Als Bitburg für Jugendarbeit demonstrierte

Als Bitburg für Jugendarbeit demonstrierte

Verdammt lang her: 1976 hat eine Handvoll Leute um Gerd Wanken den ersten Kinderflohmarkt in der Bitburger Innenstadt organisiert. Inzwischen ist der Flohmarkt, bei dem am Samstag, 17. September, wieder rund 150 junge Händler aus der ganzen Südeifel ihre Stände aufbauen, eine Institution. Es kommen Eltern, die schon als Kinder mit dabei waren. Ein Blick zurück.

Es war eine andere Zeit. Damals, als die Menschen für und nicht gegen etwas auf die Straße gegangen sind. In Bitburg gab es eine Gruppe von Menschen, die der Überzeugung waren, dass Jugendarbeit ein Haus braucht. "Wir waren selbst ja noch recht jung", sagt Gerd Wanken, Leiter des Hauses der Jugend, für das er damals demonstriert hat. Warum ihm das so wichtig war?
"Es gab nichts, wo man sich treffen konnte. Vereine ja, aber wer weder Fußball noch ein Instrument spielen konnte, hatte es schwer", erzählt Wanken und erinnert an diese Zeit, in der es was Besonderes war, wenn eine Familie einen Fernseher hatte. Dass es mal Internet und Tablets geben würde und jeder ständig ein Smartphone mit sich rumträgt, war damals unvorstellbar.
Sie wollten also einen Treffpunkt, einen Raum für Jugendarbeit und hatten ein Problem: "Uns hat keiner so richtig ernst genommen, wir hatten keine Lobby", sagt Wanken. So kam es zur Idee des ersten Kinderflohmarkts, der auf dem Beda-Platz über die Bühne ging. So 50 Stände habe es wohl bei der Premiere gegeben, schätzt Wanken. Wenig im Vergleich zu heute, wo die Händler die komplette Fußgängerzone vom Spittel bis zum Rathaus in Beschlag nehmen.
Was bei der Flohmarkt-Premiere vor genau 40 Jahren gelungen ist: Eltern und Jugendliche wurden auf die Gruppe aufmerksam, die für einen Jugendraum kämpfte, es gab Demonstrationen, es wurde 1978 eine Initiativgruppe gegründet, die schließlich erreichte, dass das Bistum die Trägerschaft für ein solches Haus der Jugend übernimmt, das dann endlich 1981 eröffnet wurde - und damit nun genau 35 Jahre besteht. Leiter der ersten Stunde: Gerd Wanken natürlich, der dort noch heute mit zwei hauptamtlichen Mitarbeitern und vier Freiwilligen-Dienstler mit Leib und Seele arbeitet.
Ob Gitarren- oder Aerobic-Kurs, Zeltlager oder die AG für die Integration von Behinderten, die BAG: Das Haus der Jugend lebt. Auch und vor allem, wie Wanken betont, dank der engagierten Mitarbeit von rund 200 Ehrenamtlichen: "Ohne die wäre das alles gar nicht möglich."
Wer sich ein Bild machen will, mit alten Bekannten über die "Teestuben-Zeit" und die damals legendäre "Disko Explosion" reden oder einfach Spielzeug, Kinder-Bücher und -Kleidung günstig erstehen will:
Samstag, 17. September, ist wieder von 9 bis 14 Uhr Kinderflohmarkt in der Innenstadt.

EXTRA Drei Fragen an...
Gerd Wanken (62), Leiter des Hauses der Jugend Bitburg:
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Wie kam es zum ersten Kinderflohmarkt?
Wanken: Wir wollten ein Haus für die Jugendarbeit. Da haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, mit wenig Geld - wir hatten ja kein Geld - viele Leute zu mobilisieren und Eltern wie Jugendliche mit ins Boot zu nehmen. So kam es zur Idee für den ersten Kinderflohmarkt, der mit einem Folk-Konzert und dem Angebot zur Stadtrand-Erholung verbunden war. Im September 1976.
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Das Haus der Jugend hat vor 35 Jahren eröffnet - was hat sich in der Jugendarbeit geändert?
Wanken: Jugendliche haben heute viel weniger Zeit, sie sind mehr verplant, auch durch die Ganztagsschulen. Und teils auch, weil manche Kinder schon sehr auf Leistung gedrillt werden. Auch Eltern haben teils weniger Zeit. Oft sind beide Elternteile berufstätig, es gibt mehr Alleinerziehende, da müssen wir uns auch mit Freizeitangeboten darauf einstellen. Die fangen dann schon um 8, und nicht wie einst, erst um 10 Uhr an.
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Was wird sich wohl nie ändern?
Wanken: Alle jungen Menschen haben das Bedürfnis, sich mit Gleichaltrigen treffen zu können, gemeinsam was zu erleben, sich zu engagieren und auszuprobieren. Das ist es, woran sie wachsen, sich selbst kennen- und andere verstehen lernen.