Alt, antik und "shabby chic"

SPANGDAHLEM. Margret Kremer und ihre Tochter Michaela Stolz haben ein Faible für alte Sachen. Beide wohnen nicht nur in Häusern aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sondern auch beruflich dreht sich in ihrem Antiquitätenladen in Spangdahlem alles um betagte Möbel und Einrichtungsgegenstände.

Das heute rosafarbene Haus in der Hillstraße in Spangdahlem bestand früher aus zwei kleinen landwirtschaftlichen Betrieben. Praktischerweise heiratete der Nachbar die Nachbarin. Die Nachbarin war die Schwester von Margret Kremers Schwiegervater. Kurzum: Das Haus wurde weitervererbt. "Das Haus war voller alter Sachen, die mein Mann wegschmeißen wollte", erinnert sich Margret Kremer. Das rustikale Eichenschlafzimmer übernahmen sie und stellten fest, dass das von einem heimischen Schreiner gezimmerte Bett viel bessere Qualität hatte als herkömmliche Möbel. "Dabei war es schon über 80 Jahre alt", sagt sie. Aus ihrem Hobby, alte Möbel zu kaufen und zu restaurieren, wurde im Laufe der Zeit Berufung. Überwiegend in der Eifel besuchen Mutter und Tochter Auktionen, gehen auf Trödelmärkte oder bekommen privat Dinge angeboten. "Größtenteils renovieren wir die Sachen selbst, das habe ich meinem Mann abgeguckt", sagt die handwerklich begabte Mutter. Decken eingerissen, PVC-Böden abgekratzt

Da verwundert es fast nicht, dass Tochter Michaela sich auch zu alten Sachen hingezogen fühlt. Obwohl sie im Teenageralter auch für moderne Jugendzimmer schwärmte. "Das legte sich aber schnell wieder", erinnert sich ihre Mutter Margret. Bald stand auch für die Tochter fest: "In einem neuen Haus möchte ich nicht leben." Es brauchte etwas Überredungskunst - "meine Tochter kann sehr überzeugend sein, wenn sie etwas will" - bevor ihr Mann einwilligte, in ein altes Haus zu ziehen. Ein folgenschwerer Entschluss. Denn bis aus den alten Häusern schöne Domizile wurden, hatte die Familie alle Hände voll zu tun. Bei Margret Kremer mussten beispielsweise PVC-Beläge von den Treppen gekratzt, acht bis zehn Farbschichten von den Türen gelaugt werden. Bei ihrer Tochter mussten im oberen Stockwerk die Decken eingerissen werden, weil die Deckenhöhe nur 2,10 Meter betrug. "Ich habe keine großen Räume, dafür aber viele", sagt Margret Kremer. In ihrem Haus, das ursprünglich aus zwei kleinen Häusern bestand, sind es immerhin 16 Zimmer und vier Bäder. "Unsere Freunde waren anfangs entsetzt, als sie erfuhren, wir würden das alte Haus kaufen. Sie sagten, wir sollen einen Bagger holen und alles aushöhlen", sagt Michaela Stolz. Heute ist ihr Häuschen ein Schmuckkästchen. Dass die Einzelhandelskauffrau Geschick für Dekoration hat, spürt man im ganzen Haus. Während ihrer Hochzeitsreise lernte sie in Amerika eine Designerin kenne, die dort den "Shabby chic" propagiert. "Shabby chic" - das sind weiße Möbel mit Gebrauchsspuren", klärt die 35-Jährige auf. Ein Trend, der sich seit etwa einem Jahr auch in Deutschland breit macht und den auch Michaela und Stephan Stolz für ihre Inneneinrichtung gewählt haben. Dass der "Shabby chic" in Deutschland aber doch noch nicht ganz populär ist, beweist ein rühriger Handwerker, der bei einem Tisch von Michaela Stolz alle "Gebrauchsspuren" fachmännisch beseitigte. "Alte Häuser sind gemütlich, sie haben Charakter und sind behaglich", zählt Michaela Stolz Vorzüge auf. Ihr Grundstück sei auch wesentlich ruhiger und großzügiger geschnitten als im Neubaugebiet. Das kommt auch den Katzen Molly und Mickie zu Gute - und nicht zuletzt Bobtailmischling Ellie, die über die beiden Häuser wacht. SVERLIEBT IN ALTE STEINE: Gerne wollen wir Sie in weitere Wohnhäuser entführen, die wahre Denkmäler sind. Wir wollen Ihnen Menschen vorstellen, die in oft jahrelanger Arbeit ein altes Gemäuer renovieren und über Freud und Leid des Altbau-Wohnens sprechen. KONTAKT: Leben Sie in einem denkmalgeschützten Haus und haben Lust, uns über Ihre Motivation zu dieser Wohnweise zu erzählen? Dann mailen Sie uns ein paar Stichworte an eifel@volksfreund.de. Wir freuen uns.