Aktivistin Camilla Kranzusch hat auf dem Weg nach Marokko die Bitburger Braugruppe besucht

Im Einsatz für den Klimaschutz : Aktivistin reist von Bitburg weiter Richtung Afrika

Die Aktivistin Camilla Kranzusch hat auf ihrem Weg von Berlin nach Marokko Station bei der Braugruppe gemacht. Mit Jan Niewodniczanski spricht sie über Lösungen der Klimakrise.

Die Klimaaktivistin Camilla Kranzusch ist auf dem Weg von Berlin nach Quarzazate in Marokko. Ihr Ziel dort ist der bald weltweit größte Solarpark „Noor“. Es handelt sich um ein solarthermisches Kraftwerk, „das seine Energie völlig ökologisch in Salz speichert und so 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, saubere Energie liefert“, heißt es dazu in der Pressmitteilung der Organisation „Go for climate“. Und das Gesicht von „Go for climate“ ist Camilla Kranzusch.

Die 24-jährige Allgäuerin möchte mit ihrer 6500 Kilometer langen Wanderung durch neun Länder bis nach Afrika Mut machen. Sie glaubt, dass die Menschheit noch eine Chance hat, die Klimakatastrophe abzuwenden, wenn jetzt gehandelt wird. Dass sie auf ihrem Weg zum afrikanischen Kontinent, den sie zu Fuß, mit Zug und schließlich mit dem Boot schaffen möchte, ausgerechnet in Bitburg Station macht, hat auch wiederum gute Gründe. Dazu später.

Gestartet ist sie am 6. September in Berlin. Am Montag nun ist sie am Bahnhof Erdorf angekommen. Zuvor war sie in Hamburg, in Köln und in Jülich unterwegs – auch bei „fridays for future“ ist sie vertreten. Am Erdorfer Bahnhof hat sie Jan Niewodniczanski, Geschäftsführer Technik und Umwelt der Bitburger Braugruppe, abgeholt. Zusammen sind die beiden zu Fuß nach Bitburg gegangen und haben sich dabei schon mal über die Klimakrise ausgetauscht. Nachdem die Aktivistin eine Nacht in ihrem Zelt verbracht hat, das für sie künftig ihr Zuhause darstellt, steht sie am Dienstagmorgen zusammen mit Niewodniczanski in der Bit-Lounge des Unternehmens Presse- und Rundfunkvertretern Rede und Antwort.

Dass die Brauerei Gastgeber der jungen Klima-Engagierten ist, liegt an den Bestrebungen des Eifeler Familien-Unternehmens, den eigenen CO2-Ausstoß zu vermeiden und zu verringern, da, wo es möglich ist. Und da, wo es nicht möglich ist, soll der Ausstoß kompensiert werden. Die Klimaaktivistin besucht auf ihrem langen Marsch nämlich Unternehmen, die freiwillig an der Lösung der Klimakrise mitarbeiten. So hat die Braugruppe laut Niewodniczanski ihren CO2-Ausstoß seit 2008 um 58 Prozent reduzieren können. Und zusätzlich wird die Braugruppe  850 000 Bäume als  Ausgleichsmaßnahme pflanzen lassen, um auf dem Weg zur Klimaneutralität voranzukommen. Und der Anfang ist gemacht. Das kann Niewodniczanski anhand der App von plant-for-the-planet (Pflanzt für den Planeten!) sehen.

Die Bäume werden jedoch nicht in der Eifel gepflanzt, sondern auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan. Warum die Bäume am anderen Ende der Welt gepflanzt werden? Weil eine Lösung der Krise nur global erfolgen kann, davon sind sowohl Camilla Kranzusch als auch Jan Niewodniczanski überzeugt. Und auch Frithjof Finkbeiner, ehrenamtlicher Vorstand der Stiftung „plant for the planet“ teilt diese Auffassung. Die Stiftung organisiert die Aktion „Go for Climate“ und Finkbeiners Sohn Felix ist der Gründer von „plant-for- the-planet“.

„Die Bäume wachsen in Yukatan vier bis fünf Mal schneller als in Deutschland. Damit können sie sehr viel schneller das CO2 binden“, erklärt Finkbeiner. Außerdem könnten die Bäume sehr viel kostengünstiger gepflanzt werden, es würden Arbeitsplätze entstehen und somit auch Entwicklungshilfe geleistet. Und: Würden weltweit 1000 Milliarden Bäume gepflanzt, könnte das CO2 um ein Viertel reduziert werden.

Camilla Kranzusch möchte mit ihrer Aktion zeigen, dass es natürliche (Aufforstung) und technische Lösungen für die Klimakrise gibt. Jan Niewodniczanski  gibt dazu ein Beispiel aus seinem Unternehmen. So nutzt die Braugruppe am Standort Duisburg nun die Abwärme der Firma Thyssenkrupp und kann durch diese Energie  ihren eigenen Kohlekessel herunterfahren. Der Geschäftsführer ist sich sicher, dass es viele solcher Lösungen gibt, die  auch  wirtschaftlich sind.

„Das ist ein Rieseneffekt  wenn Unternehmen und Privatmenschen sich auf diese Weise einbringen“,  freut sich die 24-jährige Aktivistin. Sie ist optimistisch und hofft, dass sich  viele Menschen von den  guten Beispielen zur Rettung des Klimas anstecken lassen – und dass viele Bäume gepflanzt werden. Dann muss sie wieder los zum Bahnhof Erdorf, denn sie hat noch einen weiten Weg vor sich.

Info: www.goforclimate.org

Frithjof Finkbeiner, Jan Niewodniczanski und Camilla Kranzusch (von links) pflanzen symbolisch einen japanischen Kirschbaum. Foto: TV/Maria Adrian

www.plant-for-the-planet.org

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