Alte Eifeler Tradition

GROSSLANGENFELD. (js) Mitten im rauen Schneifelland eine Weinsegnung? Ja, seit Jahrhunderten hat diese religiöse Handlung in einigen Dörfern Bestand.

Über den Ursprung lässt sich nur spekulieren, aber: Ob Brot-, Eier-, Salz- oder Weinsegnung - hinter diesen religiösen Bräuchen, die zum Teil Jahrhunderte alt sind, steckt eine tiefe Überzeugung: Abwehr von unheilvollen Kräften und Stärkung der Gesundheit für Vieh und Mensch. So gilt und galt ein Schluck der "Johannisminne" als Schutz gegen schädliche Getränke und Speisen sowie Krankheiten des Mund- und Rachenraums. Zu Ehren des heiligen Johannes wurde in Großlangenfeld, Harspelt, Sevenig, zuvor auch in Weinsheim und Lünebach, Wein gesegnet. Obwohl es dort nie Weinanbau gab, wird diese Sitte am Johannes-Festtag (27. Dezember) gepflegt. Quellen besagen, dass man früher Kokosschalen als Trinkgefäße benutzte. Heute wird der Wein nach der Segnung in Gläser ausgeschenkt und zum Verkosten in der Kirche gereicht. "Trinke die Minne des Johannes" - heißt es während der Mess- und Segensfeier, die in Großlangenfeld Pastor Werner Assmann zelebrierte. "Zu jedem Fest gehört Wein. Lasst uns diese guten Gaben der Schöpfung genießen", sagte der Geistliche. Er bezog sich auch auf Bundespräsident Theodor Heuß, der vom "Weintrinken als Gebet" gesprochen hatte. Weitere Anteile des gesegneten Weins nehmen die Gläubigen mit nach Hause, um sie an kranke und behinderte Menschen weiter zu reichen. In Großlangenfeld ist der Johannis-Festtag zudem Anlass für eine kleine Kirmes mit Tanz und Frohsinn. Dazu lud auch in diesem Jahr die Freiwillige Feuerwehr des Orts ein. Während des Gottesdienstes in der Großlangenfelder Johannes-Kirche wurden zudem zwei neue Figuren gesegnet: eine Muttergottes- und eine Katharina-Statue. Auch das mächtige Apostelfries, das derzeit restauriert wird, soll demnächst in das Gotteshaus zurückkehren. Ein großzügiger Spender machte diese Sanierung möglich.