Alles dreht sich

Letztens in unserem Wohnzimmer: Walburga kommt rein und sieht mich, wie ich auf dem Boden hocke. Natürlich fängt sie gleich an zu maulen. Von wegen: Musst du jetzt schon am helllichten Tag trinken, und so.

Na gut, ich hatte zu dem Zeitpunkt zwei Bierchen intus. Aber das tut nichts zur Sache. Es muss rund gehen. Es muss kreiseln. Ich krieche über unseren Berberteppich, den Couchtisch zur Seite geschoben, und male mit Kreide die Umrisse von Bitburg auf. Meine Walli hat natürlich erstmal kein Verständnis. Sie sieht nicht, dass ich ernsthaft arbeite und im Prinzip dieselbe Arbeit mache wie diese Profi-Planer im Landesamt für Kreiselkunde oder vom Anti-Ampel-Amt. Oder heißen die anders? Ist ja auch egal. Ich bin also hochkonzentriert und zeichne alle Kreisel von Bitburg ein. Die, die schon vorhanden sind. Die, die noch kommen werden. Und die, die ich noch brauche. Ganz schön viel Arbeit. Der Kreisel an der Echternacher Straße, für den die Arbeiten gerade begonnen haben, der ist bei mir schon fertig. Wallis Frage, warum ich die olympischen Ringe auf den Berber kratzen muss, kontere ich: "Glaubst du, mit fünf Kreiseln gebe ich mich zufrieden?" Mein größter Kreis geht nun ganz um Bitburg rum. Vorläufig heißt er mal "St.-Pitter-Ring". Dann male ich noch einen äußeren, bisschen großzügigeren Ring für das Einzugsgebiet. Mit Trier im Süden und Köln im Norden. Der ist für Walburga. "Dem-Pitter-sein-Frau-ihr-Ring" könnte er heißen. Oder vielleicht auch wie in Köln, irgendwas mit Gürtel. Hmmm, mal fragen. "Walli, magst du lieber einen Ring oder einen Gürtel?" Walburga schüttelt nur den Kopf und ächzt: "Pitter, du bist zuletzt ein bisschen zu oft im Kreis gefahren." Naja, geht ja nun nicht anders.

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