Als Degenhardt und Neil Young aus den Boxen tönten

Bitburg · Für die TV-Rubrik "Stadtgeschichten" erzählt der Bitburger Stephan Garçon, wie er die Anfangszeit des Hauses der Jugend erlebt hat. Damals, als Degenhardt und Neil Young in der Teestube gehört wurden.

Bitburg. Eine Teestube macht Karriere: Bevor das Haus der Jugend (HDJ) Bitburg 1981 in seinen heutigen Räumen am Rathausplatz eröffnet wurde, gab es Ende der 70er Jahre eine Teestube. Es folgen die persönlichen Erinnerungen des Bitburgers Stephan Garçon (47) an diese Zeit: "Wir hätten eigentlich schon 2009 ,30 Jahre Haus der Jugend\' feiern können, ist doch 1979 die Keimzelle entstanden, die aus einer Idee binnen kurzer Zeit handfeste Fakten machte. Meine folgenden Schilderungen speisen sich aus meinen nunmehr 32 Jahre alten Erinnerungen und sind daher subjektiv.Stadt geschichte(n)

Bis 1979 wurde das sogenannte Jugendheim mit seinem für Bitburger Verhältnisse großen Saal eher als Stadthalle genutzt, Jugend durfte sich allenfalls in Messdienergruppen oder diversen katholischen Jugendgruppen zu sogenannten Gruppenstunden in den spartanisch eingerichteten Räumen treffen. Eine Zeit ohne MP3-Player, Handy, PC oder sonstiger Technik. In diesem Jahr gründete sich die ,Initiativgruppe Haus der Jugend\', die sich auf die Fahnen geschrieben hatte, aus dem Jugendheim wirklich ein von Jugendlichen selbst verwaltetes Haus zu machen. Wer nun genau die Idee dazu hatte, weiß ich nicht mehr, aber Gerd Wanken war auf jeden Fall von Anfang an der Rädelsführer und auch der, der die nicht selten revolutionären Ideen und Energien in die richtigen Kanäle zu lenken wusste. Zwischenstopp in der Molkerei

Das Gros der Jugendlichen, die sich hier engagierten, kam zu der Zeit aus den Klassen 10 bis 12 des St. Willibrord-Gymnasiums Bitburg. Im September 1979 konnte dann mit der Eröffnung der selbst verwalteten Teestube im Kellergeschoss des Jugendheims ein erster sichtbarer Pflock auf dem Weg zum Haus der Jugend eingeschlagen werden. Und es wurde tatsächlich viel Tee und kein Alkohol ausgegeben. Es war natürlich Ehrensache und cool, in der Teestube Dienst zu machen, und so gab es keine Personalengpässe. Genauso cool war die Musik, die aus einem Kassettenrekorder von selbst aufgenommenen Kassetten tönte: Billy Cobham, Neil Young, Spliff und ganz besonders oft: die Liedermacher Franz-Josef Degenhardt und Hannes Wader. Selbstverwaltung und linke Lieder, das war für manchen Erwachsenen in einem katholischen Jugendheim schwer zu ertragen und roch nach linkem Chaotentum. So dauerte es nicht lange, bis in Bitburg Gerüchte die Runde machten, in der Teestube würden Drogen verkauft. Doch Gerd Wanken achtete auch hier sehr nachdrücklich darauf, dass Probleme besprochen und aus der Welt geräumt wurden. Unvergessen: Es war an Karneval 1980, als sich einige Lehrer aus dem Bitburger Gymnasium wohl erst Mut antrinken mussten, jedenfalls erschienen sie sturzbetrunken in der Teestube, um sich diese ,Lasterhöhle\' mal selber anzuschauen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt selber Dienst in der Teestube, und es war unglaublich anzusehen, wie einige meiner Lehrer völlig fertig auf den Matratzen saßen. Irgendwie gelang es dann, das Bistum und die Stadt von den Plänen für ein Haus der Jugend zu überzeugen. Dies hatte aber zur Folge, dass die Teestube während der Umbauphase umsiedeln musste, und zwar in das erste Stockwerk der Alten Molkerei. Dort waren dann auch die Disco-Abende im Keller legendär, auf denen oft trotz eigener Security die Fäuste flogen. Mit der Eröffnung des Hauses der Jugend im Jahr 1981 war dann die ganz wilde Zeit vorbei, aber spannend blieb es trotzdem."Leser-Echo: Erinnern auch Sie sich an die Anfangszeit des HDJ? Mailen Sie an eifel-echo@volksfreund.de (Namen nicht vergessen, Fotos willkommen). Wir freuen uns! Die Feier des Hauses der Jugend (HDJ) Bitburg beginnt am Sonntag, 28. August, 10 Uhr, mit einem Gottesdienst. Um 11 Uhr startet ein buntes Programm im und um das HDJ. Der aus dem Kinderfernsehen bekannte Tigerenten-Club ist mit seiner Spiele-Show zu Gast. Bei einer Tombola werden Ballonfahrten und Wochenendreisen verlost, es spielen vier Nachwuchsbands. Die AGs des Hauses stellen sich vor, es erscheint eine Chronik, es gibt eine Talkrunde zu Jugendthemen, und zum Abschluss spielt die Band Ezio.