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GESCHICHTE: Als Irrel  in Flammen stand

GESCHICHTE : Als Irrel  in Flammen stand

Eine fürchterliche Brandkatastrophe hat sich 1869 in Irrel ereignet. 97 von 119 Häusern des Ortes sind damals abgebrannt. Andreas Bores hat dazu geforscht und einiges herausgefunden.

Das Pfarrhaus ist abgebrannt, die beiden Schulgebäude sowie das Gemeinde-, Hirten- und Spritzenhaus. Dazu fast 100 Gebäude von Privatpersonen, meist einfacher Kleinbauern und Handwerker.

Das war die erschütternde Bilanz eines Brandes, der sich 1869 in Irrel ereignete. Andreas Bores aus Irrel hat dazu geforscht. Und einiges herausgefunden. Zum Beispiel, dass die  Ursachen, warum sich der Brand, der wohl in der Küche eines Hauses aufgetreten ist, so schnell ausbreiten konnte, vielfältig waren. Die Dächer waren damals mit Stroh gedeckt, die Pflichtfeuerwehren gab es im damaligen Preußen, aber sie funktionierten nicht.

Und es war an diesem Tag ein starker Nordostwind nach langer Trockenheit, so dass der Funkenflug andere Gebäude in Brand steckte. In einer dreiviertel Stunde stand das ganze Dorf lichterloh in Flammen.

Für Irrel war das damals eine fürchterliche Katastrophe und hat viele Menschen und Schicksale geprägt. Ein kleines Mädchen von vier Jahren ist beispielsweise mit ihrem noch kleineren Bruder an der Hand vor dem Feuer bis nach Holsthum geflohen, wo Verwandte lebten, bei denen sie unterkamen.

Viele Irreler konnten bei Verwandten bleiben, andere mussten notgedrungen campieren, was wohl in der Flur „Im Weier“ passierte, da man hier nah am Ort war und das Quellwasser an dieser Stelle  trinkbar war.

Man hat die Irreler aber nicht im Stich gelassen. Der Wolsfelder Pastor Engelmann kümmerte sich beispielsweise darum, dass 20 Kinder ärmerer Leute in seiner Pfarrei untergebracht wurden.

Die ersten, die Spenden gaben, waren die in Irrel ansässigen Juden und deren Verwandte, die ein gutes Ansehen im Dorf hatten. Zudem kam spontane Hilfe von der Gemeinde Bollendorf, die einige Jahre zuvor von einem Brand betroffen war, und die damals aus Irrel Hilfe bekommen hatte.

Es folgten auch Spendenaufrufe vom Kreis und der Rheinprovinz. In einem Spendenausruf aus St. Vith heißt es: „Daneben ist den Einwohnern von Irrel allgemein das günstige Zeugnis zu geben, dass dieselben außerordentlich fleißig, thätig und strebsam sind.“

Selbst aus Teltow bei Potsdam kam vom Vaterländischen Frauenverein Hilfe. Viele Gaben waren Sachspenden. Hausrat, haltbare Lebensmittel wie Getreide, Mehl oder Kartoffeln kamen zusammen. In der Kirche wurde alles gelagert. Einiges wurde laut Bores’ Recherche  aber aus der Kirche gestohlen, und ein Irreler Bürger hat wohl eine Heiligenfigur in der Sakristei mit folgenden Worten beschimpft: „Wann D’ihr net konnt richteg oppassen, broucht D’ihr hei och net zu stohen!“

Erstaunlich ist es für Andreas Bores, wie „geräuschlos“ der Wiederaufbau stattgefunden hat. Er sagt: „Man hätte sicherlich erwartet, dass nach dem großen Brand eine Auswanderungswelle nach Amerika stattfinden würde, wie es sie nach 1866 gegeben hat. Aber dem war nicht so. Fast kein Irreler ging in die Fremde, die Einwohnerzahl hat sich stabilisiert und ist sogar bis Ende des Jahrhunderts kontinuierlich angestiegen.“

Seine Quellen für die Recherche waren vielfältig. Er hat zum einen die Irreler Chronik genutzt, bei der sein Vater Mitverfasser war, dann eine Zeitschrift des Volksbildungswerks, die von 1988 bis 2003 unter dem Titel „Gester au hätt“ verbandsgemeindeweit herausgegeben wurde und die maßgeblich von Christel Pütz geprägt war, sowie die Familienbücher Irrels. Die Schulchronik habe allerdings wenig zum Brand ausgesagt, dafür aber das Amtsblatt der Regierung Trier.

Überrascht war Andreas Bores während seiner Recherche, über das Ausmaß des Feuers. „97 Häuser, das ist schon sehr heftig. Und die Leute waren schon vorher arm, hatten vielleicht ein, zwei Kühe. Die standen vor dem Ruin.“

Weiter erklärt er: „Und dass der Wiederaufbau in so kurzer Zeit geschafft wurde, dass keiner weg musste, das war für mich ein Zeichen, wie gut man in der Not im Dorf zusammengehalten hat.“

Aus seiner Sicht kann man für heute aus diesem Unglück mitnehmen, dass der Zusammenhalt im Dorf das „A und O“ ist. Zudem ist die Feuerwehr aus Irrel bis heute sehr aktiv. „Das ist immer in den Hinterköpfen der Feuerwehr, es kann jederzeit zu einer Katastrophe kommen und wir haben Hilfe erfahren“, so Andreas Bores.

Zwischen diesen beiden Häusern stand ein weiteres Gebäude. Dort ist vor 150 Jahren der Brand ausgebrochen, der sich sehr schnell ausgebreitet hat. Nur 22 Gebäude waren unversehrt. Foto: Christina Bents
Im Amtsblatt von Trier war damals ein Spendenaufruf für Irrel abgedruckt. Foto: Christina Bents

Dass es in Irrel kaum historische Bausubstanz gibt, ist ebenfalls dem Brand und dem Zweiten Weltkrieg geschuldet. „Es ist damals viel verbrannt oder im Zweiten  Weltkrieg zerstört worden. Von daher ist das Ortsbild nicht von historischen Bauten geprägt“, erklärt der Heimatforscher.