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Alles bleibt anders in der VG Speicher

CDU kann sich behaupten, SPD und FDP gewinnen dazu : Alles bleibt anders in der VG Speicher

Die Kommunalwahlen in der VG Speicher waren in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Trends haben in der kleinsten Kommune des Eifelkreises nicht durchgeschlagen. Die Volksparteien konnten sich behaupten. Top-Ergebnisse hatten aber auch die FDP und die AfD.

Manchmal reicht ein Gefühl, um eine Wahl zu machen. Stimmungen können im Wahlkampf mehr bewegen als politische Programme. Nie war das so deutlich spürbar wie bei der vergangenen Kommunalwahl. Die Grünen sind fast überall im Höhenflug, und die Volksparteien stürzen ab.

Und doch gibt es Regionen, die sich von den allgemeinen Trends kaum beeinflussen lassen. So eine Region ist die Verbandsgemeinde Speicher. Was hier entgegen der Prognosen und der allgemeinen Entwicklungen möglich war: Eine SPD, die stärker dasteht als vor fünf Jahren. Eine FDP, die rund vier Punkte besser abschneidet als die Liberalen im Landesschnitt. Und Dörfer, in denen der Anteil der AfD-Wähler bei mehr als 10 Prozent liegt.

 Und so haben die Speicherer im Detail gewählt:

Verbandsgemeinderat: Große Überraschungen bleiben im Speicherer Rathaus aus. Die Parteien haben jeweils nur einen bis drei Prozentpunkte dazugewonnen oder verloren. So viel ändert sich durch die Wahl also nicht an der Zusammensetzung des VG-Rates.

Die CDU bleibt mit zehn Sitzen stärkste Kraft im Gremium, muss aber den Verlust von 2,8 Prozentpunkten verschmerzen. Das ist etwa so viel, wie die FDP zulegen konnte. Die Liberalen sind die Gewinner der Ratswahl in Speicher. Mit drei Prozentpunkten mehr steht die Partei jetzt bei 10,5 Prozent und hat insgesamt drei Sitze.

Auch Karin Plein von der CDU glaubt, dass die Stimmen ihrer Partei zur FDP übergewandert sind: „Das ist aber kein großes Wunder. Die Wählerschaft ähnelt sich ja sehr.“ Insgesamt sei das Abschneiden ihrer Christdemokraten im Vergleich zu den Nachbarn gar nicht schlecht: „Ich hätte etwas mehr Prozentpunkte erwartet, aber im Vergleich stehen wir gut da.“ Ob die CDU auch deshalb glimpflich davonkam, weil es in Speicher keine Grünen gibt? Das glaubt Plein nicht. „Die Grünen haben bei uns keine echte Basis und können hier auch nicht wirklich mit ihren Themen punkten“, ist sich die Speicherer CDU-Chefin sicher.

Während die Christdemokraten sich in allen Gemeinden relativ stark behaupten konnten, wurde die FDP vor allem in der Stadt Speicher und in Orenhofen gewählt. Letztere Ort­schaft ist die Heimat des Liberalenchefs Peter Reichert – was die guten Werte im Dorf wohl mit erklärt. Reichert sagt dazu: „Für uns ist es vor allem gut gelaufen, weil sich die Leute in unserer Klein-VG kennen. Die wählen Leute, die sie gut finden, nicht Parteien.“

Was sonst noch bemerkenswert ist: Die SPD ist anders als in den meisten Kommunen nicht abgestraft worden. Im Gegenteil konnte sie sogar Stimmen gutmachen. Unterm Strich steht nach der Kommunalwahl ein Plus von 0,4 Prozentpunkten. Die Genossen bleiben demnach mit 33,8 Prozent bei einem in der Region beispiellosen Spitzenwert. Das liegt vor allem an der Unterstützung aus drei Orten.

