Alte Kennzeichen: Bürger befragt

Alte Kennzeichen: Bürger befragt

Ein Team der Hochschule Heilbronn wird heute und morgen die Einwohner in Prüm und Bernkastel-Kues befragen, ob sie sich die alten Kfz-Kennzeichen zurück wünschen. Bei den bisherigen Umfragen sprachen sich 75 Prozent der deutschlandweit Befragten für eine Rückkehr zu den alten Nummernschildern aus.

Bernkastel-Kues/Prüm. Viele alten KFZ-Kennzeichen verschwanden im Zuge der Kreisreform 1969. Sie wurden durch Nummernschilder der neuen Kreise ersetzt. Dies war auch in Prüm und Bernkastel-Kues der Fall - Prüms PRÜ wurde zu BIT, Bernkastel-Kues\' BKS zu WIL.
Nur noch wenige Fahrzeuge tragen heute die alten Kennzeichen: etwa 600 in Prüm, in Bernkastel-Kues schätzt die Kreisverwaltung 300. In beiden Fällen handelt es sich überwiegend um Landwirtschaftsfahrzeuge wie Traktoren und Anhänger. Doch viele Menschen vermissen auch nach 40 Jahren die alten Nummernschilder. Zuletzt wurde dieses Thema im Bernkastel-Kueser Stadtrat diskutiert, der sich für eine Wiedereinführung der alten Kennzeichen aussprach. Auch viele TV-Leser sprachen sich für eine Rückkehr aus (der TV berichtete).
Die Chancen hierfür sind gestiegen: Im April haben sich die Verkehrsminister der Länder für eine Wiedereinführung der alten Kennzeichen ausgesprochen. Derzeit prüfen Bund und Länder, ob und wie sich dieses Vorhaben verwirklichen ließe.
Doch wünscht tatsächlich die Mehrheit der Einwohner diese Umstellung? Die Heilbronner Initiative, ein Forschungsprojekt der Hochschule Heilbronn, will diese Frage klären. Daher werden deren Mitarbeiter heute und morgen die Einwohner in Prüm und Bernkastel-Kues befragen.
"Wir betrachten dieses Thema aus Sicht des Tourismus-Marketings", sagt der Kopf der Heilbronner Initiative, Wirtschaftsprofessor Ralf Bochert von der Heilbronner Hochschule. "Ein Nummernschild ist ein fahrendes Symbol für die Marke des Ortes. Heute aber wirbt ein Bernkasteler Autofahrer für die Marke Wittlich."
Die Initiative wertet das Ergebnis der Umfrage aus und gibt es an die Städte weiter. "Für die ist das eine interessante Angelegenheit, zumal eine Umstellung zu den alten Kennzeichen per Computerprogrammen schnell und kostenneutral erfolgen kann." Bisher hat die Initiative in 111 Städten rund 25 000 Einwohner befragt, wobei sich insgesamt 75 Prozent für eine Rückkehr zu den alten Kennzeichen aussprachen.
Zumindest in Bernkastel-Kues würde die Initiative mit einem positiven Ergebnis offene Türen einrennen: Wolfgang Port, Stadtbürgermeister von Bernkastel-Kues, findet, dass mit einer Rückkehr zu den alten Nummernschildern "ein Stück Identität wiederhergestellt wird". VG-Bürgermeister Ulf Hangert sieht das ähnlich: "Die Menschen hätten dann eine noch größere Bindung an den Heimatort."
Jakob Weinand, Beigeordneter der Verbandsgemeinde Prüm, meint, dass eine Rückkehr zum alten Kennzeichen für viele Ältere eine "kleine Erinnerung an den Altkreis Prüm" bedeuten würde. Nur von völligen Fantasiezeichen, wie sie vor kurzem von der FDP in Berlin diskutiert wurden, halte er nichts. Die Stadtbürgermeisterin von Prüm, Mathilde Weinandy, sagt, sie wisse nicht, "ob die Wiedereinführung der alten Nummernschilder sinnvoll ist. Aber ich weiß auch gar nicht, ob die Leute das wollen. Daher bin ich auf das Ergebnis der Befragung gespannt."
Die Mitarbeiter der Initiative werden heute auf dem Prümer Hahnplatz und morgen auf dem Bernkasteler Marktplatz die Einwohner befragen, jeweils ab 9.30 Uhr.

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