Alles zurück auf Anfang

"Da steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor": Was schon Goethe schrieb, trifft irgendwie auch auf die Situation rund um das Schwimmbad Schönecken zu. Das seit Jahren als einzige Lösung angestrebte Naturbad-Projekt ist mit einem Federstrich des Innenministeriums gestorben. Jetzt beginnt in Orts- und Verbandsgemeinde die Suche nach Alternativen.

Schönecken. Nach dem Aus für das Naturbad-Projekt: Wie geht es mit dem Schwimmbad in Schönecken weiter? VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen (CDU) betont ausdrücklich, dass die in der Machbarkeitsstudie entworfene Planung "völlig ok" gewesen sei. "Natürlich kann man in Schönecken ein Naturbad bauen." Es sei nicht so, dass speziell in Schönecken schlechte Voraussetzungen vorliegen würden. Die Ablehnung seitens des Ministeriums beruhe vielmehr auf schlechten Erfahrungen in anderen Naturbädern innerhalb der vergangenen zwei Jahre. Diese hätten naturgemäß in der Studie noch nicht berücksichtigt werden können.

Naturbad war Wille von Orts- und Verbandsgemeinde



Die UWG-Vorsitzende Maria Weber hatte kritisiert, dass man drei Jahre lang aufgrund einer unvollständigen Machbarkeitsstudie in die falsche Richtung gelaufen sei (der TV berichtete). Man hätte die Erfahrungen in den anderen Naturbädern in die Studie mit einfließen lassen müssen. "Jetzt stehen wir wieder komplett am Anfang", sagt Weber. Sie hofft, dass das neue Bad möglichst schnell auf den Weg gebracht wird.

Bei der Verbandsgemeinde Prüm prüft man derzeit die Alternativen. "Das Naturbad war der Wille von Orts- und Verbandsgemeinde und Teil einer Gesamtkonzeption", sagt Söhngen. Nun müsse man schauen, wie es weitergehe. Klar sei, erklärte Söhngen den Schöneckern in der jüngsten Ortsgemeinderatssitzung, dass es kein Bad in der derzeitigen Größe geben werde. Klar sei aber auch, dass überprüft werden müsse, wie das alles in den finanziellen Rahmen passt, denn die Kosten für den Unterhalt liegen bei der Verbandsgemeinde. Das bedeutet, dass der VG-Rat auch zu dem Schluss kommen kann, dass das Bad eben nicht realisierbar sei. "Das ist die Sache des Rates", sagt Söhngen.

Als eine Möglichkeit ist eine Art Lehr-Schwimmbecken mit einer Größe von zehn mal 20 Metern bei einer Tiefe von 1,40 Metern im Gespräch. Damit wäre auch Ortsbürgermeister Werner Krämer (CDU) zufrieden. "Dann hätten wir eine Wasserfläche, auf der jeder seine Bahnen ziehen könnte und die auch zum Schwimmenlernen geeignet ist." Das Land hat seine grundsätzliche Unterstützung für ein Schwimmbad in Schönecken bestätigt. Der Burgflecken würde mit dieser Lösung zu einem Musterprojekt, wie künftig kleine Bäder in kleinen Orten zu realisieren sind.

Doch damit will sich Ralph Schmidt, Vorsitzender der Bürgerinitiative Schwimmbad Schönecken (Biss), nicht zufrieden geben. "Die Bevölkerung will keinen Froschteich mit nur 1,40 Metern Wassertiefe", sagt Schmidt. Ein solches Projekt sei in Bleialf schon schief gegangen. Vielmehr müsse die Attraktivität des Schönecker Bades erhalten und besser noch gesteigert werden, denn das Bad brauche ein Alleinstellungsmerkmal, wie es das Naturbad gewesen wäre. Für Schmidt ist die Mainzer Entscheidung nicht nachvollziehbar und er bezweifelt, dass man sich die Situation vor Ort wirklich angesehen hat. Ohne ein vollwertiges Schwimmbad verliere der Ort an Lebensqualität und auch der Tourismus leide darunter. Auch Erdal Dogan (SPD), Mitglied im Orts- und Verbandsgemeinderat, betont die touristische Bedeutung des Bades für den Ort und das Nimstal.

Meinung

Den Horizont erweitern

Warum muss es ein Schwimmbad sein? Nur, weil es seit den 70er Jahren - also immer schon - da war? Schwimmbäder sind extrem teuer im Unterhalt und bleiben ein Zuschussgeschäft, vor allem die stark wetterabhängigen Freibäder. Das Naturbad wäre ein Alleinstellungsmerkmal gewesen, das ein Schwimmbad in Schönecken gerechtfertigt hätte. Mit dem Aus für dieses Projekt ist nur ein klassisches Freibad in minimalem Umfang realisierbar. Doch selbst die Kosten dafür stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen eines solchen kleinen, flachen Beckens für Gäste und Einwohner. Das alles für wenige Wochen im Jahr, in denen Freibad-Wetter herrscht. Gleichzeitig locken die großen Schwimmbäder in Prüm und Waxweiler, die mehr bieten als nur ein kleines Schwimmbecken. Die zugesagte Förderung aus Mainz für ein Schwimmbad darf nicht den Blick auf Alternativen verhindern. Gibt es keine anderen Freizeitangebote, die im Unterhalt kostengünstiger sind, ganzjährig genutzt werden können und die es zudem nicht im nahen Umkreis ohnehin schon gibt? Die Schönecker täten gut daran, ihren Horizont in diese Richtung zu erweitern. c.brunker@volksfreund.de