Als Prüm noch selbst Strom erzeugte

Für den "Prümer Landboten" hat sich Erich Reichertz mit der Geschichte des Prümer Elektrizitätswerks befasst. Im zweiten Teil seines Berichts geht es um die Zeit ab den 1920er Jahren.

Prüm. (red) Durch den großen Bedarf an elektrischem Licht der nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg 1919 in Prüm stationierten amerikanischen Besatzungeinheit musste die Stromproduktion weiter erhöht werden. Der Strom wurde teurer, vermutlich auch, weil die Soldaten nicht oder nicht ausreichend dafür bezahlten. Ein Kilowatt für die Beleuchtung kostete 80 Pfennig, der Kraftstrom 60 Pfennig.In der großen Not der Nachkriegszeit kam zunächst die Sorge auf, im kommenden Winter nicht über ausreichend Brennstoff für die Dampferzeugung im Kraftwerk zu verfügen. Am Ende des Jahres hieß es dann, eine Einschränkung der Beleuchtung sei nicht zu befürchten, da genügend Kohlen beschafft werden konnten. Im Februar 1920 erneuerte das Elektrizitätswerk die Akkumulatorenbatterie, die bei kurzzeitigen Schwankungen und Ausfällen der Generatorenleistung die unterbrechungsfreie Stromversorgung sicherstellte. 1921 beschäftigte man sich mit der Umstellung von der kohlebefeuerten Dampfkraft auf Dieselmotoren zum Antrieb der Generatoren. Man entschied sich im August 1922 für den Kauf von zwei neuen Dieselmotoren der Herstellerfirma Deutz. Für den weiteren Ausbau musste man 1923 eine Anleihe von inflationsbedingten 15 Millionen Mark aufnehmen. Das Prümer Elektrizitätswerk erzeugte 1924/25 jährlich 182 510 (täglich etwa 500) Kilowatt Strom. In der Stadt waren 61 Motoren und 9780 Glühlampen angeschlossen. Kontrolliert wurde die Anlage vom Mittelrheinischen Überwachungsverein Koblenz, einem Vorläufer des Tüv.Im Gegensatz zur Stadt erzeugte der Kreis Prüm den Strom für sein Überlandnetz damals nicht selbst, sondern bezog ihn vom Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk. Schon seit einigen Jahren war der Kreis bemüht, die Stadt an seine zentrale Versorgung mit elektrischer Energie anzuschließen. Die Gegner einer solchen Übernahme argumentierten, der städtische Betrieb arbeite billiger als das Zulieferwerk des Kreises.Nach langem Zögern beschloss der Stadtrat dann aber doch den Anschluss an die Stromversorgung des Kreises. Trotzdem ließen die Prümer ihr eigenes Elektrizitätswerk weiter bestehen, da sich schnell zeigte, dass die Lieferungen des Kreises nicht zuverlässig waren. Immer wieder setzte abends das Licht aus, weil die Hauptzuleitung dem großen Stromverbrauch in der Stadt nicht gewachsen war. Man betonte deshalb immer wieder, es sei ein Glück, dass die Stadt ihre mit 180-PS-Dieselmotoren angetriebenen Generatoren und die Akkumulatorenbatterien nicht schon verkauft hatte. Die Zeitung schrieb hierzu: "Es wäre wünschenswert, wenn das elektrische Licht endlich mal aufhören würde, aufzuhören."Der Kreis Prüm übereignete sein Versorgungsnetz in den 30er Jahren an das RWE. Dieses kaufte 1942 auch das städtische Elektrizitätswerk, auf das die Prümer immer so stolz gewesen waren. Es bestand noch einige Jahre bis kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Dann ließen die Bomben davon nichts mehr übrig außer einer traurigen Ruine. Das Werksgrundstück ging in Privatbesitz über. Es dauerte über zwei Jahrzehnte, bis wieder ein Gebäude errichtet wurde, das seitdem von Discountmärkten genutzt wird.EXTRA Der Prümer Landbote: Der Artikel "Prüm früher - heute: Das Prümer Elektrizitätswerk" von Erich Reichertz steht neben weiteren Beiträgen in der Ausgabe 96 der Zeitschrift "Der Prümer Landbote". Der Geschichtsverein Prümer Land veröffentlicht ihn vier mal pro Jahr mit mehr als 70 Seiten und stellt ihn Mitgliedern zu. Wer Interesse hat, meldet sich beim Geschichtsverein unter Telefon 06551/3799. Anfragen per E-Mail an geschichtsverein-pruemerland@t-online.de