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Alois ist ein guter Mann…

Alois ist ein guter Mann…

Mit 14 Jahren hat der gebürtige Krautscheider Alois Weires angefangen, als Nikolaus die Kinder zu besuchen. Heute - 50 Jahre später - tut er dies immer noch. Und zwar leidenschaftlich gerne.

Mettendorf/Ringhuscheid. Die Verwandlung ist perfekt: Gerade eben stand Alois Weires aus Mettendorf noch in grauer Hose und grauem Rolli im Wohnzimmer, und dann, schwuppdiwupp, stülpt er sich sein rotes Gewand über, zieht den weißen Rauschebart an, setzt sich die Mitra auf den Kopf und sieht aus wie der perfekte Nikolaus.
Es ist nicht übertrieben, zu behaupten, dass Alois Weires den Nikolaus förmlich verkörpert. Es ist, als würde er gleichzeitig mit den Kleidern auch in die Haut des Bischofs von Myra schlüpfen. Sich selbst versteht der gelernte Energie-Elektroniker aber nur als Bote des heiligen Mannes. Der 64-Jährige nimmt sein Amt sehr ernst. Theater und Klamauk sind nicht seins. "Ich bin der gütige Nikolaus. Ich möchte, dass die Kinder mich mögen und sich mit mir unterhalten. Der Nikolaus-Abend soll gefeiert werden."
Weires selbst hat nur schreckliche Erinnerungen an diesen Abend. "In meiner Kinderzeit war das eine schlimme Sache. Der Nikolaus war ein Strafvollstrecker, und ich habe viel Angst ausgestanden", sagt er. Als kleiner Junge sei er am nächsten Tag in die Schule gekommen und habe erstmal geguckt, ob seine Klassenkameraden noch alle da seien. Doch schon sein Onkel Bernhard brach mit der gruseligen Version des heiligen Mannes und besuchte die Kinder als gütiger Nikolaus. 1964, Alois Weires war gerade 14 Jahre alt, "schubste mich mein Onkel quasi in dieses Amt. Ich wollte eigentlich gar nicht, fühlte mich noch zu jung dafür." Dann fand er jedoch Gefallen an der Rolle. 1976 schickte er den Knecht Ruprecht in den Ruhestand und zog alleine los in seiner Heimatpfarrei Ringhuscheid. "Die ersten Kinder, die ich besucht habe, haben nun selbst schon Kinder. Wo ist bloß die Zeit geblieben?", fragt sich der gebürtige Krautscheider. Fünf bis sechs Familien besucht er maximal am Abend und nimmt sich jedes Mal eine halbe Stunde Zeit. "Ich möchte das selbst auch genießen können." Und das tut er.
Noch immer singen die Kinder dem Nikolaus Lieder vor, sagen Gedichte auf oder malen ihm Bilder. "Letztens hat mir eine Familie mit mehreren Kindern zusammen das Lied \'In der Weihnachtsbäckerei\' vorgesungen. Ich war begeistert. Das war unendlich schön", schwärmt er. Deutlich gewandelt hat sich der Inhalt des Sacks, aus dem der Nikolaus die Geschenke zieht. Gab es früher einen Teller mit Süßigkeiten und Weckmann, stecken heute größere Geschenke drin. Kritik äußert er sanft und möglichst diskret. "Ich möchte die Kinder vor der Gemeinschaft nicht bloßstellen."Gütig und freundlich


Der Nikolaus sollte gütig und altersmilde sein, sagt Weires "und auch mal fünfe grade sein lassen". Deswegen sei er mit 64 Jahren eigentlich im richtigen Nikolaus-Alter und möchte noch so lange weitermachen, wie die Menschen ihn in der Rolle sehen wollen. Trotzdem wünscht er sich zwei Gesellen als Verstärkung.
Im Gegensatz zu seiner Kindheit sei der Nikolausabend heute ein schönes Erlebnis für die Kleinen in meist "herrlicher Atmosphäre", die er sehr genieße und bei der die Erwachsenen auch wieder Kind sein dürften. Doch am 6. Dezember ist schon wieder alles vorbei. Dann geht der Mantel zurück in den Schrank, der Bischofsstab wird in die Ecke gestellt und aus dem Nikolaus wird wieder Alois Weires. Bis zum nächsten Jahr…Extra

Seine Freunde kann man sich nicht aussuchen, heißt es so schön. Und diese Weisheit wäre auch ein Erklärungsansatz dafür, dass der heilige Nikolaus ausgerechnet mit jemandem wie Knecht Ruprecht durch die Häuser zieht. Denn dieser Ruprecht genießt nicht gerade den besten Ruf. Nicht umsonst wird in Familien oft mit ihm gedroht. "Wenn du nicht brav bist, dann kommt nicht der Nikolaus, sondern der Knecht Ruprecht." Und das will natürlich keiner. Der Märchensammler Jacob Grimm hatte mit Ruprecht kein Problem. Der Sprachwissenschaftler war der Auffassung, dass der Name Ruprecht auf das althochdeutsche Wort hruodperath (Ruhmglänzender) zurückzuführen sei und dass die Herkunft dieses Wortes den Rückschluss erlaube, dass Ruprecht womöglich ein Knecht der Göttin Holle war. Letztere taucht übrigens auch - besser bekannt als Frau Holle - in der Märchensammlung der Gebrüder Grimm auf. Wer nicht nur mit dem Nikolaus, sondern auch mit Frau Holle ganz gut zurechtkommt, kann so schlimm also nicht sein. Sollte Ruprecht als Begleiter des Nikolaus hier und da Rutenhiebe verteilt haben, so tat er dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dessen Anweisung. Seine Freunde kann man sich eben nicht aussuchen. uhe