Als Jeck von Gott geliebt

Werde ich in diesen Tagen nach meiner Konfession gefragt, sage ich angesichts der unerfreulichen Vorgänge um die Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft gerne: r. katholisch, wobei das "r" mehr für rheinisch als für römisch steht!

Das katholische Rheinland ist eine Hochburg des Karnevals. Noch einmal das Leben in vollen Zügen genießen bevor ab Aschermittwoch die Vorbereitung auf das Osterfest mit neuen Schwerpunkten ansteht. - Aus tiefstem Herzen Karneval feiern kann nur ein Mensch, der mit sich im Reinen ist, der sich selbst bejaht und mit sich die ganze Schöpfung. Diese Grundhaltung kommt z.B. im vertrauten Umgang des Rheinländers mit Gott zum Ausdruck. - Tünnes fragt den lieben Gott: "Sag, Herrjott, wie lang eß för dich ein Million Johre?" - Hä strech sich der Baart und säht: "Ei Minütche" - "Su, wie viel eß dann für dich en Million Euro?" - Hä drop: "Eine Jrosche!" - "Dann bes doch esu jot, und lieh mer ne Jrosche", säht ich. - "Waat e Minütche!" wor sing Antwort. - Von einem solch vertrauten Umgang mit Gott können nur gläubige Menschen sprechen, die sich als sein Ebenbild verstehen. Der echte Jeck weiß um seine Begrenztheit und kann sich selber auf die Schippe nehmen. Gott ist für ihn nicht der unendlich Ferne, der Strafende, vor dem ich in Ehrfurcht erstarre und der mich ständig kontrolliert. Er ist ein Liebhaber des Lebens, der jeden einzelnen von uns unendlich liebt. Natürlich kann ich die Art, wie heute Karneval gefeiert wird, aus unterschiedlichsten Gründen ablehnen. Aber der Urgrund, aus dem heraus der Karneval als religiöse Festzeit entstanden ist, entspricht der Grundhaltung eines gläubigen Christen: Aus der Erfahrung von Gott angenommen und geliebt zu sein, bejahe ich diese Welt mit all ihren Unvollkommenheiten. In diesem Sinne wünsche ich allen frohe Karnevalstage - und dann eine gute Zeit der Besinnung und des Fastens als Vorbereitung auf das Hauptfest aller Christen: Ostern. Wolfram Viertelhaus, Diplom-Theologe, Wittlich