher geschickt: ins "Health-Center". Dort wird gesundes Kochen gelehrt. Auch Kurse für richtiges Einkaufen kann man hier belegen.

Im Angebot: Ein Kurs für richtiges Einkaufen



Zum Üben müssen die Kursteilnehmer die Airbase nicht verlassen, denn in der "Commissary" gibt es alles, was ein Amerikanerherz begehrt. Anders als das Klischee, der Einkaufskurs oder der für deutsche Nasen ungewohnte Root-Beer-Geruch im Supermarkt vermuten lassen, handelt es sich dabei nicht ausschließlich um wild gefärbtes, klebrig süßes, superfettiges, mit künstlichen Aroma- und Konservierungsstoffen vollgepumptes, fertig abgepacktes Zeug zur Zubereitung in der Mikrowelle. "Vegetarische und Bio-Kost sind sehr beliebt", sagt Jeff Rose, Leiter des riesigen Militär-Supermarktes. Er ist einer der wenigen, die nicht in Uniform durch die breiten Gänge schlendern - weder Besucher noch deutsche Angestellte der Airbase kommen in den Genuss der amerikanischen Waren.

Noch nie sei die Auswahl an gesunden Produkten so groß gewesen, sagt Rose und zeigt auf eine lange Reihe von Müslis, die das amerikanische Bio-Siegel tragen. Obwohl just in diesem Moment eine Dame mit einem Probiertablett voller Donuts und Muffins um die Ecke biegt, scheint sich seine Aussage auch beim Blick in andere Regale zu bestätigen: Bio-Obst, Bio-Eis, Bio-Angus-Rindsteak… Die Milch hingegen, die die "Dairy"-Regale großflächig füllt, ist nicht Bio- sondern "Air Force-Milch". In Dänemark mit speziellen Vitaminen angereichert, wird sie ausschließlich für die militärische US-Supermarktkette hergestellt, die auch die "Commissary" in Spangdahlem betreibt. Derartige Verträge sorgen dafür, dass die Kundschaft in weiten Teilen der Welt die gleichen Produkte kaufen kann. Egal ob in England, Afghanistan, Italien oder Japan. Die Luftwaffenstützpunkte bieten den amerikanischen Militärangehörigen die Sicherheit des Vertrauten - ihre neue Umgebung jenseits des Zauns hingegen die Chance, Neues zu entdecken.