Alexander und die Gottesanbeterinnen

Bitburg · Die Gottesanbeterin hat es Alexander Franzen angetan. Er besucht die Klasse 8a am Bitburger St.-Willibrord-Gymnasium und hat zwei Jahre lang untersucht, warum sich das Insekt in der Region ausbreitet, obwohl es mehr Weibchen als Männchen gibt.

 Alexander Franzen ist Insekten-Experte. Foto: St.-Willibrord-Gymnasium

Alexander Franzen ist Insekten-Experte. Foto: St.-Willibrord-Gymnasium

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Bitburg. Ein Schmetterlingsnetz ist das wichtigste Werkzeug für Alexander Franzen, wenn er sich auf die Spur der Gottesanbeterinnen begibt. In und um Perl, Nittel, Dudelingen, Freudenburg, Arnaville, Merzig, Igel und Manternach war er unterwegs und zählte, wie oft es das seltene Insekt dort inzwischen gibt. Dabei entdeckte er, dass sich die Gottesanbeterin binnen 20 Jahren rund 100 Kilometer ausgebreitet hat, obwohl es viel mehr weibliche als männliche Tiere gibt.
Warum schadete der "Frauenüberschuss" der einzigen in Mitteleuropa vorkommenden Vertreterin der Fangschrecken nicht? Mit einer Sondergenehmigung durfte Alexander Franzen ein Weibchen der geschützten Art einfangen, und siehe da: Sie legte in seinem Terrarium drei Kokons - ohne Kontakt zu einem Männchen. Gottesanbeterinnen sind also zur ungeschlechtlichen Fortpflanzung fähig und haben dadurch zusätzlich den Vorteil, dass die Weibchen flugfähig bleiben, weil - anders als bei von Männchen befruchteten Exemplaren - ihr Hinterleib nach der Eiablage wieder abschwillt.
In einem zweiten Experiment befasste sich Alexander Franzen mit der Frage, wie sich die Populationsdichte des Insekts auf die Flügellänge auswirkt. Normalerweise reicht eine Flügellänge der aus Afrika über Frankreich eingewanderten Gottesanbeterin bis zum Hinterleib. Die untersuchten Spezies hatten jedoch eineinhalb Zentimeter längere Flügel. Alexander Franzens Erklärung: Die wärmeren Temperaturen lockten die Gottesanbeterinnen nach Mitteleuropa, führten aber auch zu einer geringeren Sterberate und mehr überlebenden weiblichen Gottesanbeterinnen. Die längeren Flügel entwickeln sich stressbedingt durch die steigende Konkurrenz um Nahrung. Der Klimawandel führt also nicht nur zu einer räumlichen Ausbreitung, sondern auch zu physischen Veränderungen.
Die Ergebnisse beeindruckten die Jury beim Wettbewerb "Jugend forscht", was Alexander Franzen den Landespreis der Juniorensparte im Fach Biologie einbrachte sowie den Preis der Ministerin, ein Stipendium für ein Seminar am Deutschen Museum in München und das Angebot der Johannes-Gutenberg-Universität, seine Studien zu unterstützen. red