In Orenhofen, der zweitgrößten Gemeinde der VG, haben mehr als 40 Prozent der Wähler für die Genossen gestimmt, ebenso in Hosten. Noch beachtlicher: In Herforst waren es 60 Prozent. Adalbert Meier, der für die SPD im VG-Rat sitzt, sagt: „Die Leute haben erkannt, dass wir gute Arbeit geleistet haben – auch zusammen mit der CDU, als Opposition trotzdem nicht immer nur dagegen.“ Die Partei habe sicherlich auch von der Popularität des langjährigen, sozialdemokratischen Ortsbürgermeisters Werner Pick profitiert: „Pick war immer kritisch, aber hat auch viel für den Ort erreicht.“

Apropos Dorfchef-Bonus: Klaus Rodens Unabhänginge Bürgerliste, UBL, hat 1,8 Prozentpunkte verloren und landet mit 12,4 Prozent auf dem dritten Platz. Den meisten Zuspruch für die Liste rund um den ehemaligen Spangdahlemer Ortsbürgermeister gab es wie immer in Rodens Gemeinde. Hier haben rund 50 Prozent der Wähler ihr Kreuzchen bei der UBL gemacht. Ansonsten lagen die Ergebnisse der Freien zwischen fünf und zwölf Prozent.

Die zweite unabhängige Gruppe, die Wählerliste Schommer, hat es nicht in den Verbandsgemeinderat geschafft. 1,2 Prozentpunkte sind zu wenig für den Einzug ins Gremium. Wählerstimmen konnte die Liste vor allem in Speicher gewinnen.

Ortsgemeinden: In der größten Ortsgemeinde der VG ist das Bild ein ganz anderes. Wenngleich sich die Wähler auch in der Stadt Speicher nicht von Trends beirren ließen. Während andernorts die Hochburgen fielen, etwa in Prüm, konnte die CDU sich in Speicher durchsetzen. Sie legte 1,9 Prozentpunkte zu. Im Bürgermeisteramt wurde der Christdemokrat Erhard Hirschberg bestätigt. Noch besser lief es wohl nur für die FDP im Stadtrat. Die Partei verzeichnet einen Zuwachs von 3,4 Prozentpunkten. Damit liegen die Liberalen im neuen Rat bei 17,4 Prozent.

Die SPD bleibt zwar zweitstärkste Partei, muss aber herbe Verluste einstecken. 5,3 Prozent der Speicherer haben den Sozialdemokraten gegenüber 2014 das Vertrauen entzogen. Sie liegen allerdings immer noch auf einem vergleichsweise guten Wert von 33,2 Prozent. Andererseits gibt es in der Stadt auch nur drei Fraktionen.

Dafür haben die Genossen im zweitgrößten Ort der VG, Orenhofen, abgesahnt. Sie konnten als stärkste Fraktion ihren Vorsprung von 30 auf 48,5 Prozent ausbauen und damit fast eine absolute Mehrheit erreichen. Einige Wähler der CDU und der FWG Schmitz dürften übergetreten sein. Erstere verlor etwa 4,3 Prozentpunkte, letztere stolze 13,4 Prozentpunkte.

Auch bei der Bürgermeisterwahl in Orenhofen fiel der FWG-Kandidat durch. Der Sozialdemokrat Wolfgang Horn setzte sich mit satten 77,2 Prozent gegen Amtsinhaber Walter Schönhofen durch. Gerüchten zufolge haben die Bürger ihm das Vertrauen nicht mehr ausgesprochen, weil er sich zu wenig Zeit für die Gemeinde nahm. Bewerber Horn hingegen sei im Ort sehr engagiert, heißt es.

Ganz so deutlich ist die Ortsbürgermeisterwahl in Preist nicht ausgegangen. Hier schaffte es der amtierende Dorfchef Edgar Haubrich (parteilos) nur knapp gegen Herausforderer Stefan Krein (CDU). Er erhielt 53,3 Prozent der Stimmen. Fast genauso viele Wähler stimmten auch für seine unabhängige Liste bei der Gemeinderatswahl. Die restlichen Stimmen entfallen auf CDU und die Liste von Krein.

