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Alarm in der Eifel: Der Borkenkäfer ist im Anmarsch

Alarm in der Eifel: Der Borkenkäfer ist im Anmarsch

Dank des warmen und trockenen Frühjahrs sind aktuell die Lebensbedingungen für Borkenkäfer in der Eifel perfekt. Das ist kein Grund zur Panik, aber zur erhöhten Wachsamkeit.

Erst kam Vivian, dann schaute Wiebke vorbei, und schon schwärmten im Frühjahr 1990 Abermillionen Borkenkäfer durch die Wälder der Eifel. "Nach diesen beiden Winterorkanen lag sehr viel Holz in den Wäldern, man kam kaum mit dem Abtransport nach, und schon war das Problem da", sagt der Prümer Forstamtsleiter Peter Wind. Derart große Verluste wie vor 27 Jahren habe man in der Region zwar nicht mehr erleben müssen, doch anhaltende Trockenheit und Wärme riefen nun wieder zur Wachsamkeit auf. Zur Vorbeugung hat er sich an den TV gewendet, um fürs Thema zu sensibilisieren.

Vorweg: Es gibt keinen Grund zur Panik. "Wirklich nicht, aber wir müssen sehr aufpassen. Die frühen warmen Tage und der wenige Regen bereiteten dem Borkenkäfer im April und Mai schon ideale Schwarmbedingungen", sagt Forstamtsmitarbeiter Erwin Wiesen. Rund um Bleialf betreut er Privatwaldbesitzer, die er nun zur Mitarbeit aufruft. Die Wälder müssten aufmerksam beobachtet werden, sagt Wiesen. Dies könne das Forstamt alleine aber nicht leisten.

"Natürlich haben wir unsere eigenen Bestände im Blick, doch die privaten Wälder, und von denen gibt es bei uns sehr viele, müssen von ihren Besitzern beobachtet werden", sagt Wiesen. Von Seiten des Forstamts bitte man sie nun, möglichst regelmäßig die Bestände auf Befall zu untersuchen.

"Wenn es wieder warm wird, sollte im besten Fall einmal in der Woche der Wald kontrolliert werden."
Falle ein geschwächter Baum ins Auge (siehe Fotos unten), müsse die Rinde genau untersucht werden. "Bei uns sind meist Buchdrucker und Kupferstecher unterwegs - sie befallen vor allem Fichten", sagt der Privatwaldbetreuer. Die männlichen Käfer bohren dabei winzige Löcher in die Borke, um dort sogenannte Rammelkammern anzulegen (siehe Info).

Gesunde Bäume kommen damit zurecht. Sie stoßen als Gegenwehr viel Harz aus und schwemmen die Schädlinge so aus sich hinaus. "Sie sind damit meist auch erfolgreich. Wenn der Baum aber geschwächt oder schon krank ist, kommt er nicht mehr gegen die Käfer an." Im schlimmsten Fall stirbt die Pflanze, was nur noch mehr Käfer anlockt. Ein Pärchen kann "in einem guten Jahr" mitsamt seiner Folge-Generationen rund eine Viertelmillion Nachkommen erzeugen. "Weitere Bäume werden also befallen, es bildet sich ein sogenanntes Nest", sagt Wiesen.

Soweit sind die kleinen Biester zwar noch nicht, aber der erste Schwarmflug ist schon vorbei. Die nächste Generation könnte bald in den Startlöchern stehen. "Die Brut ist nun in der Entwicklung; wenn sie wieder schwärmt, haben wir ein größeres Problem", sagt Wind. Entdecke man einen befallenen Baum, der gegen die Käfer nicht mehr ankomme, müsse er gefällt und aus dem Wald entfernt werden. "Einzelne Bäume kann man zu Brennholz verarbeiten, sind es mehrere, können die noch mit Abzügen vermarktet werden", sagt Wiesen.

Auf was soll man also achten? "Gefährdet sind sonnige Standorte, also viele Südlagen. An trockenen Tagen ist das Bohrmehl am auffälligsten, Löcher im Stamm sind oft gut zu sehen, und erhöhter Harzfluss am Stamm sind ein Signal für den Borkenkäferbefall. Dann sollte man schnell reagieren oder sich gegebenenfalls bei uns melden", sagt Wiesen.Extra: IM ÖKOSYSTEM SINNVOLL, IM FORST OFT EINE PLAGE

 Wie hier rechts im Bild, ist ein betroffener Baum gut zu erkennen.
Wie hier rechts im Bild, ist ein betroffener Baum gut zu erkennen. Foto: Frank Auffenberg (aff) ("TV-Upload Auffenberg"
 Deutlicher Harzausstoß und Löcher sind ein Zeichen für Befall.
Deutlicher Harzausstoß und Löcher sind ein Zeichen für Befall. Foto: Frank Auffenberg (aff) ("TV-Upload Auffenberg"

Viele Borkenkäfer nutzen die Rinde von Bäumen zur Ablage ihrer Eier. In der Eifel sind besonders Buchdrucker und Kupferstecher verbreitet. Sie befallen fast nur Fichten. Im Ökosystem Wald bringen einzelne Borkenkäferarten geschwächte Bäume zum Absterben und schaffen Raum für Neubesiedelungen anderer Pflanzen. In Wirtschaftswäldern sorgt der Befall, besonders in Monokulturen, aber für hohe Verluste.