Alkoholverbot am Bitburger Busbahnhof: Polizei und Stadt ziehen positive Bilanz

Kostenpflichtiger Inhalt: Kontrollen verdrängen Trinker : Alkoholverbot am Bitburger Busbahnhof: Polizei und Stadt ziehen positive Bilanz

Das Alkoholverbot am Busbahnhof und im Waisenhauspark ist seit einem Monat in Kraft. Bislang ziehen Polizei und Stadt eine positive Bilanz: Die Mehrheit scheint sich an die neue Regel zu halten. Nur einige wenige sind unbelehrbar.

August 2017: Ein Betrunkener attackiert eine Frau. Ohne Grund schlägt er ihr ins Gesicht und verprügelt später auch einen 53-jährigen Mann, der ihr zu Hilfe eilt. Februar 2018: Ein junger Mann zeigt den Hitlergruß. Er brüllt einen Flüchtling aus Eritrea an. Der sei „ein Schwarzer, der hier nicht hingehöre.“ Dann schlägt er den Mann zusammen. Frühjahr 2018: Ein 14-jähriges Mädchen wird von einem Mann vergewaltigt.

Tatort bei allen drei Taten ist der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) in Bitburg. Wenngleich dies die wohl dramatischsten Fälle waren: es ist nur eine Auswahl. In den Akten der Polizei Bitburg finden sich noch etliche Vorfälle mehr, die sich in den vergangen Jahren auf dem Parkplatz zugetragen haben. Besucher und Behörden erzählen von täglichen Schlägereien, Pöbeleien und Sachbeschädigungen. Und bei fast allen dieser Straftaten war Alkohol im Spiel.

Vor einem Monat hat die Stadt Bitburg deshalb die Reißleine gezogen. Die Verwaltung hat zum 31. Juli die Gefahrenabwehrverordnung in der Gemeinde ausgeweitet. Seitdem sind Alkohol und Glasflaschen auf dem ZOB und auch im nahen Waisenhauspark tabu. Mit zwei Einschränkungen: Das Verbot gilt nur bis zum 30. November und lediglich von 7 bis 19 Uhr.

Die Polizei lobte die Verordnung als Mittel, um der Krawallmacher Herr zu werden. Jugendliche und erwachsene Trinker hingegen fühlten sich schikaniert. Doch hat die Verordnung überhaupt etwas bewirkt? Lassen sich die Randalierer von ihren Lieblingsplätzen fernhalten?

Christian Hamm, Dienststellenleiter der Inspektion Bitburg, zieht jedenfalls eine positive Bilanz: „Wir zeigen vor allem am ZOB mehr Präsenz und das hat schon einen Effekt.“ Immer seltener würden Streifen am Busbahnhof betrunkene Jugendliche antreffen: „Der Ort hat für sie offenbar an Attraktivität verloren“. Das bestätigt auch Rathaussprecher Werner Krämer: „Es gibt eine eine spürbare Reduzierung der Anzahl von Personen, welche sich zwecks Alkoholkonsum an den bekannten Örtlichkeiten treffen.“

Das liegt womöglich an den inzwischen täglichen Kontrollen. Auch Zivilstreifen sind unterwegs, sowie eine Polizeibeamtin, die in der Arbeit mit Jugendlichen geschult ist. „Sie hat einen guten Draht zu den jungen Leuten“, sagt Hamm.

Es gebe aber trotzdem einige Heranwachsende, die nach wie vor über die Stränge schlügen. Im vergangenen Monat habe die Polizei sie mit Platzverweisen abgemahnt, sagt Hamm. Stadtsprecher Krämer spricht von „etlichen“ solcher Fälle. Nur einmal habe das Ordnungsamt allerdings ein Bußgeld von 50 Euro verhängt.

Der Grund: Jemand hatte sich den Regeln wiederholt widersetzt. Allerdings nicht gewaltsam: Zu Handgreiflichkeiten kam es seit Inkrafttreten der Verordnung nicht.

Unbelehrbare gebe es trotzdem, sagt Hamm: „Und sie kommen alle aus dem selben Milieu.“ Es handelt sich also offenbar genau um die Klientel, die Stadt und Polizei vom ZOB vertreiben wollen. Junge Männer und Frauen, die bereits mittags trinken, und somit nach Ansicht der Behörden einen schlechten Einfluss auf die Schüler haben, die hier auf die Busse warten.

Denn darum gehe es bei den Maßnahmen, wie Hamm noch einmal betont: „Wir wollen niemanden schikanieren, sondern nur den Platz rund um Schulen und Kitas frei von Gefährdungen halten.“ Und betrunkene pöbelnde Jugendliche sind nach Ansicht des Polizeichefs eine Gefährdung.

Dass die Gefahr besteht, die Trinker durch die Kontrollen einfach an andere Stellen zu verdrängen, ist bei den Behörden bekannt. Derzeit seien solche Tendenzen aber nicht zu beobachten, sagt Polizeichef Hamm.

Das städtische Ordnungsamt bestätigt: „Eine Verdrängung oder Verlagerung des Problems ist uns bis dato nicht bekannt.“

Mehr von Volksfreund