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"Alle Fähigkeiten unter einem Dach"

"Alle Fähigkeiten unter einem Dach"

Die Mindestschülerzahl für eine vierzügige Integrierte Gesamtschule Speicher wird laut Elternumfrage bei weitem erreicht. Vor Ort steht man geschlossen hinter dem Projekt. Jetzt entscheidet Ministerin Doris Ahnen, ob aus der St. Michael Hauptschule und der Simon-Salomon-Realschule eine Integrierte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe wird.

Speicher. "Kommt die Integrierte Gesamtschule zum 1. August 2010?" Diese Frage brennt nicht nur 223 Eltern von Zweit- und Drittklässlern aus dem Einzugsgebiet Speicher laut einer Umfrage bei den Eltern auf den Nägeln.

Große Nachfrage aus den Nachbargemeinden



Anpacken will man auch in der Speicherer St. Michael Hauptschule und Simon-Salomon-Realschule. "Wir warten auf das Signal aus Mainz, dass es hier losgehen kann", sagt Realschulleiter Jürgen Weber. Das Interesse für die neue Schulform, die von der fünften Klasse bis zum Abitur führt, sei groß.

"Bei der Elternbefragung sprachen sich 116 von 264 befragten Eltern des zweiten Grundschuljahres und 107 Eltern der Drittklässler dafür aus, ihr Kind hier anzumelden", sagt Alfred Marder von der Kreisverwaltung Eifelkreis Bitburg-Prüm.

Nach den Mindestvorgaben des Schulgesetzes muss eine IGS vier parallele Klassen pro Jahrgang, also mindestens 91 Schüler umfassen. "Wir haben Anfragen von Eltern aus der Zemmerer Gegend bis nach Kordel im Trierer Land, Arenrath aus der VG Wittlich-Land, Sülm und aus der VG Kyllburg", sagt Weber.

Eine eindeutige Entscheidung für die IGS hatten Anfang des Jahres auch die Gremien der beiden Schulen und die Schulträger getroffen. Nun läuft das Errichtungsverfahren. Über die Anträge wird voraussichtlich vor den Sommerferien entschieden, heißt es aus der ADD in Trier.

"Wir sind guten Mutes", sagt Hauptschulleiter Otto Böcker. Schließlich biete der Schulstandort Speicher die besten Voraussetzungen für eine Schulform, die Schülerinnen und Schüler befähigt, ihren Bildungsweg entsprechend den Abschlüssen berufs- oder studienbezogen fortzusetzen.

"Alle Fähigkeiten unter einem Dach" zu bündeln sei im Falle Speicher nicht einmal mit großen Investitionen verbunden, meint Realschulleiter Jürgen Weber. "Vom Raumangebot sind wir sehr gut ausgestattet und in der glücklichen Lage, dass wir schon einmal 1000 Schüler hatten." Umgestellt werden müsse lediglich die Verwaltung, und das Lehrpersonal müsse der veränderten Situation angepasst werden.

Schon jetzt Hand in Hand



Das zum pädagogischen Konzept der Integrierten Gesamtschule gehörende Ganztagsangebot wird an der Hauptschule St. Michael bereits seit 2002 praktiziert. "In den nächsten Konferenzen werden wir organisatorische Dinge angehen, wie die Schaffung eines gemeinsamen Schulhofes und Lehrerzimmers", sagt Böcker. Was die Menschen vor Ort anbelangt, arbeitet man schon jetzt Hand in Hand. Extra "Lernen lernen": Einen ersten Schritt in Richtung Zusammenarbeit gehen die St.-Michael-Hauptschule und die Simon-Salomon-Realschule in Speicher derzeit mit dem Klippert-Projekt. Ziel des nach dem Schulentwickler Heinz Klippert benannten Methodentrainings ist die Förderung des eigenverantwortlichen Lernens. Seit Februar nehmen beide Schulen an dem über zwei Jahre laufenden Projekt teil, das vom Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstitut der Evangelischen Kirche in Rheinland-Pfalz (EFWI) unterstützt wird und die Unterrichtsentwicklung verändern soll. Hintergrund der Forderung nach einer neuen Lernkultur sind Pisa-Studien, Befunde der neueren Lern- und Gehirnforschung, veränderte Lerndispositionen der Schülerschaft, aber auch neue Lehrpläne, Bildungsstandards und Anforderungen in der modernen Arbeitswelt. Ganz im Sinne einer IGS wird den unterschiedlichen Begabungen im laufenden Klippert-Projekt Raum gegeben. (kf)