"Als es knallte, bin ich in Deckung"

"Als es knallte, bin ich in Deckung"

NUSBAUM. Auf Verpuffung folgt Ratlosigkeit: Eine Explosion in der Nusbaumer Biogas-Anlage hat in der Nacht zum Dienstag viel Schaden angerichtet: Bis zu einer Million Euro schätzt die Polizei, die auf der Suche nach der Ursache ist.

Ein Telefonbuch liegt auf dem Boden. Daneben zahllose Steine, einige Stühle und mittendrin eine große grüne Blechwand. Wenige Stunden zuvor hat sie noch gestanden, im ersten Stock des Gebäudes und hat dahinter all das verborgen, was jetzt verstreut auf dem ganzen Gelände liegt. "Ich habe nur gemerkt, dass es knallt", sagt einer der insgesamt fünf Betreiber der Biogas-Anlage, der auf der anderen Seite des Hauses vor einem ähnlichen Trümmerfeld steht und seinem Gesprächspartner am Handy zum wiederholten Mal erklärt, was in der Nacht zum Dienstag passiert ist. Wegen einer Störmeldung sei er dort hingefahren, habe dann alles überprüft, bis es auf einmal zur Sache ging. "Als es knallte und alles geflogen kam, bin ich in Deckung gegangen", sagt er. Dass er am Morgen danach überhaupt noch über den Vorgang berichten kann, verdankt er dem glücklichen Umstand, genau zu diesem Zeitpunkt nicht im Gebäude, sondern bei einem der - weiter entfernten - Silobehälter gewesen zu sein. Das war gegen 1.45 Uhr.Vermutlich eine Gasexplosion

Stunden danach ist er immer noch fassungslos, so wie seine Kollegen. Erst vor wenigen Wochen war die Anlage, die als sehr gut durchdacht gilt und bis zu vier Millionen Kilowattstunden pro Jahr produzieren soll, in Betrieb genommen worden - vorerst geendet hat alles mit einem lauten Knall. "Die Ursache dürfte eine Gasexplosion gewesen sein", sagt Peter Neu, Kriminalhauptkommissar der Kripo Wittlich. "Doch wir wissen nicht, wieso es passiert ist." Aufklärung erhoffen er, die beiden ebenfalls anwesenden Mitarbeiter des Gewerbeaufsichtsamtes und die Betreibergesellschaft durch einen Gutachter, der am heutigen Mittwoch den Unfallort untersuchen soll. Ursprünglich habe das Landeskriminalamt die Spurensuche übernehmen wollen, sagt Peter Neu, doch dann habe man sich darauf verständigt, doch einen Gutachter damit zu beschäftigen. Bis der Experte dann vor Ort war, soll alles so weit liegen bleiben, wie es durch die Wucht der Verpuffung verteilt wurde. "Dadurch können Explosionswege und Kräfte zurück verfolgt werden", erklärt der Kriminalpolizist den Betreibern, die auf der Rückseite vor einem der Löcher in der Wand stehen. Hinter den Männern, auf dem Boden, etwa 50 Meter von ihrem ursprünglichen Standort entfernt, liegt eine grüne, komplett verbeulte Tür aus Metall - als Beweis dafür, was Explosionswege und Kräfte anrichten können. Etwas entfernt liegt ein grüner Rahmen, möglicherweise die passende Zarge dazu. Wie hoch der Schaden ist, lässt sich in dem Chaos nur grob schätzen. "Mehrere hunderttausend Euro", sagt Neu, "vielleicht auch eine Million." Dann verschwindet er mit den anderen im Gebäude, macht Fotos und lässt sich zeigen, wo einen Tag zuvor noch Mauern gestanden haben.