Alles dreht sich um die Sicherheit: Warum Flüchtlinge in Zelte müssen, obwohl auf Flugplatz und Housing Gebäude leerstehen
Bitburg · Die ersten Menschen haben Zuflucht in den Zelten am Bitburger Stadtrand gefunden – eine Notlösung: Die Trierer Aufnahmeeinrichtung ist bis auf den letzten Platz belegt. Während dringend Flüchtlingsunterkünfte gesucht werden, stehen auf Flugplatz und Housing ganze Gebäude leer. Der TV fragt, welche Gründe gegen eine Nutzung sprechen.
Die Festwiese nahe des Hotels Eifelstern ist zur Notunterkunft geworden: Die ersten 100 Flüchtlinge sind angekommen. Weitere 150 werden in den nächsten Tagen folgen. Sie wohnen in Zelten, schlafen in Doppelstockbetten - auf engstem Raum. Ein Blick hinter den Zaun zeigt: Unter ihnen sind viele Kinder.
Sie sollen nur vorübergehend in dem Ausweichquartier bleiben: Denn die Trierer Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) mit der Außenstelle in Euren ist mit mehr als 3000 Menschen bis auf den letzten Platz belegt. "Wirklich erst, wenn alles voll ist, geht es in die Zelte", sagt Miriam Lange, Pressereferentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier. "Erst, wenn es nicht mehr anders geht." Denn die Menschen sollen generell in "festen Unterkünften" leben - und so sollen auch die Zelte auf dem Flugplatz von vornherein nur für eine Übergangszeit von zwei Monaten dort stehen (der TV berichtete).
Dabei hatte genau das Willi Burelbach, Besitzer des Eifelsterns und auch des privaten Geländes, auf dem die Zelte aufgebaut wurden, Ende des vergangenen Jahres in Aussicht gestellt: eine Unterkunft für etwa 120 Flüchtlinge, ein Dach über dem Kopf - statt des Zelt-Kunststoffs, der nun bei jedem Windzug raschelt. Der Hotelier hatte zwei Wohnblocks auf dem Hotelgelände angeboten, um die damals schon überfüllte Erstaufnahmeeinrichtung in Trier zu entlasten. Doch weil sie brandschutztechnische Auflagen nicht erfüllten, wurde daraus nichts (der TV berichtete).
Nun war die Sache offenbar so eilig, dass es zwischen Burelbach und der ADD nicht einmal einen Pachtvertrag gibt. Man habe unter Handlungszwang gestanden, sich mündlich verständigt, heißt es von der ADD. In kürzester Zeit musste ja auch viel mehr als nur Schriftliches geregelt werden: der Aufbau des Notquartiers, die medizinische Versorgung und die Verpflegung der Menschen. Und auch der Brandschutz.
Ob die Anforderungen (siehe Extra) dieses Mal ausreichen, hat die Brandschutzdienststelle der Kreisverwaltung geprüft - mit positivem Ergebnis. Auch die Feuerwehren seien eingebunden, sagt Kreisfeuerwehrinspektor Jürgen Larisch. "Es werden auch Alarmpläne erstellt - für den hoffentlich nicht eintretenden Fall." Die Zelte seien jedenfalls einfacher zu evakuieren, sagt Ansgar Dondelinger, Pressesprecher der Kreisverwaltung, "weil sie ebenerdig sind. Bei mehrgeschossigen Gebäuden ist dies schon aufgrund der Höhe komplexer."
Dennoch sei es natürlich irgendwo "paradox", sagt Bürgermeister Joachim Kandels - angesprochen auf den Umstand, dass Zelte als Unterkünfte herhalten müssten, während sowohl auf dem Flugplatz als auch in der Housing viele Wohnungen leer stehen. Jedoch: "Die Housing ist militärisches Sperrgebiet." Teile, die Schule etwa, werden noch genutzt. Aus Sicherheitsgründen sei deshalb derzeit mit den Amerikanern keine Freigabe zu diskutieren. Zudem wolle man ja auch kein Ghetto schaffen - deswegen sorge der Kreis auch für eine dezentrale Unterbringung der Menschen, und das sei auch gut so. Nichtsdestoweniger unterstütze die Stadt die jetzige Entscheidung der ADD - es gebe aber auch "andere Überlegungen, ob auf dem Flugplatz nicht auch dauerhaft etwas zu finden" sei.
Im Gespräch mit vielen
Wo die ADD wieder bei Burelbach landen könnte - und bei eben jenen Wohnblocks. Doch ob der Hotelier diese brandschutztechnisch aufzurüsten beabsichtigt, dazu will er sich nicht öffentlich äußern. Das Integrationsministerium, heißt es von der Pressestelle in Mainz, prüfe "kontinuierlich Liegenschaften im ganzen Land auf ihre Eignung als Flüchtlingsunterkunft" - neben den Instandsetzungsarbeiten in Kusel, Hermeskeil und Meisenheim. Und die ADD sagt: "Wir führen täglich Gespräche mit vielen Anbietern." Denn wenn die zwei Monate vorbei sind, müssen die Menschen irgendwo hins.
Nun leben die Flüchtlinge erstmal in den Zelten. Miriam Lange von der ADD: "Wir sind froh, wenn wir die Leute unterkriegen." Auch, wenn es erstmal nur eine Notlösung ist. Und die Zeit läuft.
Extra So sieht es in den Flüchtlingszelten aus
Zum Alltag: 250 Flüchtlinge schlafen in zwei Unterkunftszelten mit insgesamt 400 Quadratmetern Fläche. Gegessen wird in einem Gemeinschaftszelt, ein weiteres bietet Waschmaschinen, vier Dusch- und Toilettencontainer stehen zur Verfügung. Zudem gibt es einen Verwaltungscontainer und eine Krankenstation, in der ein Mal pro Woche ein Arzt Sprechstunden anbietet. Sechs Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes vom Kreisverband Bitburg-Prüm betreuen die Flüchtlinge.
Zum Brandschutz: Die Notunterbringung von Flüchtlingen in Zelten unterliegt den gleichen Anforderungen wie der in Hallen. So sind die direkten Rettungswege zu den Ausgängen mit mindestens 1,50 Metern freizuhalten, die Gänge neben den Betten auf einer Breite von einem Meter. Der Verlauf von Haupt- und Nebengängen wird auf dem Boden markiert, Notausgänge sind gekennzeichnet. An jedem Ausgang wird ein Feuerlöscher bereitgehalten, Rauchmelder sind Pflicht. Für Brandfall und Räumung des Zeltes durch den Sicherheitsdienst wurde auf dem Außengelände ein Sammelplatz eingerichtet. Mehrmals täglich gibt es Kontrollgänge, um sicherzustellen, dass alle Rettungswege freigehalten werden und im Gefahrenfall benutzbar sind.