Alina aus Kasachstan erlebt Feiertage in Bitburg

Soziales : Und für den Rest sorgt Beschbarmak

Studenten aus aller Welt verbringen  Weihnachten und den Jahreswechsel in der Eifel. So auch Alina aus Kasachstan.

Dass sie Weihnachten ausgerechnet in Bitburg verbringen würde, damit hatte Alina Shaketowa bis vor wenigen Wochen nicht gerechnet. Was und wo Bitburg überhaupt ist, wusste die 24-Jährige auch nicht. „Ich wollte eigentlich gar nicht so weit weg“, sagt sie, „aber das hat sich dann so ergeben.“ Und im Nachhinein ist sie froh, dass sie diesen weiten Weg auf sich genommen hat.

Alina Shaketowa kommt aus Shymkent. Die Millionenstadt liegt im Süden Kasachstans und ist rund 4700 Kilometer von Bitburg entfernt – also wenn man fliegt. Fährt man mit dem Auto, kommen noch mal gut 1000 Kilometer hinzu. Die junge Kasachin kam mit dem Zug in die Eifel.

Der Vollständigkeit halber muss man aber erwähnen, dass die Zugfahrt nach Bitburg nicht im Süden Kasachstans ihren Anfang nahm, sondern im Osten Deutschlands. Und zwar in Chemnitz. Dort nämlich studiert Alina Shaketowa Chemie-Ingenieurwesen. Und dort ist sie über Kommilitonen auf den „Verein Experiment“ gestoßen. Die gemeinnützige Organisation hat sich den Austausch zwischen Menschen aller Kulturen, Religionen und Altersgruppen zum Ziel gesetzt und vermittelt unter anderem Gastfamilienaufenthalte für ausländische Studenten.

Alina Shaketowa hat sich vor Monaten für das Programm angemeldet. Jetzt ist sie in der Eifel, wo sie mit der Familie Kreduschinski aus Bitburg erst den 50. Geburtstag eines Onkels und wenige Tage später dann Weihnachten gefeiert hat. Dass sie dieses Fest nicht im Kreise ihrer eigenen Familie feiert, ist für die Studentin nicht weiter tragisch. Was daran liegt, dass in ihrer Heimat kein Weihnachten gefeiert wird. Für Alina Shaketowa, die seit April in Chemnitz ein Austauschjahr absolviert, war es also nicht nur das erste Weihnachtsfest in Deutschland, sondern das erste überhaupt.

„Das war ein schönes Fest“, sagt sie. Was nicht zuletzt auch an ihrer Gastfamilie liegt. Julia Kreduschinski ist  auch diejenige, die ihre Familie als Gastgeber bei dem Programm angemeldet hat. Und dass den Kreduschinskis ausgerechnet die Studentin aus Chemnitz vermittelt wurde, freut die Tochter ganz besonders. Ihre Familie stammt aus Russland, hat dort in der Nähe der kasachischen Grenze gelebt. Seit 1995 wohnen die Kreduschinskis in Bitburg.

Als sie umgezogen sind, war Tochter Julia anderthalb. Jetzt ist sie ebenfalls 24, also genauso alt wie die Gaststudentin, mit der sie sich überwiegend auf Russisch unterhält. Eine Sprachbarriere gibt es also schon mal nicht. Die gäbe es zwar ohnehin nicht, weil Alina auch sehr gut Englisch und ein wenig Deutsch spricht. Doch dass die Gastfamilie und der Gast sich fließend unterhalten können und beide im weitesten Sinne aus der gleichen geografischen Ecke kommen, erleichtert den Aufenthalt für die Studentin ungemein. Und dazu dann noch Beschbarmak – was will man mehr. Beschbarmak ist ein Fleischgericht, das mit Teigfladen zubereitet wird und als Nationalgerichts Kasachstans gilt. Julias Mutter Helene Kreduschinski hat es an Weihnachten gekocht. „Ich fühle mich hier fast wie zuhause“, sagt die Chemie-Studentin. Heimweh habe sie jedenfalls keines.

Dass letzteres nicht selbstverständlich ist, weiß Karin Jung nur zu gut. Sie arbeitet beim DRK Bitburg-Prüm. Und sie kümmert sich ehrenamtlich für den Verein Experiment aus Bonn um die Vermittlung von Gastfamilien im Eifelkreis. Diese gemeinnützige Organisation hat sich den Austausch zwischen Kulturen, Altersgruppen und Religionen zum Ziel gesetzt. In den meisten Fällen klappe es sehr gut, sagt Jung, es komme aber durchaus auch mal vor, dass Aufenthalte bei Gastfamilien wegen Heimweh frühzeitig abgebrochen würden.

Rund 50 Familien seien im Kreisgebiet für das Gastfamilienprogramm registriert. Bis zu einem guten Dutzend Studenten würden so jedes Jahr über Weihnachten in die Eifel kommen. „In diesem Jahr sind es allerdings nur sechs“, sagt sie. Und weil sie selbst diese sechs nicht alle vermitteln konnte, haben zwei von ihnen das Weihnachtsfest bei ihr in Hermesdorf gefeiert. Für Karin Jung, die selbst asiatische Wurzeln hat und in den vergangenen Jahren auch schon viele Studenten und Lehrer aus dem Ausland als Gast in der Familie hatte, ist das eine Selbstverständlichkeit. „Viele Menschen wollen die Weihnachtszeit nicht mit fremden Menschen verbringen“, sagt sie. „Dabei passt doch gerade das zur ursprünglichen Idee von Weihnachten.“ Wichtig sei aber natürlich, dass es passt, betont sie. Weshalb bei der Anmeldung zu dem Programm auch ein umfangreicher Fragebogen ausgefüllt werden müsse. Von Allergien bis zur Religionszugehörigkeit wird alles angegeben.

In wenigen Tagen reist Alina Shaketowa wieder zurück nach Chemnitz, wo sie noch bis April studieren wird. Laut Jung ist sie die erste Studentin aus Chemnitz in der Eifel. Die meisten Studenten, die über das Programm in den Eifelkreis kommen, stammen aus Heidelberg oder Aachen. Und diejenigen, die aus Aachen kommen, absolvieren dort in der Regel ein Ingenieursstudium und stammen überwiegend aus asiatischen Ländern.

Für weibliche Studenten aus Asien sei es am einfachsten, Gastfamilien zu finden, erklärt Jung. Weitaus schwieriger werde es bei männlichen Studenten aus den arabischen Ländern. „Da gibt es dann doch noch viele Vorbehalte“, so Jung. Vor allem, wenn dann die Studenten dann noch Namen wie Osama oder Hussein hätten, fügt sie grinsend hinzu. Wenn es dann aber zum Besuch in der Gastfamilie komme, erweise sich die Sorge meist als völlig unbegründet.

Mehr von Volksfreund