Alles, was der Brummi-Fahrer begehrt

Eine zweite Tankstelle mit jede Menge Rahmenprogramm: Das würde der an der B 51 auf Höhe von Meilbrück geplante "Autohof" in Zukunft bieten. Und zwar gleich gegenüber der bereits existierenden Tankstelle. Ob das Projekt im Planverfahren einen Schritt weiterkommt, entscheidet heute der VG-Rat.

An der Raststätte Meilbrück: 400 Fernfahrer legen hier täglich eine Pause ein. Rund 50 Fernfahrer machen nachts Station an der Meilbrück. TV-Foto: Archiv/Christian Kremer

Bitburg. Der an der B 51 gegenüber der Tankstelle geplante "Autohof" bei Meilbrück sorgt für Diskussionen. Nicht etwa, weil die Kritiker gegen die aufziehende Erotik am B 51-Horizont wettern, sondern weil befürchtet wird, dass das geplante Angebot noch mehr Fernfahrer-Verkehr auf die mit rund 20 000 Fahrzeugen täglich ohnehin schon stark genutzte Bundesstraße bringt (siehe Extra). Der "Autohof" soll alles bieten, was LKW-Fahrer so brauchen könnten. Initiator ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) von Tankstellenbesitzer Achim Schilling, Architekt Manfred Weber und Unternehmer Jürgen Fandel.

Herzstück des Projekts ist eine zweite Tankstelle, die gegenüber der derzeit existierenden Tankstelle geplant ist. Hintergrund ist, dass durch den dreispurigen Ausbau der B 51 zwischen Helenenberg und Meilbrück zukünftig nicht mehr in Fahrtrichtung Bitburg auf die Tankstelle Meilbrück abgebogen werden kann. Tankstellen-Besitzer Schilling fürchtet dadurch den Verlust von Kunden, was ihn zu dem Projekt auf der gegenüberliegenden Seite motiviert. Dort ist unter anderem Folgendes angedacht:

Tankstelle samt Verkaufsfläche von bis zu 200 Quadratmetern und Backshop mit rund 50 Stellplätzen,

Erotikstore (bis zu 600 Quadratmeter; 20 Stellplätze),

Getränkemarkt (bis zu 400 Quadratmeter und zehn Stellplätze),

Fastfood-Restaurant (maximal 500 Sitzplätze und 125 Stellplätze),

Motel oder Hotel (maximal 100 Betten; 50 Stellplätze),

Spielhalle (bis zu 1000 Quadratmeter; 50 Stellplätze),

Dusch- und Toilettenanlagen,

Auto-, LKW- und Anhänger-Verleih auf bis zu 5000 Quadratmetern Außenfläche,

Transportlagerfläche als Zwischenlager zur Optimierung von Transportabläufen auf einer Außenfläche von bis zu 5000 Quadratmetern und

bis zu 25 Wohnmobil-Stellplätze.

Mit der Vermarktung will die GbR erst beginnen, wenn sie Baurecht hat. Und erst dann wird sich zeigen, welche der vorgestellten Ideen tatsächlich umgesetzt werden.

Folgt der Verbandsgemeinde-Rat Bitburg-Land dem Beschluss-Vorschlag der Verwaltung, kommt der "Autohof" heute einen Schritt weiter im Planverfahren: Die Verwaltung schlägt vor, dem Vorhaben im Rahmen der derzeit laufenden raumordnerischen Prüfung zuzustimmen. Ein weiteres Mal ist der VG-Rat involviert, wenn es um die anstehende Änderung des Flächennutzungsplans geht. Über die Frage des Baurechts entscheiden letztlich die Gemeinden, auf deren Gemarkung gebaut werden soll - also in erster Linie Idenheim und Meckel. Als Nachbargemeinden werden zudem auch Esslingen, Sülm und Scharfbillig gehört.

Öffentliche Sitzung: Der VG-Rat Bitburg-Land tagt heute um 15 Uhr öffentlich zum Thema "Autohof". In der Sitzung wird auch über die Stellungnahmen der betroffenen Ortsgemeinden informiert.

Meinung

Wie auf der Autobahn

Ein "Autohof" mit allem Drum und Dran lohnt sich an der B 51 nur, weil die Bundesstraße längst Funktion und Verkehrsaufkommen einer Autobahn hat. Mit dem geplanten "Brummi-Paradies" wollen Privatinvestoren aus dem starken Fernfahrer-Verkehr auf der verführerischen Achse Trier-Luxemburg-Bitburg-Kölner Bucht Kapital schlagen. Die Frage, ob sich das noch rechnet, wenn ein Transit-Verbot für die B 51 käme, sollte nicht Sorge der öffentlichen Gremien sein. Das ist das Risiko der privaten Investoren - und scheint als Argument gegen das Projekt nur vorgeschoben. d.schommer@volksfreund.de

EXTRA Diskussions-Stand: "Wer Fernfahrer lieber auf der Autobahn als auf der Bundesstraße sieht, muss jetzt Farbe bekennen", forderte Ralf Mayeres von den Grünen im Rat der Verbandsgemeinde (VG) Bitburg-Land, als der "Autohof" Thema im Hauptausschuss war (der TV berichtete). Auch CDU-Chef Matthias François kündigte an, dass seine Fraktion sich über das Projekt eine Meinung bilden werde. Einerseits befürworten die Christdemokraten die Investitionstätigkeit der GbR, die mit dem "Autohof" rund 50 Arbeitsplätze schaffen will. Andererseits hatte nach der tragischen Häufung tödlicher Unfälle auf der viel befahrenen Bundesstraße auch die CDU ein Transit-Verbot gefordert. Ähnlich geht es der FWG, für die Fraktions-Chef Willi Fink ebenfalls interne Beratungen über das Thema ankündigte. SPD-Chef Jürgen Holbach sagte: "Auch wenn es keine realistische Chance für ein Transit-Verbot gibt, ist zu bedenken, ob der Autohof nicht zusätzlichen Verkehr bringt." (scho)