Die Gemeinderatswahlen in Beilingen, Hosten, Auw an der Kyll und Philippsheim waren da unspektakulärer. Hier stellten sich nur Einzelpersonen zur Wahl, ohne Listen- oder Parteizugehörigkeit. In Spangdahlem trat nur eine Liste an, die – wenig überraschend – bei 100 Prozent der Stimmen landete. Bei der Bürgermeisterwahl waren sich die Spangdahlemer dann allerdings nicht so einig. Der einzige Kandidat Alois Gerten bekam rund 80 Prozent der Stimmen. Gerten beerbt Klaus Rodens, der sich 25 Jahre lang in der Gemeinde am Rande der Air Base engagiert hat.

Auch in Herforst gibt es eine neue Dorfchefin. Sigrid Heinemann übernimmt für den früheren Ortsbürgermeister Werner Pick, der nicht mehr antreten wollte. Heinemann war zuvor erste Beigeordnete gewesen. Parteipolitisch hat in Herforst die SPD zulegen können – und zwar um 6,7 Prozentpunkte. Genauso viel hat die zweite Fraktion im Gemeinderat, die CDU, gegenüber der Wahl 2014 verloren.

Kreistag: Bei der Wahl des Kreistags dann haben sich die Speicherer am ehesten an den bundesweiten Trends orientiert. Auch wenn diese Stimmungen nicht so deutlich durchgeschlagen haben wie in manch anderer Kommune.

So konnten die Grünen, ähnlich wie in den Nachbarregionen, in der Verbandsgemeinde fast doppelt so viele Menschen von ihrer Idee überzeugen, wie bei der vergangenen Kommunalwahl. Aus Speicher und den umliegenden Orten erhielten sie 10,7 Prozent der Stimmen. Zuvor hatte die Partei gerade einmal 5,9 Prozent bekommen. Das gute Ergebnis lässt sich nur durch den Zeitgeist erklären, das steigende Interesse also an Umwelt- und Klimaschutz. Denn in den Gemeinden vor Ort gibt es keine Grünen. Auf keiner Liste tauchen Kandidaten auf.

Die FDP hingegen ist in den Speicherer Ortschaften seit Jahren stark. Und das spiegelt sich auch im Kreistagsergebnis aus der Verbandsgemeinde wieder. Die Liberalen schaffen es auf 9,8 Prozent der Stimmen. Ein gewaltiger Anstieg ist das allerdings nicht – wie er auch in der Gesamtschau für Rheinland-Pfalz ausblieb. Prozentual gesehen hat die Partei 0,8 Prozentpunkte dazugewonnen.

Auch die Entwicklung der CDU deckt sich weitestgehend mit der im gesamten Land. Die konservative Volkspartei hat auch rund um die Töpferstadt Federn lassen müssen. Sie bleibt zwar mit 39,2 Prozent der Stimmen stärkste Fraktion. Gegenüber den 46,5 Prozent bei der vergangenen Kommunalwahl steht sie aber schwach da.

Profitiert hat von diesen Kreistagsstimmen sicher auch die AfD, die rund um Speicher ein vergleichsweise starkes Ergebnis von 5,2 Prozent der Stimmen einfährt (zum Vergleich: kreisweit hat sie vier Prozent erreicht). Ins Gewicht gefallen sein dürften hier vor allem die Stimmzettel aus drei Orten. In Philippsheim erhielt die „Alternative“ 7,92 Prozent, in Herforst 7,1 Prozent und in Auw an der Kyll sogar elf Prozent.

Eher überraschend ist es in Speicher für die Sozialdemokraten ausgegangen. Die haben gegenüber 2014 nichtmal zwei Prozentpunkte der Stimmen verloren. Zum Vergleich: In anderen Kommunen haben sie zweistellig verloren.

Verloren hat auch die Linke. Die konnte bei der vergangenen Kreistagswahl noch 3,5 Prozent aus Speicher holen. Jetzt landet sie bei 2,6 Prozent. Stimmen gab es vor allem aus Orenhofen und Herforst.

Stadtrat_Speicher Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Die Wahlbeteiligung rund um die Töpferstadt lag bei der Kreistagswahl bei fast 64 Prozent und damit etwa im Kreisschnitt.