Allzeit bereit

Auch wenn das Stadtkyller Waldfreibad zum kommenden Jahr geschlossen wird, soll es weiterhin regelmäßig gewartet werden. Dafür setzt sich die Gemeinde Stadtkyll ein, denn sollte der Ort im Zuge der Kommunalreform noch zur Verbandsgemeinde Prüm wechseln dürfen, könnte das Bad eine Wiedergeburt erleben.

Lange hat man gehofft, doch am Ende vergebens: Die vorerst letzten Badegäste haben im Waldfreibad in Stadtkyll die Tür hinter sich zugezogen. Fast 27.000 waren es in diesem Jahr, so viele wie schon seit langem nicht mehr.

Ob das Freibad jemals wieder eine neue Saison erlebt, ist derzeit mehr als ungewiss. Denn zum Ende des Jahres wird das am 18. Juli 1970 eröffnete Bad geschlossen (der TV berichtete). Die Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll kann sich den Betrieb des Bades schlicht nicht mehr leisten. 180.000 Euro müssen dazu jährlich aufgewendet werden, VG und Gemeinde teilen sich die Kosten bisher jeweils zur Hälfte. Außerdem müsste das Bad dringend saniert werden. Der Investitionsbedarf wird derzeit auf rund 3,5 Millionen Euro geschätzt.
Um die Zukunft des Freibads zu sichern, hatte VG-Bürgermeisterin Diane Schmitz versucht, einen privaten Betreiber zu finden - erfolglos.

Doch in Stadtkyll will man nicht aufgeben. Ortsbürgermeister Harald Schmitz hofft, dass sich im Zuge der Kommunalreform doch noch eine Lösung findet. Denn sollte die Gemeinde zusammen mit den anderen fünf wechselwilligen Gemeinden der VG Obere Kyll (Scheid, Hallschlag, Ormont, Reuth und Kerschenbach) zur VG Prüm wechseln, könnte das Freibad eine Wiedergeburt erleben. Genährt werden die Hoffnungen durch Aussagen von Prüms VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen, das Waldfreibad erhalten zu wollen. Denn durch den Ferienpark habe alleine Stadtkyll Übernachtungszahlen wie die gesamte VG Prüm, weshalb es notwendig sei, Einrichtungen wie ein Schwimmbad vorzuhalten, sagte Söhngen im Mai dieses Jahres.

Doch ob und wann die Gemeinden überhaupt zur VG Prüm wechseln dürfen, steht derzeit noch in den Sternen. Zunächst soll die gesamte VG Obere Kyll mit Hillesheim fusionieren, ob die westlichen Dörfer dann in einem zweiten Schritt doch nach Prüm dürfen, wie es die Einwohner in Bürgerentscheiden eindeutig gefordert hatten, ist unklar.

Doch die Stadtkyller wollen vorbereitet sein. Deshalb plant Ortsbürgermeister Schmitz, das Bad, obwohl es geschlossen ist, regelmäßig warten zu lassen, damit es im Falle des Falles problemlos wieder geöffnet werden kann. Das sei allerdings natürlich eine Frage der Kosten. Man könne keinesfalls mehrere Zehntausend Euro jährlich in das Bad investieren.

So teuer werde es auch nicht werden, berichtet Karl Müller, Leiter des Bauamts der VG, auf TV-Anfrage. "Das ist nicht so viel", sagt Müller, auch wenn man die genauen Kosten noch nicht eindeutig beziffern könne. Die Größenordnung liege eher bei maximal 2000 Euro. Im Grunde müsse der Bademeister einmal pro Woche ins Bad gehen und die Pumpen laufen lassen, damit sie sich nicht zusetzen. Darüber hinaus müsse der Technikraum minimal beheizt werden, damit auch dort nichts passiere. "Wir haben das Bad wie sonst auch winterfest gemacht", sagt Müller. Von daher sollte es im Winter keine Probleme geben. Auch die Chemikalien wie Chlor und Ammoniak, die zur Reinigung des Wassers eingesetzt werden, seien noch nicht entsorgt, so dass sie schnell und einfach wieder einsetzbar sind.Meinung

Zartes Pflänzchen Hoffnung
Zugegeben, die Chance, dass das Waldfreibad in Stadtkyll irgendwann wiedereröffnet werden kann, ist nicht besonders groß. Denn nur wenn die Gemeinde innerhalb einer überschaubaren Zeitspanne nach Prüm wechseln kann, wäre eine Verbandsgemeinde vorhanden, die den Betrieb des Bades finanziell stemmen könnte - ob sie es am Ende wirklich tut und auch die Millionen Euro in die Sanierung steckt, steht indessen noch auf einem anderen Blatt. Denn einem solchen Vorhaben müsste auch der VG-Rat zustimmen. Und dennoch: Es ist gut, dass man nicht einfach die Flinte ins Korn, beziehungsweise ins Badewasser, wirft. Denn so wie es aussieht, halten sich die Wartungskosten im Rahmen und die Eigentümer sind verpflichtet, mit öffentlichem Geld gebaute Infrastruktur nicht einfach verfallen zu lassen. Und sollte sich wirklich eine Chance auf eine Wiedereröffnung ergeben, wäre es fahrlässig, die überschaubare Summe für die Wartung nicht investiert zu haben. Genauso klar ist allerdings: Je länger das Bad stillgelegt ist, desto mehr Geld muss aufgewendet werden, um es betriebsbereit zu halten. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. c.brunker@volksfreund.de