1. Region
  2. Bitburg & Prüm

(Alb-)Träume und Unverdauliches

(Alb-)Träume und Unverdauliches

WINTERSPELT. Wie genau die Zukunft der Eifeler Landwirte in der gemeinsamen Agrarpolitik Europas aussehen wird, ist noch unklar. Der Kreisbauernverband Bitburg-Prüm ist dennoch optimistisch.

Er habe einen Traum, sagte Michael Horper, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Bitburg-Prüm zu Beginn der Tagung gestern in Winterspelt. Er träume vom Abbau dessen, was für Landwirte deutschlandweit mittlerweile zum Albtraum geworden ist: die Bürokratie. Träumen darf jeder, und was Horper und seine Verbandskollegen betrifft, so dürfte sie dieser Traum noch weiter beschäftigen. Die EU-Agrar-Reform rückt immer näher und mit ihr die Gewissheit, dass sich einiges verändern wird. Was genau, das hängt davon ab, ob es Deutschland gelingt, den von der EU vorgegebenen Gesetzesrahmen mit Inhalt zu füllen. "Die Zeit ist äußerst knapp", meinte Ministerialdirektor Manfred Buchta, und bei der Verabschiedung des nationalen Gesetzes dürften Parteigrenzen deshalb keine Rolle spielen. Geplant ist die Umstellung der Agrarsubventionen, und in diesem Zusammenhang sind es weniger die Parteigrenzen, die von Bedeutung sind, als vielmehr die Ländergrenzen innerhalb der Bundesrepublik. Während in Rheinland-Pfalz Bauern rund 300 Euro Prämie pro Hektar Getreideland bekommen, sind es beispielsweise in Schleswig-Holstein 450. Ein Ungleichgewicht, weshalb benachteiligte Länder wie Rheinland-Pfalz eine Umverteilung der Subventionen fordern. 14 Bundesländer, darunter auch die beiden hoch subventionierten Länder Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen "haben zu erkennen gegeben, dass sie bereit sind, es mitzutragen", sagte Buchta. Bayern und Hessen seien jedoch dagegen. Insgesamt 5,5 Milliarden Euro Prämie stehen in Deutschland jährlich zur Verfügung. Sollte es zu einer Umverteilung kommen und würde diese zudem noch in der von den benachteiligten Bundesländern angepeilten Größenordnung geschehen, dann könnte die Prämie pro Hektar für die Bauern in der Region um einige Prozentpunkte erhöht werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich die Agrarminister der Länder auf ein regionales Flächenmodell einigen. "Entkoppelung" heißt das magische Wort, das im Laufe der Veranstaltung immer wieder fällt und die Umstellung der Subventionen von - wie bisher - Produkten (Betriebsprämie) auf die landwirtschaftlichen Flächen (Flächenprämie) vorsieht. Die Vergabe von EU-Zuschüssen soll künftig an die Fläche und Umweltstandards gebunden sein. "Ein in die Zukunft blickender Bauer kann nicht für die Betriebsprämie sein", meinte Landwirt und Landtagsabgeordneter Michael Billen (CDU), und warnt gleichzeitig davor, auf der Jagd nach Prämien unüberlegt zu handeln. Wer jetzt mit Blick auf Reformbeginn 2005 und möglichen Einnahmegewinnen sein Milchkontingent erhöhe solle sich immer im Klaren darüber sein, dass der Milchpreis keineswegs feststehe, fügte Billen hinzu."Sie bekommen ein Honorar für die Leistung, die sie in der Gesellschaft vollbringen", versuchte FDP-Landtagsabgeordneter Edmund Geisen den Wandel schmackhaft zu machen, während im Saal Erbsensuppe serviert wurde. Eher unverdaulich war dagegen wenige Minuten zuvor die Aussage, die die Agrar-Expertin und stellvertretende Geschäftsführerin des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland Nassau, Karin Bothe, gewählt hatte: "Es geht nur um den Erhalt der Flächen, nicht um Landwirtschaft, und wer das macht, ist der EU völlig egal." Die Faust auf den Tisch und einen Tritt in Politiker-Gesäße forderte ein wütender Landwirt, bekam dafür jedoch kaum Beifall."Die Zeit der großen Demonstrationen ist vorbei", versuchte Horper ihn zu beruhigen und räumt ein: "Würde es nach Frau Künast gehen, dann würde umverteilt, und dann stünde Rheinland-Pfalz nicht so schlecht da." Auch dafür kaum Beifall.