Alexander erobert Asien

Er stammt aus Stadtkyll, machte sein Abitur in Prüm - und ist seit heute geschäftsführender Partner der Boston Consulting Group (BCG) in Singapur: Alexander Koch, 37 Jahre alt und Rohstoff- und Industriegüterexperte der international tätigen Unternehmensberatung.

Stadtkyll. Singapur, Raffles Place Nummer 50: Dort steht der "Singapore Land Tower", mit 190 Metern eines der höchsten Gebäude im asiatischen Stadtstaat. Die deutsche Botschaft residiert im Turm - und obendrüber das BCG-Büro, im 44. von 45 Stockwerken. Einer der führenden Mitarbeiter: Alexander Koch.

Mit Datum von heute wird der 37-jährige Eifeler zum Geschäftsführer und teilhabenden Partner ernannt. Damit ist er zuständig für die Wirtschaftsräume Singapur, Thailand, Malaysia und Indonesien. Darüber hinaus betreut Koch auch Kunden bis hinunter nach Australien. In den Posten muss man von den anderen Partnern der weltweit 66 Büros gewählt werden - eine Bestätigung seiner bisherigen Arbeit und natürlich eine große Verantwortung: "Er wird die Zukunft einer der führenden Strategieberatungen maßgeblich mitgestalten", teilt das Unternehmen mit.

Schöne Karriere für den Stadtkyller, der nach seinem Abitur am Prümer Regino-Gymnasium 1990 zunächst in Aachen, dann in Liverpool und Cambridge Physik studierte und dort auch promovierte.

Damals habe sein Doktorvater ein Hightech-Unternehmen gegründet, berichtet Koch. Und daraus habe sich für ihn die Frage ergeben, "wie wir unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse in die eine Produktidee überführen könnten, die am Markt Erfolg haben würde". Dafür aber habe ihm das Wirtschaftswissen gefehlt - er beschloss also, sich durch ein paar Jahre Berufserfahrung in der Managementberatung "unternehmerisches Rüstzeug zu verschaffen".

Er blieb im Berater-Metier - weil es ihm die Möglichkeit bot, "die Zukunft ganz unterschiedlicher Unternehmen maßgeblich mitzugestalten", sagt Koch. "Und das fasziniert mich." Mitgestalten, das tut er vor allem in der aktuellen Wirtschaftskrise. Auch wenn er sagt, dass manche asiatischen Unternehmen gerade jetzt über ihr zukünftiges Wachstum nachdenken. Dennoch: "Die Mehrzahl unserer Projekte hat sich in ihrer Art deutlich verändert", sagt er. "Jetzt ist alles kurzfristiger - wir müssen unsere Kunden davor schützen, zu stark von der Krise getroffen zu werden. Zum Beispiel durch Kosteneinsparung." Also Entlassungen? "Nein, nicht unbedingt - denn wenn das Unternehmen langfristig erfolgreich sein will, braucht es eine qualifizierte und motivierte Mannschaft", sagt Koch.

Die wirtschaftliche Lage ist für ihn sogar vom 44. Stock aus zu sehen: "Mein Büro hat einen guten Blick aufs Meer, wo zur Zeit Hunderte von Schiffen geparkt vor Anker liegen, weil es nicht so viel zu transportieren gibt - auch eine interessante und sehr sichtbare Auswirkung der Krise." Und die werde noch nicht so schnell vorbei sein, wie viele vielleicht vermuten: Zwar gebe es erste positive Anzeichen. "Aber da bin ich skeptisch und glaube nicht, dass alles schon vorbei ist. Ich rechne zwar im nächsten Jahr mit einer Erholung. Aber die wird vermutlich eher moderat ausfallen."

So viel zur Weltlage. Zurück in die Heimat - die nämlich hat Alexander Koch in der vorigen Woche noch besucht: Der Kontakt sei noch sehr stark, auf Familie und Freunde freue er sich immer wieder sehr. "Ich bin seltener da, als ich möchte. Aber wenn es möglich ist, eine Reise über Stadtkyll umzuleiten, dann mache ich das." Extra The Boston Consulting Group (BCG), 1963 von Bruce D. Henderson gegründet, ist ein weltweit tätiges Beratungsunternehmen und an 66 Standorten in 38 Ländern vertreten. Das Unternehmen befindet sich im Besitz seiner Geschäftsführer und erzielte 2008 mit seinen rund 4300 Beratern einen Umsatz von 2,4 Milliarden US-Dollar (etwa 1,71 Milliarden Euro). (fpl)